Ehrenrettung eines "spät­pubertären Retrolinken"

26. Juni 2009, 17:47
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    foto: standard/regine hendrich

    "Eine Idee, deren Zeit gekommen ist" : Christian Felber.

Ein Nachtrag zum UN-Finanzgipfel - Von Christian Felber

Mit ihrem Boykott der UN-Konferenz haben die Industrieländer gezeigt, dass es ihnen auch im 21. Jahrhundert nicht um globale Demokratie geht. Sie bleiben lieber unter sich in der G20, wo sie sich nicht mit der Reform des Weltwährungssystems auseinandersetzen müssen, wie sie von der UN-Expertenkommission rund um Joseph Stiglitz vorgeschlagen wurde.

Der Bericht dieser Kommission verschaffte mir eine unerwartete Ehre: Als ich 2006 in den "50 Vorschlägen für eine gerechtere Welt" forderte, die Idee von John Maynard Keynes nach Schaffung einer "neutralen" globalen Reservewährung aufzugreifen, welche den US-Dollar als Weltleitwährung ablösen und zahlreiche weltwirtschaftliche Ungleichgewichte beheben würde, wurde ich von nicht wenigen Meinungsbildnern als naiver Utopist belächelt. Von der politischen EU-Elite war in den letzten Jahren kein Sterbenswörtchen über eine Weltreservewährung zu hören. Der erste, der die Werbetrommel dafür rührte, war der Gouverneur der chinesischen Zentralbank kurz vor dem G-20-Gipfel. Und nun kommt sie im Stiglitz-Papier prominent vor - als "Idee, deren Zeit gekommen ist" .

Konkret schlägt die UN-Kommission eine "Weltreservewährungsbank" vor, welche die globale Reservewährung emittieren soll. Der internationale Handel und damit die wichtigsten Rohstoffe würden forthin in dieser Welthandelswährung abgerechnet. Um globaler Instabilität vorzubeugen, fordern die UN-Experten - wie schon Keynes - Strafen für dauerhafte Export-Überschüsse und - über Keynes hinaus - die Verwendung der Einnahmen für globale öffentliche Güter wie Finanzmarkt- oder Klimastabilität. Die Strafzahlungen in dieser globalen Reservewährung würden somit zu einem eigenen UN-Budget und könnten die ebenfalls empfohlene Weltfinanzbehörde - u. a. zur Bekämpfung von Steuerwettlauf und Bankgeheimnis - finanzieren.

Diese und zahlreiche weitere Vorschläge haben Attac und ich wiederholt in die öffentliche Diskussion eingebracht und wurden dafür von wichtigen österreichischen Meinungsbildnern als "retrolinks" (Peter A. Ulram), "spätpubertär" (Andreas Unterberger), "kommunistisch" (Eric Frey), "kotzpopulistisch" (Christian Ortner) oder als Reiter von "Wahnsinnsattacken" (Norbert Mayer) bezeichnet. Keine argumentative Kraft verwendeten diese Federführer, um die Vorschläge von Keynes oder Stiglitz bekannt zu machen, ihrerseits Vorschläge für eine gerechtere Weltwirtschaft zu präsentieren oder auch nur die westlichen Regierungen zu prominenter Teilnahme an der UN-Konferenz zu ermahnen.

Für Österreich nahm lediglich Staatssekretär Lopatka teil und weder der Finanzminister noch der Bundeskanzler. Deutschland schickte die Entwicklungsministerin, doch zum G-20-Treffen fuhr Angela Merkel. Die USA, Frankreich und Großbritannien waren in New York erst gar nicht vertreten. Der Boykott der reichen Länder und ihr Schutz durch prominente Meinungsmacher zeigt deutlich: Globalisiert werden sollen offenbar nur die Geldflüsse, aber nicht die Demokratie.(Christian Felber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2009)

Zur Person

Christian Felber ist Mitbegründer von Attac Österreich; im August erscheint bei Deuticke sein Buch "Kooperation statt Konkurrenz. 10 Schritte aus der Krise".

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    Posting 1 bis 25 von 113
    1 2 3
    ohnepolemik
     
    02
    28.6.2009, 21:47
    Volle Zustimmung!

    Die derzeitige Struktur der Welt-Finanzwirtschaft beruht zu einem wesentlichen Teil auf langfristigen machtpolitischen Konzepten. In meiner Homepage habe ich im Artikel "Gedanken zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009" versucht, dies darzustellen. Nur zwei Zitat daraus:

    Amschel Mayer von Rothschild (deutscher Bankier, 1773-1855) sinngemäß: "Gebt mir die Kontrolle über das Geld und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht."

    John Dewey (US-Philosoph und Pädagoge, 1859-1952) bezeichnet die Politik als "den Schatten den die großen Unternehmen auf die Gesellschaft werfen."

    Siehe: www.ohnepolemik.at/artikel/

    konsulent0
    00
    28.6.2009, 19:20
    die einzig wesentliche frage

    was sagt nordkorea dazu, was kuba, wie steht der kongo dazu.....

