"Transformers – Die Rache": Mechanische Stolpergeister

26. Juni 2009, 17:40
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Im technoiden Blockbuster-Sequel "Transformers - Die Rache" bäumen sich erneut gute und böse Roboter auf der Erde auf

US-Regisseur Michael Bay inszeniert eine Materialschlacht ohne Spielraum für die Fantasie.

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Wien - Die Pyramiden von Gizeh sind ein ehrwürdiges Gemäuer. Ihrer besonders einleuchtenden Form wegen werden sie immer wieder mit Funktionen in Verbindung gebracht, die nicht rein irdisch sind. In Michael Bays Spektakel Transformers - Die Rache weist anfänglich nichts in das Reich der Pharaonen. Der Prolog führt uns in eine Vorzeit, zu der sich eine Armee der Finsternis auf dem Planeten Erde tummelt, die auch noch als toter Arm der Evolution durchgehen könnte. Doch sie stammt aus dem dunklen All.

Denn das ist die Leitidee der Serie, die Bay 2007 im Kino etablierte: Figuren, die eigentlich Plastikspielzeug der Firma Hasbro sind, erscheinen als Repräsentanten alter Rassen. Sie halten sich auf unserem Planeten in der Regel versteckt, bevorzugt treten sie als Automobile auf, und nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, "transformieren" sie sich zu den turmhohen Schreckschrauben, die dem Helden Sam Witwicky (Shia LaBeouf) und seiner Gefährtin Mikaela (Megan Fox) entweder zur Seite stehen oder an die Wäsche gehen.

Es gibt gute Transformers (Autobots), und böse Transformers (Decepticons). In Transformers - Die Rache taucht noch eine weitere Untergruppe der Titanen auf, die weit in die Vergangenheit des Planeten zurückreicht und die im Originaltitel einen satanischen Beigeschmack bekommt: Transformers - Revenge of the Fallen verweist auf Himmelssturz und metaphysische Fallhöhe, übertreibt damit aber schamlos, denn es handelt sich allenfalls um Stolpergeister.

Da es für die Fortsetzung eines Kassenschlagers nicht reicht, einfach noch einmal ein paar groß orchestrierte Stunts zu inszenieren, die immer in einer Großaufnahme des Dekolletés von Megan Fox enden, holt der Film weit aus und schickt Sam Witwicky auf eine Schnitzeljagd, die irgendwann im Schatten der Pyramiden von Gizeh einen Showdown findet, den Michael Bay zur gewohnten Materialschlacht werden lässt. Ganze Geschwader von US-Streitkräften sind im Einsatz, während ein "gefallener" Transformer sich an der Spitze einer der Pyramiden zu schaffen macht und darunter etwas freilegt, wovon die Archäologen bisher keine Ahnung hatten.

Es ist, wenn man so will, die Quintessenz des neueren Blockbuster-Kinos, das in allen Denkmälern, hinter aller Natur, im Schicksal aller Helden etwas Mechanisches sucht, eine Apparatur, an die es sich anschließen kann wie an ein Lebenserhaltungssystem mit Megatonnen Sprengkraft. Transformers - Die Rache von Michael Bay ist vor allem dies: ein monumentales Grab für die Fantasie. (Bert Rebhandl, DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.06.2009)

  • Unter Ungetümen ist er eines der Guten: Bumblebee, in Zivil ein schnittiger Sportwagen, aus "Transformers - Die Rache".
    foto: uip

    Unter Ungetümen ist er eines der Guten: Bumblebee, in Zivil ein schnittiger Sportwagen, aus "Transformers - Die Rache".

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