DER STANDARD-Interview

"Die lesen gar keine andere Zeitung"

26. Juni 2009, 17:41
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    foto: der standard/corn

    Was in der "Krone" nicht geschrieben wird, passiert nicht und erreicht daher auch die eigenen Leser nicht, diagnostiziert Josef Kalina, einst Kommunikationsverantwortlicher der SPÖ.

Will man Wähler erreichen, führe an der "Krone" kein Weg vorbei, sagt Josef Kalina, Ex-Redakteur der "Krone" und Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer

Standard: "Krone" -Chef Hans Dichand hat Bundeskanzler Werner Faymann offenbar die Gunst entzogen und wirbt jetzt für die beiden Prölls, Erwin und Josef. Muss sich Faymann jetzt fürchten, die nächste Wahl schon verloren zu haben?

Kalina: In der Politik muss man sich grundsätzlich nie fürchten. Klar ist, dass man in der Politik mit allen Medien umgehen können muss, mit allen Tageszeitungen, mit Radio, Fernsehen und Internet.

Standard: Gerade Sie selbst waren als Bundesgeschäftsführer der SPÖ berüchtigt dafür, nur auf "Krone" und ORF zu setzen.

Kalina: Wenn man für eine Partei wie die SPÖ tätig ist, muss man sich darum kümmern, dass man die Wähler und die potenziellen Wähler auch erreicht. Mir war immer klar, dass die Hauptinformationsquelle für sehr viele Wähler der Sozialdemokratie das Fernsehen und die Krone sind. Das ist eine Tatsache, an der kommt niemand vorbei. Als sozialdemokratischer Kommunikationsverantwortlicher steht man vor dem Problem, dass viele Dinge, die nicht in der Krone geschrieben werden, das Wählerpotenzial der eigenen Partei überhaupt nicht erreichen. Die lesen gar keine andere Zeitung.

Standard: Das hieße aber wiederum, dass Faymann doch Anlass zur Furcht hätte, wenn ihn die "Krone" links liegen lässt und Dichand erklärt, der eine Pröll soll Bundespräsident, der andere Kanzler werden.

Kalina: Die Kronen Zeitung pflegt ihre Unabhängigkeit auch sehr plakativ, indem sie unterschiedliche Persönlichkeiten unterstützt. Die Krone hat schon Politiker aller Parteien unterstützt. Manches Mal hat sie einzelne Personen unterstützt, dann wieder bestimmte Inhalte. Die Krone wahrt da sehr bewusst ihre Unabhängigkeit. Sie setzt darauf, dass sie als eigenständige Kraft wahrgenommen wird. Ich glaube nicht, dass die Krone grundsätzlich etwas tut, was sie in einen großen Widerspruch zu der Mehrheit ihrer Leser bringen würde.

Standard: Ist es logisch nachvollziehbar, warum Dichand Werner Faymann so demonstrativ unterstützt hat und warum jetzt bei ihm die Prölls so hoch im Kurs stehen?

Kalina: Klar ist, dass ein Politikstil, wie ihn Faymann betreibt, gut zur Krone passt, aber eben auch der Stil eines Erwin Pröll. Ein Politiker, der volksverbunden agiert, der manches Mal auch poltert. In Summe geht es um einen Stil, der nicht auf eine Haltungsänderung der Krone-Leser setzt, sondern die Leser und die Wähler dort abholt, wo sie sind. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich Faymann und die SPÖ extreme Sorgen machen müssen. Die Unterstützung der Prölls war ein bewusstes Signal für die Offenheit der Zeitung.

Standard: Kann man gegen die "Kronen Zeitung" überhaupt Wahlen gewinnen?

Kalina: Große handlungsfähige Mehrheiten zu erreichen ist sicherlich schwierig. Aber auch die Grünen können Wahlen gewinnen, im Sinne von zulegen. Es gibt durchaus auch ein anderes Publikum. Es gibt ein Publikum, das sich aus der Opposition zur Krone definiert, auch da ist ein Platz, zugegeben, ein kleiner Platz. Aber wenn man Mehrheiten anstrebt, ist es schwer das gegen die Krone zu tun. Rund 40 Prozent aller Erwachsenen in Österreich lesen täglich die Krone, und darunter sind sehr viele, die keine andere Zeitung lesen.

Standard: Wie sehr wird Politik nach den Ansichten der "Kronen Zeitung" ausgerichtet? Wie sehr denkt ein Politiker die Reaktion der "Krone" mit?

Kalina: Das ist ein Phänomen der Projektion vieler Journalisten, die nicht bei der Kronen Zeitung arbeiten, auf die Kronen Zeitung. Das hat mit der Frage Henne oder Ei zu tun. Ich glaube, es ist so: Politik, die gestaltende Mehrheiten erreichen will, muss ohnehin einen Ansatz pflegen, der breit ist, der die breite Masse emotional erreicht. Dazu braucht man eine breite Medienbasis. Eine mehrheitsfähige Politik muss sowieso bei den praktischen Bedürfnissen und den Emotionen der Menschen ansetzen. Mit rationalen Argumenten allein erreicht man die Leute nicht.

