Nachruf

Michael Jackson - der tragische Superstar

26. Juni 2009 16:11
  • Artikelbild
    Foto: reuters/stefan wermuth

    Michael Jackson in einer Pressekonferenz im März 2009 in London.

  • Artikelbild

    2002 während eines seiner letzten Auftritte. Der "König des Pop" starb am Donnerstag 50-jährig in Los Angeles an Herzversagen.

  • Artikelbild

    Michael Jackson (Bildmitte) mit seinen Brüdern als The Jackson 5 Anfang der 70er-Jahre.

Michael Jackson war neben Elvis und den Beatles nicht nur der größte Popstar aller Zeiten - Er war auch der einzige schwarze Superstar im Geschäft - Dafür musste er über Identitätsverlust und Selbstverleugnung einen hohen Preis zahlen

Michael Jacksons große Zeit fiel mit dem Aufkommen von MTV und den damals neuen Formaten Musikvideo und CD zusammen. Der richtige Mann kam zur richtigen Zeit. Und hinter ihm stand eine Industrie mit Millionen US-Dollars Marketingbudget zur Durchsetzung neuartiger Produkte. Ende 1982 erschien sein damals immerhin schon sechstes Soloalbum Thriller. Darauf enthalten: heute längst globale, im menschlichen Grundgedächtnis gespeicherte Volkslieder.

Schwarzer Soul und Disco wurden mit barocker Arrangementpracht (und ein wenig weißer Rock-Blässe) zu universellen Gassenhauern aufgeblasen. Mit dem gleichnamigen Titelsong Thriller oder Billie Jean und Beat It kamen auch die visuelle Umsetzung und ein sich gern auch in den Schritt greifender Tanz, den selbst heute noch alle Kleinkinder des Planeten zumindest vom Hörensagen kennen, der "Moonwalk" .

Choreografie, Strategie, Marketing, Hysterie. Nach einer Karriere als Kinderstar mit seinen Geschwistern, The Jackson 5, und solo vermarkteten Meisterwerken wie Off The Wall von 1979 befand sich der fortan als "King of Pop" titulierte US-Sänger nicht nur in Konkurrenz zu Madonna oder Prince bald uneinholbar auf der Siegerstraße. Mit gut 60 Millionen offiziell verkauften und mindestens ebenso oft raubkopierten Tonträgern gilt das Album Thriller heute auch längst als Pop an sich und für sich. In seiner unwiederbringlichen kommerziellen wie künstlerischen Blüte kann man Michael Jackson für alle Zeiten nichts mehr vormachen.

Er war, nach Elvis und den Beatles und ein klein wenig gemeinsam mit Madonna, Prince und vielleicht noch Bono und U2, der größte und zugleich letzte Superstar des Geschäfts. Der große amerikanische Wal. Längst eingefroren auf Festplatte, Vinyl, Youtube und Postern im Kinderzimmer. Produziert von Quincy Jones gilt dieses mit nur neun Songs ausgestattete Werk auch als jener Kipppunkt, der vor einem Vierteljahrhundert exemplarisch dafür stand, wie sich afroamerikanische Musik global vermarkten lässt.

Der Körper als Schlachtfeld

Um zum Welterfolg gelangen zu können, mussten ihm allerdings seine ethnischen Wurzeln gezogen werden. Aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse und eines Eislauf-Vaters ohnehin in eine frühe, beim afroamerikanischen Label Motown gestartete Kinderpopstar-Karriere geprügelt, musste dies traumatisch erfahren werden. Jackson ließ sich zum zigfach chirurgisch adaptierten Formwandler, am Ende zur Witzfigur, zum Freak umbauen. Der Körper, ein Schlachtfeld der ethnischen Diskriminierung. Der Körper, ein Feindesland, dem man mit chirurgischen Eingriffen beikommt. Die Seele musste dafür bluten.

Wie man über die Jahrzehnte in den Klatschspalten des Boulevards nachlesen durfte, vollzog sich an ihm die zum Klischee verdichtete Weltkarriere als Tragödie eines aus armen Verhältnissen in Indiana stammenden schwarzen Kindes. Dieses wurde nicht nur vom mehr als Manager denn als Vater agierenden Familienoberhaupt gedroschen und gedemütigt, um ein Star zu werden. Ihm wurde neben seiner Identität und Kindheit auch schon früh ein Leben unter normalen Bedingungen geraubt.

