Hader in Entenhausen

26. Juni 2009, 18:15
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Immer wieder konnte man in den letzten Tagen lesen, der Onkel Hans aus der Muthgasse habe einen Neffen enterbt, weil dieser einer windigen Konkurrenz zu viele Inserate zugeschanzt hätte

Immer wieder konnte man in den letzten Tagen lesen, der Onkel Hans aus der Muthgasse habe einen Neffen enterbt, weil dieser einer windigen Konkurrenz zu viele Inserate zugeschanzt hätte. Um der Verwandtschaft diesen schalen Beigeschmack von extrafamiliärer Unzucht mittels Steuergeldern zu nehmen, fand sich Donnerstag in der Zeitung des Onkels, neben anderen Douceurs, eine siebenseitige bezahlte Anzeige: Information des Bundeskanzleramtes zum Thema Mit der Steuerreform 2009 auf Zukunftskurs. Eine erkennbare Wirkung ist bisher nicht eingetreten, weder auf den Zukunftskurs, noch auf den Kurs des Traumpfade wandelnden Onkels. Das könnte auch daran liegen, dass ein neuer Neffe - allmählich wähnt man sich bei Tick, Trick und Track -, dass also der neue Neffe, der als Doppelneffe die Inkarnation von Tick und Trick repräsentiert, ebenfalls eine Information, und zwar des Finanzministeriums, ebenfalls bezahlt, sieben Seiten umfassend und zum Thema Steuerreform in der Zeitung des Onkels deponierte, allerdings bereits am 4. dieses. Den zeitlichen Vorsprung konnte der verstoßene Neffe, bleiben wir bei Track, auch durch die Kühnheit nicht wettmachen, für eine Steuerreform geworben zu haben, für die er im engeren Sinn gar nicht zuständig ist, weil er das Finanzressort seinerzeit großzügig Tick-Trick überlassen hat. Wer weiß, was der Onkel geträumt hätte, wäre Track mit seiner Information der erste gewesen. Wenigstens können sich die Bürgerinnen und Bürger nicht beklagen, die Regierungsspitze von Entenhausen hätte sie über das, was andere Medien auch gratis verbreitet haben, nicht ausreichend und nur um einige hunderttausend Euro informiert.

Das Menetekel von den beiden Prölls an der Staatsspitze, der eine als Bundeskanzler, der andere als Bundespräsident, war kaum zur allgemeinen Deutung freigegeben, da bemühte sich die Krone um authentische Interpretation. Wenn schon der Onkel den Präsidentschaftswahlkampf eröffnet, sollte sich auch der Bundespräsident seinen Anmutungen nicht mehr zu verschließen wagen. Schon am Sonntag ließ man wissen, dessen Stellungnahme werde für Anfang Juli erwartet, wenn er in der ORF-Pressestunde Rede und Antwort stehen wird.

Montag eröffnete die "Krone" mit der Schlagzeile Brutaler Kampf um die Hofburg und machte sich im Blattinneren große Sorgen um Fischer: Die Herzen seiner Genossen hat er allerdings niemals erreichen können. Und brutaler: Es mag noch mehr Sozialdemokraten geben, die sich einen Erwin Pröll sehr gut als ersten Mann des Staates in der Hofburg vorstellen können. Der Genosse Dichand?

Am Dienstag winselte Jeannée ins Einheitshorn. Damit der unwürdigen Ranküne, der widerlichen Haxlbeißerei, dem hinterhältigen Hader und der schleimigen Haberei ein Ende bereitet würde, nachdem der Träumer dafür Tür und Tor geöffnet hatte, müsse sich der Bundespräsident äußern, und zwar jetzt. Jetzt unterstrichen. Der Leitartikel auf der Leserbriefseite teilte mit, dass die VP über ein gut aufgestelltes und erfolgreiches Team verfügt, hingegen: Fischers Zaudern bezüglich Wiederwahl zeugt auch nicht von Durchsetzungsvermögen. Heinz Fischer hat seine "SPÖ-Jacke" in Wahrheit nie ablegen und seine Funktion als Bundespräsident nicht erfüllen können. Na so was!

Ein Glück, dass der Onkel rechtzeitig geträumt hat. Da weiß der Redakteur, was er zu schreiben hat, nämlich, am Donnerstag, dass Erwin Pröll den parteilichen Niederungen schon längst entkommen ist, also eine kritische Distanz einnimmt, die dem Sozialisten Fischer nie gelungen ist.

Andere hingegen sind für kritische Distanz berühmt. Für die "Krone" traf sich das Power-Duo der heimischen Innenpolitik zum ersten Doppel-Interview, das Ergebnis konnte sich über vier Seiten in der "Krone bunt" sehen lassen. Die Fragen waren von schmerzhafter Brutalität, etwa: Wie wichtig ist Ihnen die Bindung zur Familie und die Zeit, die man miteinander verbringt? Oder auch, an den Onkel: Es gibt viele Menschen in diesem Land, die Sie gerne als Bundespräsident sehen würden. Kann es dazu kommen? Die Antwort war eines großen Staatsmannes würdig. Diese Frage ist in letzter Zeit oft an mich herangetragen worden, jetzt muss sich der Bundespräsident outen.

Dass sich der Bundespräsident outen muss, obwohl sich ohnehin schon der "Krone"-Herausgeber träumerisch geoutet hat, zeigt, dass in der ÖVP noch nicht jedes Zutrauen in staatliche Institutionen geschwunden und nicht jeder Traum schon ein Leben ist. Ein wenig Volk gibt es auch noch.(Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.6.2009)

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