Standard: Da gibt es unterschiedliche Ansätze: Man kann den Leuten nach dem Mund reden, oder man kann versuchen, die breite Masse von seiner Ansicht zu überzeugen.

Kalina: Ich kenne dieses Argument. Es ist überheblich. Es geht nicht darum, den Leuten nach dem Mund zu reden. Die Leute haben an die Politik einfache Bedürfnisse. Da geht es um den Arbeitsplatz, das Einkommen, die Wohnung, die Gesundheit, die Zukunft der Kinder. Also primäre Grundbedürfnisse. Es geht nicht darum, den Leuten nach dem Mund zu reden, sondern die primären Bedürfnisse der Leute zu befriedigen. Die spüren ganz genau, ob man sie ernstnimmt.

Standard: In der SPÖ gibt es auch die Überlegung, ob mehr Distanz zur "Krone" nicht auch etwas Positives hätte. Wenn es etwa gelänge, die Linksintellektuellen und die Künstler wieder zurückzuholen.

Kalina: Wenn's wer glaubt - wunderbar. Aber den Ausschlag für Erfolg gibt die Politik, die man macht. Und ob man es den Leuten vermitteln kann. Dazu braucht man wiederum die Krone. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28. 6 2009)

Zur Person: Josef Kalina (51) war von 1997 bis 2000 Sprecher von Bundeskanzler Viktor Klima. Nach der Wahlniederlage der SPÖ wechselte Kalina zur "Kronen Zeitung" . 2005 kehrte er in die Politik zurück, er war erst Kommunikationschef und dann Bundesgeschäftsführer der SPÖ. 2008 überwarf sich Kalina mit Kanzler Gusenbauer und gründete das PR-Unternehmen Unique Relations. Er ist noch SP-Bundesrat.

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Armer Falke was machst jetzt?
01
28.8.2009, 17:14
An den

nix werten Präpotenzler Kalina.
Ich habe das letzte mal SPÖ gewählt, ich dachte es ist das kleinere Übel.

Ich lese schon Jahrzehnte keine Krone.

Und den ersten Satz bis zum Beistrich können sie als Fix verbuchen.

Manhã de Carnaval
00
24.8.2009, 07:09
Die so genannte "Krone"

Chamäleon auf ständiger Futtersuche

präsi
 
00
kronu u. orf

hauptquelle - ja, hauptinformationsquelle - wohl kaum

Gertrud
01
"Die lesen gar keine andere Zeitung"

Mit diesen Äusserungen dürfte Kalina einen weiteren Minimierungsprozess an SPÖ-Sympathisanten einläuten.
Alle seine getätigten Äusserungen erachte ich schlichtweg als "Diskriminierungsveranstaltung" der eigenen Wählerschicht. Guten Morgen, Österreich!

dieBestatter
00
Der sieht das selbst nie ein...

...ist er doch überzeugt ein Retter der Sozialdemokratie zu sein ;)


Lew Dawidowitsch
 
00

Irgendwie erschreckend, das dieser senile Tattergreis so ein Macht hat. Erinnert mich irgendwie an den Papst.

Jeder weiß, dass er nicht ganz richtig ist und trotzdem hält man was auf seine Meinung. Kurios!

Ed L. Bitter
02
MONEY MAKES THE WORLD GO ROUND


Das ist in einem Satz des Hans Dichand Credo. Dem Credo ist die SPÖ zu Opfer gefallen: Martin liess sich eben besser verkaufen als der Altapparatchik Swoboda. Mit Prölls ist mehr Auflage machbar als mit Faymann. Ähnlich wurde der Jörg Haider fallengelassen im Moment wo er keine Schlagzeilen mehr lieferte. Die Schwenks des Dichand haben mit einer Landes-Zukunftsvision nichts zu tun. Bloss mit Geld.

Übrigens: Kalina? Wer ist Kalina?

The Dude
04
29.6.2009, 13:44
Dass Kalina so denkt, habe ich befürchtet.

Aber dass er es auch noch offiziell zu Protokoll gibt ist ja wirklich eine Bankrotterklärung der SP...

Flavio Maffia
10
28.6.2009, 14:38

ja das ist standart!

wenigstens können sie überhaupt lesen.

ich dachte ja immer, diese bauernregeln wären allgemeingültig.

wirf die flinte nicht ins korn, der lange arm des gesetzes, ehrlich währt am längsten....

das ist eben das problem wenn man die welt hierarchisch nach talenten aufbaut.

stalin zb. war ein grosser Politiker, oder washington.

lincoln schrieb einst: "Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können."

oder um mit den worten zu schliessen: "I.Q. = 137 und du?

präsi
 
00
tut verwirrung auch weh?