Immer bizarrer gerieten seit Thriller und den entschieden weniger erfolgreichen Nachfolgealben Bad (1987, 26 Millionen verkaufte CDs ) und Dangerous (1991, 28 Millionen abgesetzte Tonträger) Jacksons private Sichtungen eines Lebens in der undefinierten Grauzone zwischen Normalität, Minderwertigkeitskomplexen, Perfektions- und Größenwahn.

Ab 1993 war mit einer ersten Anklage wegen Kindesmissbrauchs zudem außermusikalisches Feuer am Dach. Sie kostete ihm kolportierte außergerichtliche 22 US-Dollarmillionen zwecks Verfahrensniederschlagung - und die Medienkonsumenten weltweit einiges an moralinsaurer Adrenalinausschüttung.

Dazu kamen exorbitante Lebenshaltungskosten aufgrund einer kunstgeschichtlich konservativen Ölbild- beziehungsweise Las-Vegas-Antiken-Sammelwut und unter anderem der Errichtung eines Privatzoos auf seinem Anwesen Neverland. Ab den 1990er-Jahren, nach einer kurzen Ehe mit Lisa Marie, der Tochter von Elvis Presley, folgten immer noch absurdere Inszenierungen als ältlicher Peter Pan oder mickriger Weltherrscher, zuletzt als schrulliger Vater seiner angeblich eher unkonventionell gezeugten Kinder Prince Michael Jackson Jr. (*1997), Paris Michael Katherine Patricia Jackson (*1998) und Prince Michael Jackson II (*2002). Sie sprengten fortan das gewohnte Dreiminutenformat des Popsongs und zeugten bei aller Unschuldsvermutung von einer Tatsache.

Weißwaschung

Michael Jackson wurde zwar durch seine Weißwaschung der Schritt zum Superstar ermöglicht, von der bezüglich Diskriminierung keinen Groschen umdrehenden Industrie. Allerdings mussten dem aus seiner Heimat ins Nichts der Video-Clips verrückten schwarzen Mann bald auch seine Grenzen aufgezeigt werden. Ein wichtiger Aspekt bei Jacksons trotz aller Prozesse und Skandalgeschichten bis heute anhaltendem Ruf als Minderheitenstellvertreter für Selbstbestimmung und -verwirklichung. Egal, ob diese Images durch Selbstverleugnung bedingt waren: Jackson war und wird der einzige "schwarze" Künstler bleiben, der es - mehr leidend als triumphierend - dorthin geschafft hat, wo ein eisiger Wind weht. Galionsfiguren haben es schwer. Gischt und Geifer spritzen sie an. Gerade auch, wenn klar wird, dass man selbst alles andere als ein Heiliger ist. Als Nebeneffekt der großen Seelenpein kamen regelmäßige Gesichtsoperationen, Hautaufhellungen sowie eine schwere Medikamentensucht.

Nach dem - für seine Verhältnisse mit nur achteinhalb Millionen verkauften Tonträgern als Flop geltenden - Comeback-Versuch Invincible im Jahr 2001 und einem Freispruch vom Verdacht eines erneuten Kindesmissbrauchs 2005 zog sich Michael Jackson aus den USA ins Exil zurück, unter anderem nach Bahrain und Irland.

Zuletzt war nicht nur von erheblichen gesundheitlichen Problemen die Rede. Jackson hatte laut New York Times auch 500 Millionen Dollar Schulden angehäuft. Ab Juli plante er in der Londoner O2-Arena deshalb 50 Auftritte. Für den Veranstalter bedeutet deren Ausfall ein Defizit von kolportierten 40 Millionen Dollar, die bislang in die Produktion geflossen sein sollen.

Die gesundheitlichen Befürchtungen und Zweifel an der Durchführung der Auftritte bestätigten sich nun. Am Donnerstag verstarb Michael Jackson an Herzversagen. Er wurde 50 Jahre alt. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe, 27.06.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 451
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Sternchen100
09.07.2009 22:32
Bestohlen und bedroht

Nein, aber ich kann mir denken, dass die Gläubiger (oder gar die Mafia?) ihn derartig unter Druck setzten, dass er den Konzerten zustimmen musste - trotz großer Schmerzen, Arthrose und 50 Jahre alt. Sein Tanzstil war veraltet - aber er schaffte es einfach nicht, einfach mal nur auf Musik zu setzen, er wollte mittanzen, weil er Perfektionist war. Er hatte nur für 10 Kionzerte unterschrieben - die Konzertbetreiber machten 50 binnen eines Jahren (!) daraus. Sehr euch in Youtube seinen Tanzstil an - glaubt ihr, der schmerzgebeutelte altgewordene Mann hätte da 50x /Jahr durchgehalten???? Er wollte nicht, man hat ihn gezwungen.

