STANDARD-Interview

"Zusammenarbeit mit Magna beinhaltet Risiken"

26. Juni 2009, 17:31

Für den deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist das Rennen Magnas um Opel noch nicht gelaufen

Für den deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist das Rennen Magnas um Opel noch nicht gelaufen. Er erklärt Birgit Baumann auch, welches Risiko er sieht und dass er kein "Insolvenzminister" mit kaltem Herz ist.

***

STANDARD: General Motors verhandelt immer noch mit Magna und anderen Interessenten über Opel. Hat sich Berlin zu früh gefreut?

Guttenberg: Wir haben die Ende Mai getroffenen Vereinbarungen nie als Ende des Prozesses gesehen. Allen Beteiligten war klar, dass nur eine unverbindliche Absichtserklärung eines Investors vorlag. Die Treuhandstruktur und die Brückenfinanzierung schufen aber die Möglichkeit, die europäischen Unternehmenseinheiten von den Entwicklungen in den USA so weit wie möglich abzuschotten. Das neu zu schaffende europäische Unternehmen dauerhaft lebensfähig zu machen, ist eine völlig andere Herausforderung, an der nun intensiv gearbeitet wird.

STANDARD: Das Rennen ist also noch weiterhin offen?

Guttenberg: Aus meiner Sicht ist es uneingeschränkt zu begrüßen, dass neben Magna weitere Interessenten im Gespräch bleiben. Niemand kann heute ausschließen, dass die Verhandlungen von General Motors mit Magna letztendlich noch scheitern, und da ist es gut, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

STANDARD: Wäre Magna der richtige Partner für Opel?

Guttenberg: Für mich geht es nicht um einen bestimmten Investor, sondern um eine dauerhaft tragfähige Lösung. Alles andere hilft weder den betroffenen Arbeitnehmern, noch wäre es gegenüber dem Steuerzahler zu verantworten.

STANDARD: Wenn ein Autozulieferer beim Autobauer einsteigt, wedelt da nicht der Schwanz mit dem Hund?

Guttenberg: Ein Investor muss natürlich eine gewisse Gewähr bieten, die Fusion auch stemmen zu können. Was das Kriterium der Unternehmensgröße angeht, so spricht diese nicht von vornherein gegen Magna, wo man weltweit über 70.000 Mitarbeiter beschäftigt - deutlich mehr als Opel/Vauxhall. Die geplante Zusammenarbeit beinhaltet aber auch gewisse Risiken - ich denke an die Lieferbeziehungen Magnas zu anderen Autoherstellern.

STANDARD: Die Staatshilfen für Opel wecken Begehrlichkeiten bei anderen. Warum ließ man Arcandor mit doppelt so vielen Jobs pleitegehen?

Guttenberg: Kein Fall ist deckungsgleich. Opel ist wegen der Abhängigkeit des Unternehmens vom amerikanischen Mutterkonzern, der kurzfristig drohenden Insolvenz von GM und der komplexen rechtlichen Struktur der europäischen Einheiten nicht mit einem Warenhauskonzern vergleichbar.

STANDARD: Grundsätzlich: Wo ist die Grenze für Staatshilfe?

Guttenberg: Steuergelder können nie nötige Restrukturierung von Unternehmen ersetzen. Der Staat kann allenfalls in begründeten Einzelfällen die betrieblichen Anpassungsprozesse flankieren und erleichtern. Und für alle Unternehmen, die Staatshilfe beantragen, gilt ein klarer Kriterienkatalog.

STANDARD: Sie sagen, in der Marktwirtschaft muss es auch Pleiten geben dürfen. Glauben Sie, dass sich die Bundesregierung ausgerechnet im Superwahljahr daran hält?

Guttenberg: Viele Politiker tragen heute zu leichtfertig den Begriff der Systemrelevanz im Mund und stigmatisieren damit die Insolvenz als eine Art Endstation. Dies ist aber nicht richtig - Insolvenz kann vielmehr auch den Boden für eine nachhaltige Sicherung gesunder Unternehmensteile bereiten.

STANDARD: Von der SPD werden Sie dennoch als "Insolvenzminister" beschimpft. Haben Sie Angst, als herzloser Buhmann dazustehen?