    Robert Stanggeler
    102
    28.6.2009, 18:18
    Linker Intellektueller? Pubertär-populistischer Schwafler!

    Rein arithmetisch betrachtet: Herr Felber führt 5 Leute an, die ihn, meiner Meinung nach, korrekt beschreiben. Aber nur 2 (zwei) die ihm Recht(?) geben. Hallo...
    Irgendein chinesischer Oberkommunist und der Stiglitz sind Evangelisten? Ist das, was die sagen, der Ausbund an ökonomischer Weisheit?
    Ach, Herr Felber, Ihre schönen Haare werden grau oder weg sein und der Dollar wird immer noch die Welt-Leitwährung sein!

    Diskursmaschine
    51
    28.6.2009, 15:22

    Christian Felber hat etwas kurios HPM-haftes in seinem Schreibstil. Irgendwie kann man ihn sich wie Martin beim Schreiben auf- und abzappel und beim Reden spucken vorstellen. Außerdem ist er ständig paranoid beleidigt auf tatsächliche und imaginierte Feinde. Leider ist er Österreichs einziger linker Intellektueller.

    Gerhard Gilnreiner
     
    01
    28.6.2009, 14:32
    Egal was an Weisheiten verzapft wird....

    ....es setzt sich höchst selten durch - und wenn dann wird es so missbraucht, dass es sich de facto nicht durchsetzt. Oder?

    Und wer der hier Diskutierenden nimmt legitim in Anspruch Wirtschaftstheorien zu verstehen. Hat doch noch nie etwas gestimmt. Oder?

    Meine Theorie: Mann kann nur ständig am Korrigieren mitarbeiten, mitstereiten etc.

    Warum es nichts Ideales geben wird? Weil wir Menschen auf Evolution programmiert sind - und die kennt kaum sanfte Methoden.

    Vollmilch
    13
    28.6.2009, 13:59

    Der Tänzer dogmatisiert wieder. Ich respektiere Felber für sein Engagement und den Willen, die Welt zu verbessern. Sein grundsätzliches Problem ist, in allen Bereichen der Politik und Wirtschaft mitreden zu wollen, wenngleich er in keinem Bereich einen soliden wissenschaftlichen Backround vorweisen kann. Für die Masse des Volkes reicht das natürlich, die haben noch weniger Ahnung als er. Sein Hang zu missionarischem Auftreten und der Glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, macht in leicht anstrengend.

    Josef Obermaier
    81
    28.6.2009, 12:19
    Der Stoff aus dem die Retter der Welt geschnitzt sind


    Vitae auf Wikipedia:

    "Felber studierte in Wien und Madrid Romanische Philologie und Spanisch als Hauptfächer sowie Politikwissenschaft, Psychologie und Soziologie als Nebenfächer. Er beendete sein Studium 1996 mit einem Mag. phil. Seitdem arbeitet er als freier Autor. Seit 2000 ist er bei attac aktiv. Bis 2003 war er im Vorstand, bis 2004 Pressesprecher."


    Dem ist nichts hinzuzufügen

    Mob Barley
    00
    22.7.2009, 10:56
    und Achtung: und angeblich tnazt er auch! pfui Teufel!!

    geh' Peppi.

    greenberetta
    00

    Na, wenn man nichts hinzuzufügen hat ...

    Prof. Dr.
    00
    28.6.2009, 17:18
    Und wo ist jetzt genau das Problem?

    notorischer Besserwisser
    01
    28.6.2009, 14:07
    Ich hab eine Frage hinzuzufügen:

    Wo ist die zweite Vita?

    Josef Obermaier
    40
    28.6.2009, 14:14
    Bildung macht den Unterschied


    Vom romanischen Philologen über die Psychologie zum selbsternannten Weltwirtschaftsfachmann und Retter des Universums - das sind mir Vitae, Vitas, Viten, Vitungen, Vitereien und Le-Viten genug...

    Taji Soron
    04
    28.6.2009, 17:36
    Fachtrotteln gibt es genug

    und keiner von ihnen hat auch nur irgendeinen brauchbaren Vorschlag zur Lösung der Wirtschaftskrise gemacht...
    Da ist mir ein "Tänzer" mit einem unorthodoxen Zugang zur Wirtschaftswissenschaft aber tausendmal lieber (von schnöseligen "Bildungsbürgern" wie Ihnen ganz zu schweigen...)

    konsulent0
    00
    28.6.2009, 19:18
    ich weiß nicht wohin,

    aber ich will gerettet werden!

    Josef Obermaier
    10
    28.6.2009, 18:18
    Sie haben natürlich Recht


    Sie haben vollkommen Recht, die Welt kann nur durch Menschen mit leicht überschaubarer Fachbildung gerettet werden, sei es heute ein Tänzer oder damals ein Postkartenmaler...