Ich finde es ohnehin ein Skandal, dass jemand trotz vieler Remakes ganz offensichtlich kein Bargeld mehr hatte.

Manfred MacGyver
01.07.2009 18:01

erwin pröll ist hier bei uns in NÖ auch ein schwarzer superstar...

Xaver Gutmann
01.07.2009 19:37
CIA tötete Jackson

liest man bei http://www.whatdoesitmean.com/index1244.htm , weil er gegen die Massenimpfungen auftreten wollte. Aber lest selbst nach. Die Nachricht stammt vom russischen Geheimdienst.

basstaeter
29.06.2009 09:38
für die

legende "michael jackson" wäre es wahrscheinlich besser gewesen er wäre vor 10 jahren gestorben, für den menschen "michael jackson" wäre es besser gewesen, er wäre nie berühmt geworden...

fossi1986
28.06.2009 12:39

omg, ein mensch ist tot.......

Dolomitengeist
28.06.2009 12:20
"Leidenschaft für Sperma...."

ARTE-Filmreportage zu Jacksons Leben und ... Hang zur Knabenliebe.
http://plus7.arte.tv/de/detail... 76314.html

quo33
28.06.2009 11:52
Also ..

In den Foren hier hat man schon manchmal das Gefühl, dass an einigen Postern wahre Genies verloren gegangen sein müssen, die immer alles besser können oder die die wahren Experten sind..
Warum schicken Sie nicht alle ein Bewerbungsschreiben an den Standard, damit Sie uns von nun an mit ihren literarischen Ergüssen erfreuen können?!

badate
28.06.2009 10:58
gitane

MJ gleichzusetzen mit modern talking uä.-da kann man wirklich keine ahnung von musik haben. ich war als kind und teenie jackson fan, zwar nicht fanatisch-aber doch. war dann bei der bad tour 1988 sowohl in wien u. linz am konzert-unvergesslich!danach hat sich innerhalb von zwei jahren mein musikgeschmack um 180 grad gewandelt u. war absolut weg von dem ganzen "mainstreamzeugs". aber ich stand u. stehe immer dazu dass ich beim jackson konzert war-denn das war damals schon was besonderes u.war an perfektion nicht zu überbieten.er war ein genialer POP-musiker-unvergleichbare arrangements-sag nur beat it mit eddie van halen an der gitarre,sein tanzstil- unglaublich!armes grosses kind-aber genialer künstler, schade um ihn-schon lang vor dem 25.6

ilse schneider
 
28.06.2009 09:10
Schachinger-Journaille

Was ist das nur für ein entsetzlicher Stil, den der Herr Schachinger an den Tag legt? Entweder er will besonders gescheit rüberkommen und merkt nicht, wie antiquiert seine Gerundiv/Gerundial/Schachtelsatz/-bildungen sind, oder er glaubt allen Ernstes, das sei guter Journalismus. Vielleicht ist der Artikel inhaltlich ok. Für mich ist es jedenfalls hinter all dem Wortbrimborium nicht sichtbar.

slaine mcroth
28.06.2009 03:03

"heute längst globale, im menschlichen Grundgedächtnis gespeicherte Volkslieder."

"Der Körper, ein Schlachtfeld der ethnischen Diskriminierung. Der Körper, ein Feindesland, dem man mit chirurgischen Eingriffen beikommt. Die Seele musste dafür bluten."

Haha, was wird da für ein Unsinn verzapft? Standard, was ist los mit dir? Ich dachte, das ist ein seriöses Blatt, eine Zeitung... Die Berichterstattung zu Jacksons Tod ist bis dato nichtssagend bis absurd.

posting
28.06.2009 02:12

fein geschrieben herr schachinger,
sehr pietätsvoll sensibel und hinterfragend-hintergründig.
aber der moonwalk ist doch der komische nach-hinten-lauf-schwebe-tanz. das mit dem in den schritt greifen, hat glaub ich, keinen namen. vielleicht war das auch eher eine methode die stimme zu erhöhen und trotzdem männlich auszusehen. ich kann das leider (oder gott sei dank) nicht selbst ausprobieren, fände es eh zu pubertär ordinär....