Guttenberg: Die Frage ist doch: Wer hat denn das kalte Herz? Jener, der versucht eine nachhaltige und vor dem Steuerzahler vertretbare Lösung zu finden oder diejenigen, die die Schieflage von Unternehmen und die Sorge betroffener Arbeitnehmer mit Steuergeldern verlängern, um dann das so gerettete Unternehmen nach der Wahl umso tiefer fallen zu lassen.

STANDARD: Die SPD fordert weitere Eingriffe in den Markt, etwa einen Mindestlohn? Wie stehen Sie dazu?

Guttenberg: Wir haben uns darauf verständigt, bestimmten Branchen die Möglichkeit einzuräumen, einen Mindestlohn unter Wahrung der Tarifautonomie einzuführen. Wenn immer mehr Beschäftigte ihren Arbeitsplatz zu verlieren drohen, müssen wir uns aber ernsthaft fragen, ob es sinnvoll ist, Arbeit zu verteuern, wo an anderen Stellen mit höchstem Mitteleinsatz um jeden Job gekämpft wird. Die Sicherung von Beschäftigung muss unser oberstes Gebot sein.

STANDARD: Ab Herbst will die Union mit der FDP regieren. Die SPDsorgt sich schon sehr um den Sozialstaat.

Guttenberg: Die christlichen Parteien stehen für eine Marktwirtschaft, in deren Mitte der Mensch und nicht der radikale Markt steht. Dass sich ein funktionierender Sozialstaat und eine starke Wirtschaft gegenseitig bedingen, ist doch klar. Wer hier noch immer einen Gegensatz sieht, hat die letzten 60 Jahre deutscher Geschichte verschlafen.

STANDARD: Was soll einer bürgerlichen Mehrheit in Berlin besser gelingen als der großen Koalition?

Guttenberg: Klares Ziel ist, mehr Wachstumskräfte freizusetzen, damit Deutschland gestärkt aus der Krise gehen kann. Das heißt, wo immer finanziell möglich, mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung zukunftsweisender Technologien - und weniger Steuern. Die Leistungsträger der Gesellschaft dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie alle Lasten aufgebürdet bekommen.

STANDARD: Muss man angesichts des Budgetlochs nicht Steuern erhöhen?

Guttenberg: Jede Steuererhöhung ist eine Wachstumsbremse. Ich bin ganz entschieden gegen jede Anhebung von Steuern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.6.2009)

Zur Person

Karl-Theodor zu Guttenberg (37) war im Bundestag für Außenpolitik zuständig. 2008 wurde er CSU-Generalsekretär, seit Februar ist er Wirtschaftsminister, der jüngste, den Deutschland je hatte.

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Harald O.
00
27.6.2009, 21:14
Zuviel Haargeld aufzutragen beinhaltet auch Risken!

Macht die Haare spröde!

Josef Raimund
01
27.6.2009, 21:03
Der Freiherr zu Guttenberg

ist ein sympathischer und fachlich versierter Politiker, der es noch weit bringen wird!

Zelten!
33
27.6.2009, 19:03
dieser blaubluetige schnösel

ist nach der bundestagswahl hoffentlich geschichte!

Klaus Woltron, DI Dr.
00
29.6.2009, 07:19
...welche Farbe sein Blut hat....

...ist irrelevant; Mut, Sachverstand und Einsicht hat er allemal, und zwar in einem Maß, das bei einem so jungen Mann sehr selten zu finden ist. Hut ab. Da könnten sich viele unserer ansässigen Plauderanten ein Beispiel nehmen.

also dann ...
00
29.6.2009, 08:03
geh bitte ... dottore...machen sie sich nicht lächerlich,

guttenberg...produziert nur sprechblasen
und ist nichts anderes als ein plauderant !

Klaus Woltron, DI Dr.
00
29.6.2009, 16:27
...ich bleib´dabei...

.. stur wie ich bin: der Knabe hat was. Read my lips - entweder er wird mächtig abstürzen oder ganz hoch hinaufkommen. Für den ist kein Platz in der Mitte.

also dann ...
00
30.6.2009, 08:45
mag sein ... so wie die physikerin merkel...

die von wirtschaft auch nichts versteht..., aber uns dauert "l_ee_r-stunden" erteilen will (s. u.a. auch deren st.politik zur wahl !).
ja - faymann, pröll usw. sitzen ja auch ganz oben ...

guttenberg ...
ist ein sich inszenierender sprechblasenproduzent - sonst nichts !

Klaus Woltron, DI Dr.
00
30.6.2009, 09:03
...ich frage bescheiden...

