"Keine rosige Zukunft" im Osten

26. Juni 2009, 17:45
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Der Immobilienentwickler der Volksbanken-Gruppe, Europolis, erwartet nach einem Verlust im Vorjahr weitere Abschreibungen

Wien - Europolis, die auf Osteuropa spezialisierte Immobilientochter der Volksbanken, hat im Vorjahr erstmals einen Verlust von 59 Millionen Euro eingefahren. Europolis-Vorstand Julius Gaugusch bestätigte dem STANDARD  Wertberichtigungen von insgesamt 82 Mio. Euro. 80 Prozent der Projekte seien zwar in den Ländern Polen, Tschechien, Rumänien und Ungarn, die größten Probleme gibt es aber jenseits der EU-Grenzen.

"Nur Schnäppchenjäger unterwegs"

"Besonders die Märkte in Russland und Ukraine, wo wir uns erst seit kürzerer Zeit engagiert haben, sind extrem zusammengebrochen", erläuterte Gaugusch. Lediglich zu elf Prozent sei Europolis in Russland und der Ukraine investiert, jedoch nahezu ein Drittel der Abschreibungen ginge auf das Konto von Projekten in diesen beiden Ländern. In Russland waren die Abschreibungen am stärksten, Finanzierungen für Immobilienprojekte konnten kaum mehr aufgestellt werden.

"Es gibt derzeit faktisch keinen Markt mehr für Immobilienkäufe und -verkäufe", argumentiert Gaugusch. "Lediglich Schnäppchenjäger sind unterwegs. Schnäppchen will ich natürlich auch haben, aber Verzweiflungsverkäufe zu den aktuellen Tiefstpreisen finden nicht statt. Keine der etablierten Firmen verkauft zu diesen Preisen, langfristig wird ja wieder ein Aufschwung erwartet", so der Europolis-Manager.

Neue Projekte auf Eis

Heuer lässt kaum Besserung erwarten. Die Zukunft in Osteuropa "sieht nicht rosig aus", auch für heuer wird noch ein erhöhter Abschreibungsbedarf erwartet. Lediglich in Tschechien und Polen sollte sich die Lage nicht signifikant verschlechtern. Neue Projekte seien jedenfalls nicht geplant. In Bau befindliche Projekte wie drei Bürogebäude in Prag würden aber fertiggestellt.

Der Schwerpunkt von Europolis liege nun darin, die Leerstandsraten von derzeit fünf Prozent sowie die Mietausfälle möglichst gering zu halten. Denn im Gegensatz zum verebbten Käufermarkt sei im Mietermarkt durchaus Bewegung. "Es gibt zwar Firmen, die verschiedene Standorte reduzieren oder verlassen, aber gute Mietobjekte, egal ob im Büro- oder Logistikbereich sind immer gefragt", sagt Gaugusch. Ein Rückzug aus den Problemmärkten sei jedoch "kein Thema", Gaugusch ist vom Ostmarkt "langfristig überzeugt".

Derzeit betreut Europolis 45 Projekte in Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, der Slowakei, Serbien, Russland und Ukraine mit einem Gesamtvolumen von zwei Milliarden Euro. Zu knapp 60 Prozent ist Europolis in Büroimmobilien investiert, aber auch Einkaufszentren und Logistikparks befinden sich im Portfolio.  (Peter Brandhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.6.2009)

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