el dus
 
27.06.2009 22:36
Die schweigende Mehrheit spricht

Ich kenne kein einziges Musikstück von Michael Jackson. Nicht ein einziges schaffte es ob seiner Qualität Interesse für den Interpreten, Komponisten Arrangeur, oder was immer, zu erwecken. So werde ich beim Zappen im Autoradio wahrscheinlich sekundenlang ein Geräusch gehört haben, das als Urheber M.J. gehabt haben mag, mir aber sofort den Fluchtreflex in den Finger trieb.
Neulich sah ich, wie in Kuba jemand die neueste Musikmode aus Europa vorstellte. Das Schlagzeug begann Bum, Bum, Bum zu machen, und die Jungspunde begannen verzückt mit dem Kopf zu wackeln. Die Ausschnitte aus Musikvideos von M.J. zeigten mir, wie die Pubertierenden wie der pawlowsche Hund auf Reize, die unverholen auf Fortpflanzung hindeuten, einfach reagieren müssen.

Sternchen100
09.07.2009 22:42
Entweder man liebt Musik generell oder eben nicht...

Ein allgemein gebildeter Mensch hat auch ein Mindestmaß an Grundkenntnissen der Musik zu haben, dazu gehört auch Popmusik, und einer der größten Vertreter der 1980-er und 1990-er war nun mal Michael Jackson. Er war einer der wenigen Schwarzen, die es ganz nach oben geschaft haben, und sicher nicht, weil er nichts taugte. Er hat Rock, Pop, Soul und Beat zusammengeführt. Außerdem war er ein großer Tänzer. Hier damit anzugeben, kein einziges Stück gehört zu haben ist armselig. Selbst wenn man persönlich andere Musik bevorzugt. Ich meine, ich kenne selbstverständlich auch einen Fred Astaire, Gene Kelly, einen Nurejew, Gregorianische Choräle, Benny Goodman, Bach oder Mozart und sogar Schönberg. Und die Zillertaler oder taoistische Musik.

thomazz
06.07.2009 10:34

du hörst autoradio? würd ich mir jetzt nicht unbedingt erwarten von jemandem, der stolz darauf ist, nichts von michael jackson zu kennen.

individuumdei
30.06.2009 09:44
jaa

geilster kommentar ever.
danke!

peppermintpatty
28.06.2009 11:26

in welchem loch haben sie denn bitte die letzten 20 jahre gelhaust???

Sternchen100
09.07.2009 22:44

Bleibt nicht viel: Gefängnis, Südpol, Afghanistan, Saudiarabien, ausgesetzt auf einer einsamen Insel oder am Mond.

Stephen Covey
28.06.2009 10:45

"Ich kenne kein einziges Musikstück von Michael Jackson"
Sie denken, das zeugt jetzt von Ihrem höheren intellektuellen oder künstlerischen Anspruch ?
Und doch ist es nur Ignoranz.
Denn dasselbe könnte ein großer Fan der Kastelruther Spatzen auch sagen. Sind Sie einer ?



Suppentrulli
28.06.2009 07:54

Wenn Sie schon kein Musikstück von Jacko kennen, vielleicht kennen Sie ja seinen "Moonwalk".

http://www.youtube.com/watch?v=r... re=popular

Wurde oft versucht zu kopieren, aber an das Original wird nie jemand herankommen.

R.I.P. Jacko

Suppentrulli
28.06.2009 07:57

Entschuldigung, falscher Link. Hier der richtige.

http://www.youtube.com/watch?v=s7MmEMrCRfc

Humphrey Gokart
Frank
28.06.2009 02:35

... hätten Sie, abgesehen von Ihrer strapazierenden Eloquenz, auch noch einen, bitte EINEN, Satz parat, der Rückschlüsse zulässt, worauf Sie eigentlich hinauswollen?

Angelika70
28.06.2009 00:38

sie kennen kein einziges musikstück von MJ? das glaube ich ihnen schlicht und einfach nicht.

el dus
 
28.06.2009 14:04
Nada, niente, nothing, kein einziges

Die paar Ausschnitte, die anläßlich seines Hinschieds sah, waren alles, was ich bewußt von ihm wahrnahm und das gefiel mir gar nicht.

Sternchen100
09.07.2009 22:45

Mir gefällt Schönberg auch nicht, aber ich erkenne die Kunst, wo ich sie höre.

Sultan Of Swing
02.07.2009 18:56

es gibt eben doch noch Höhlenmenschen...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 451
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.