..welche Qualifikation auf wirtschaftlichemn Gebiet Sie sich erworben haben?

also dann ...
00
30.6.2009, 12:09
smile ... ich finde es immer amüsant, wenn techniker meinen (hat man sie nicht in der verstaatlichten "ver-tschüsst"...)

von vwl. zusammenhängen etwas zu verstehen...

Jürgen Rembremerding
03
27.6.2009, 20:51
warum?

Bisher macht er seine Arbeit nicht schlecht!

-Ciac-
01
27.6.2009, 21:09
Weil es

in von Neid zerfressenen Gesellschaften wie Ö und D Leute gibt, die es nicht ertragen können wenn es Menschen gibt, die jung und erfolgreich sind und wissen sich zu benehmen!

Man merkt es daran, das die Kritik oftmals keine sachlichen Grundlagen hat, sondern ins Persönliche gehen: zb wie Schröder "Der Baron von Bayern", oder hier im Forum "aalglatt" oder der "blaublütige Schnösel"!

Josef Raimund
00
27.6.2009, 21:25
Österreich hat eh ein zu verkrampftes Verhältnis zum Adel

Ich vermisse eh schon den Aufschrei hier im Forum, weil es der Autor gewagt hat im Beitrag "zu Guttenberg" zu schreiben.

Josef Raimund
00
27.6.2009, 21:05

der wird mindestens noch Ministerpräsident, wenn nicht sogar Kanzler!

systemfehler1
01
27.6.2009, 16:01
Na das wird die Opel Belegschaft aber trösten,

dass die versammelte Forumsgemeinschaft soviele Ökoexperten hat, die den Opel Konzern gern a bisserl zum Experimentieren hätten.
´s Leben is´ halt net Monopoly.
Die Wahrheit? So wie ich es sehe?
Fiat sitzt dem Guttenberg im Gnack
und er wird sich winden bis zum Exzess, dem Stronach-Deal durchzuwinken.

Leicht durchschaubar, was da läuft.

Magna versteh´ ich. Das ist die Flucht nach vorne und die ist wohlüberlegt, wenn auch riskant. Und ich bin kein Stohsack-Sympathisant.

Das Theater das hier abläuft ist nur vordergründig ein sachliches. Hier wird im Hintergrund gepackelt, geschmiert, lobbyiert und fleissig mit den Ellbogen gearbeitet. Hauptsach´ a bisserl eloquent und alle fressen´s dem Gelackten aus der Hand.

pike bishop
01
27.6.2009, 14:28

Unabhängig von der Sinnhaftigkeit der hier propagierten Wirtschaftspolitik, bliebt ddas Faktum, dass die Lohnscheren auseinandergehen, die Sozialllesitungen eingeschränkt werden, dass die "Kleinen " immer mehr an der Suppe zu löffeln haben als die Großen, die alles so gut managen, dass sie zwar pleite gehen, aber dann die Pleite weitermanagen etc. Und da frage ich mich, ob nicht hinter alle dem ein ziemlich kalter Klassenkampf tobt, in dem die "Reichen" aber einfach mehr zu sagen haben und immer alles so hinkriegen, dass es für sie gut weitergeht.

Wahl 09
24
27.6.2009, 13:59

"Steuergelder können nie nötige Restrukturierung von Unternehmen ersetzen."

"Viele Politiker tragen heute zu leichtfertig den Begriff der Systemrelevanz im Mund und stigmatisieren damit die Insolvenz als eine Art Endstation. Dies ist aber nicht richtig - Insolvenz kann vielmehr auch den Boden für eine nachhaltige Sicherung gesunder Unternehmensteile bereiten."

"Wer hat denn das kalte Herz? Jener, der versucht eine nachhaltige und vor dem Steuerzahler vertretbare Lösung zu finden oder diejenigen, die die Schieflage von Unternehmen und die Sorge betroffener Arbeitnehmer mit Steuergeldern verlängern, um dann das so gerettete Unternehmen nach der Wahl umso tiefer fallen zu lassen."

einfach nur wohltuend!

systemfehler1
00
27.6.2009, 16:38
NLP-Schönsprech.

Und es wird kräftig appalaudiert.
Insolvenz kann ja so ein wunderbarer Neuanfang sein......

natoll
13
27.6.2009, 12:04

Die christlichen Parteien stehen für eine Marktwirtschaft, in deren Mitte der Mensch und nicht der radikale Markt steht
--
muss in deutschland dann wohl anders sein als hierzulande. scherz. ist es natürlich nicht.

sarkas
24
27.6.2009, 11:57
Magna wir sich mit Opel überheben !