    Josef Obermaier
    00
    28.6.2009, 17:44
    Ja sie haben Recht...


    Sie haben vollkommen Recht, die Welt kann nur durch Menschen mit leicht überschaubarer Fachbildung gerettet werden, sei es heute ein Tänzer oder damals ein Postkartenmaler...

    notorischer Besserwisser
    00
    28.6.2009, 14:58
    Also mir ist das nicht nur genug

    sondern zu viel, wenn es eigentlich nur um eine Vita geht.

    btw: Na und? Freud war auch kein Psychiater.

    Vesthofen
    00
    28.6.2009, 11:23

    Heißt das, bis auf die G20 wären alle anderen mit einer Weltwährung einverstanden? So ein Blödsinn!

    Kaum ein Staat dieser Erde will die Eigene Währung aufgeben. Und eine Kopplung an eine Weltwährung wird auch nicht funktionieren, schon aus finanzpolitischen Gründen.

    Das die Chinesen und Russen auf so eine Weltwährung drängen, hat schlicht den Grund, dass Sie wie die Irren Dollars eingekauft haben, die aber ohne massiven Kurssturz nicht verkaufen können. Bei einer Weltwährung würde aber das gleiche passieren, so als Anmerkung.

    Laird of Glenmore
    012
    27.6.2009, 22:44
    Christian Felber hat vollkommen Recht.

    Das zentrale Problem bleibt, dass die Profitinteressen immer stärker wirken werden als demokratische, nachhaltige, soziale und ökologische Interessen.

    Wir müssen Sand ins Getriebe bringen, damit der Kapitalismus durch - leider nur langsame - Transformation abgelöst wird. Irgendwann in diesem langsamen Prozess kommt entweder

    a) die völlige Katastrophe (z.B. Ressourcenkriege)

    oder b) eine Beschleunigung der Transformation, weil der Druck von unten wächst

    oder c) beides.

    An alle Kapital-Gläubigen: Wie alles in der Geschichte hat auch der Kapitalismus ein Ablaufdatum. Aber: Auch der Feudalismus ist nicht von einem Tag auf den anderen gestorben.

    Ibn Chaldun
    62
    27.6.2009, 14:21
    "Globalisiert werden sollen offenbar nur die Geldflüsse, aber nicht die Demokratie"

    Wie bitte globalisiert man Demokratie?
    Doch nur über Einmischung in innere Verhältnisse anderer Staaten. Und das ist doch ganz ganz böse.
    Und was bitte soll eine "neutrale" Weltwährung sein?
    Eine von Bürokraten geschaffene? Eine Währung bezieht ihren Wert ausschließlich aus dem Vertrauen, das in den Emittenten gesetzt wird. Da sehe ich bei der UNO jedenfalls für die nächsten Jahrzehnte dunkelschwarz. Diese Organisation ist nicht in der Lage die drängendsten Probleme zu lösen: Atomrüstung und -proliferation, Überbevölkerung, Umweltschutz.
    Und in dieser Situation redet wer von einer quasi UNO- Währung???!!!

    Ludovico Settembrini
    00
    28.6.2009, 12:14

    vielleicht haben sie schon vom bretton-woods-system gehoert? wenn nicht nachlesen...

    der IWF verfuegt schon ueber eine reservewaehrung
    "special drawing right" (SDR) die aus einem waehrungskorb wichtiger weltwaehrungen errechnet wird.

    Daniil Charms
     
    09
    27.6.2009, 13:18

    Das geht nicht, sagen alle, bis einer kommt und es tut.

    Nichtschweiger
     
    169
    27.6.2009, 08:28
    Nur weil Felber wo recht hat (weil er den Vorschlag eines anderen Aufgegriffen hat)....

    ...bleibt er trotzdem ein naiver Utopist! Sein Sendungsbewusstsein steigt in selbem Maße wie seine Ahnungslosigkeit! Der ehemalige "Tänzer" ist ein reiner Theoretiker dem nicht im geringsten bewusst ist, dass er vom Kern der Sache nichts nichts verstanden hat.

    Er möge mir einmal seine Forderung nach einer Limitierung aller Einkommen näherbringen - die zerpflücke so gar ich auf kleine Fetzen da braucht es gar keine "Meinungsbildner" auf die Felber wohl Wert legt um sich selber wichtig vorzukommen. (Die wissen nämlich alle warum sie ihn nicht ernst nehmen) In Vorträgen vor "Kleinbürgern" Zustimmung zu erhalten ist keine besondere Kunst - die applaudieren zu jedem Blödsinn in dem ihre eigenen naiven Ansichten bestätigt werden.

    greenberetta
    01
    Bitte, bitte!

    Legen Sie uns einmal schnurstracks den "Kern der Sache" vor!
    Danke.

    Jürgen Giefing
    01
    28.6.2009, 22:36

    nur blöd daherreden und andere niedermachen ist aber auch keine kunst, mein lieber nichtschweiger

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    Posting 1 bis 25 von 113
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