The Dude
02
29.6.2009, 13:23

Ist das jetzt Dada oder eher gaga?

Flavio Maffia
00

warum sagen die christen, lobet den herrn, im geiste wie auch im sohn und im vater...?

warum sagen die ägypter man bestimme sein geschlecht selbst und in einem körper wohnen 2 Seelen...?

warum gibt es musik von seelen geschrieben und gesungen und musik von alten menschen geschrieben und gesungen...?

was ist schon der kreislauf des lebens...?

die ewigkeit hat keine bedeutung.

X0 Phia
20
28.6.2009, 12:57
Ich lese die Krone nur im Kaffe - weil das Format so praktisch ist.

Der Inhalt ist ebenso tendenziös wie anderswo - allerdings auch beleuchtet von Kontras.

Wer sich über Österreich informieren will, liest englische Zeitungen, oder besucht Ämter in deren Kaffeteriea!

Mit einigen Abhörtricks, versteht sich.

Hellsicht
02
28.6.2009, 12:49
Ein entlarvendes Interview

Es sagt in bemerkenswerter Offenheit alles über die Situation der Medien, über die Geiselhaft der Politik in den Fängen der "Krone", und vor allem über die Beschränktheit der angeblich mündigen Staatsbürger/innen in diesem Land.

Lalai Dama
12
28.6.2009, 12:02
die Lesen ja nur die "Krone"..

Wen wundert's? Die SPÖ hätte es ja in der Hand gehabt, auch für die Bildung des roletarischen Massen etwas zu tun.
Aber statt dessen hat man ja im ORF das Bildungsfernsehen auslaufen lassen, den Einser zum Proletensender verkommen lassenRTLisiert und der Osterhase hofiert auch noch das private Mistfernsehen.

Chrifa
22
28.6.2009, 13:42
Nicht ganz richtig:

Schulgesetze sind in Ö Verfassungsgesetze und daher war die SPÖ auch in der Zeit der Alleinregierung auf die Zustimmung der ÖVP angewiesen.

Diese hat aber kein fundamentales Interesse an Volksbildung, man braucht sich nur die Wahlergebnisse ansehen: Je hinterwäldlerischer, desto ÖVP.

homo zappa
13
28.6.2009, 14:34

na so ein scheiß. das stimmt doch überhaupt nicht. Nur weil die övp gegen die gesamtschule ist , heißt das doch nicht sie wäre gegen bildung. Logischerweise müsste ja die spö gegen bildung sein, den je gebildeter einer ist destoweniger wählt er spö, die wählen eher die grünen oder wenn sie in der wirtschaft sind die övp. die spö geriert sich ja als arbeiterpartei, also muss sie schauen dass es genug davon gibt. ggg

skandalkater
01
28.6.2009, 12:01
Faymann u. HPM

würden in einer DRP (Dichand Rektum Partei) wohl die Absolute bekommen :(

Ausländerhass das Hobby der FPÖ!
11
28.6.2009, 11:36
Die Krone ist das die Zeitung für Primitivlinge?

Heute schreiben sie auch wieder etwas zusammen über Pröll!
Die ÖVP ist ganz entsetzt, dass Pröll überhaupt kandidieren möchte, wird er doch wichtiger in NÖ gebraucht!
In der Krone haben sie ihn und seinen Neffen als Regierungsoberhäupter von Österreich vor gesehen!
Aber eines muss man der Krone schon lassen, dass Papier ist gut für Karoffelschalen und wenn das Klopapier aus geht!
Darüber sollten die Leute einmal im Krone Talksalon sprechen, nicht immer über FPÖ-Verherrlichungen!

xerxes
33
28.6.2009, 11:28
Lösungsvorschlag:

Partei- und Presseförderungen abschaffen sowie Kammernmitgliedschaft auf freiwilliger Basis...

...in wenigen Jahren sind viele Probleme automatisch gelöst.

präsi
 
00
jawohl...

wir müssen uns wesentlich stärker dem lobbyismus unterwerfen und brauchen private parteifinanziers und ausgeschaltene sozialpartner und gewerkschaften.

also entweder sie meinen dies ironisch, oder haben schlichtweg keine ahnung von (vergleichender) politik oder geschichte...

Christine P.
 
00
28.6.2009, 16:40
Ich glaube an das Gute im Menschen

und nehme daher an, dass diese Vorschläge ironisch gemeint sind.

Victor der Adler
10
28.6.2009, 11:49

Du dürftest nicht genau wissen, wozu Kammern da sind...

homo zappa
21
28.6.2009, 14:40

damit sich weichhirnige parteimitglieder nicht um die arbeitslosigkeit sorgen machen müssen. kenne einige kammerfunktionäre.....da wird man als normaler wirtschaftstreibender schon wütend.

Victor der Adler
00
29.6.2009, 16:38

Jep, da merkt man schon, dass Sie den Unterschied zwischen Kammerbüro und Funktionären nicht kennen.

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