Bis jetzt sind viele Joint Ventures im Automobilbereich kläglich gescheitert.
Daimler-Chrysler, Dailmer-Mitshubishi, BMW-Rover,
Schäffler-Conti, etc. Warum sich Stronach auf so einen Deal einlässt kann ich nicht verstehen. Ist es "Altersweisheit" oder "Senilität" ?
Scheinbar hat er, zusammen mit den Russen vor dem Angebot geraucht (und Wodka genossen..)
Guttenberg hat als Einziger die Wahrheit gesagt und für Insolvenz plädiert. Und er wird recht behalten. Trotz Merkel und den anderen Grössen im Wahlkampf in D. Ö sollte versuchen, den Baron abzuwerben - dann hätten wir wenigstens einen Politiker der die Wahrheit sagt und sich nicht von den Politikgranden einschüchtern lässt !

aiuto
00
27.6.2009, 12:24
So dumm gedacht ist das auch wieder nicht !

Wahrscheinlich forciert der Herr Minister Guttenberg in seinem jugendlichen Überschwang deshalb eher den Deal mit Fiat, weil dann die Insolvenz früher vor der Türe steht !?
Naja, der gute Frank Stronach denkt sich schon was dabei: er benötigt doch Aufträge für seine Werke, und die sieht er mit der Übernahme von Opel halt in erreichbarer Nähe. So dumm ist das nicht gedacht. Letztendlich das größere finanzielle Risiko tragen ja immer noch die Russen und GM.

Zelten!
00
27.6.2009, 19:06
'jugendlichen Überschwang'

das waere das letzte, was ich DEM vorwerfen wuerde!

Anton D.
33
27.6.2009, 11:26
Wenn man keine parteipolitische Brille aufhat

frißt einen der Neid, daß unser Nachbarland einen
Wirtschaftsminister von derartigem Format hat. Er
hält Linie obgleich es weder Merkel noch seinem bayr.
Landeschef gefällt. Oft ist eine Insolvenz die
Grundlage der Erholung eines Unternehmens.
Wieweit man mit künstlicher Aufrechterhaltung von
chancenlosen Unternehmen kommt, ist der Wirtschafts-
geschichte zu entnehmen. Der einzige Verlierer dabei
ist dann der Steuerzahler.

also dann ...
43
27.6.2009, 13:09
haha ... welche linie denn ?

bei arcandor...
sabbert er ja nur gequirlten quark, weil es in bayern probleme (mit seeehofer...) gibt.
und opel - hat eben kein werk in bayern !

von und zu...oben und unten...hin und her...
guttenberg ist ein schmäh - politiker,
sonst nichts.

Agnostiker1
10
27.6.2009, 17:10
Die klare Linie von Guttenberg wurde auf dem Altar ...

...der Großen Koalition geopfert. Opel wäre nie so gelaufen, wenn die SPD sich nicht so populistisch verhalten hätte. Doch im Falle Arcondar und jetzt in den nächsten Tagen bei Quelle wird er seine Linie wieder durchsetzen. Und er hat Mut vor den Herrscherthronen: Im Falle Opel hat er zwar gegen die SPD verloren, wurde aber wegen seinem Widerstand zum beliebtesten Politiker Deutschlands noch vor der Merkel, die auf die LInie der SPD eingeschwenkt war. Und dass er Mut hat, zeigt der Fall Quelle, wo er sich mit Seehofer anlegt. Er ist gegen eine Hilfe für Quelle, obwohl Quelle in Bayern ist.

also dann ...
00
27.6.2009, 20:28
naja ... ziemlich einseitig gedacht, denn

opel...macht mit den zulieferern ca. 80000 arb.plätze aus - und das multiplizieren sie so mit 2,5 ...
dann sind sie bei den betroffenen personen, also eine stadt wie graz.

bei acandor... ist es ja kein "sanierungs"porblem an sich, sondern die tatsache, dass die neue immo-besellschaft bei weitem überhöhte mieten verlangt... und dies der bund zahlen soll ? ? ?

von und zu...guttenberg...
verfügt weder über managementerfahrung
noch über einen wirtschaftskompetenz, die über die tagesmeldungen... hinausgeht.
übrigens...
so wie (fast) alle politiker in Ö auch !

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