Vom Punch bis zu Parkinson

26. Juni 2009, 17:10
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Martin Krauß' "Muhammad Ali. Ein Leben. Eine Hörbiographie", gesprochen von Oliver Nitsche

Louisville, Kentucky, 1954: Ein zwölfjähriger Junge beschwert sich bei einem Polizisten, nachdem ihm sein Fahrrad gestohlen wurde. Und kündigt an, den Übeltäter zu verprügeln. Der Ratschlag des Ordnungshüters, der nebenbei Boxunterricht gibt, lautet, doch erst einmal richtig kämpfen zu lernen. Und das tat Cassius Clay alias Muhammad Ali. So gut, dass er der bekannteste Boxer des 20. Jahrhunderts wurde. Auch weil er mehr als ein Boxer war. Und als Ikone prächtig in die biographische Reihe des Argon Verlags passt, neben die Dietrich, Albert Einstein und Gandhi.

Martin Krauß ist ein geschickt arrangiertes Feature gelungen, so setzt das Hörstück ein mit einer Vielzahl von Stimmen, von fast vergessenen Konkurrenten bis zur Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison, und führt dann in erfrischender Distanz Alis Lebens- und Erfolgsstationen entlang: der Olympiasieg 1960, die Kriegsdienstverweigerung, der Übertritt zum Islam inklusive Namenswechsel, Ächtung, Verlust des Titels und die späten Fights in Kinshasa und Manila bis zur Parkinson-Erkrankung und seiner diplomatischen Mittlerrolle nach den Anschlägen von 2001. Für Muhammad Ali allerdings den vokal zurückhaltenden Oliver Nitsche genommen zu haben, ist ein nicht ganz geringer Makel dieser Produktion. Da hätte man sich lieber einen Großsprecher gewünscht, einen Mario Adorf oder Claude Oliver Rudolph, der das nötige Volumen besäße und ein so großes Ego mitbrächte wie Muhammad Ali. (Alexander Kluy, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.06.2009)

Martin Krauß, "Muhammad Ali. Ein Leben. Eine Hörbiographie" . Sprecher Oliver Nitsche u.a. € 10,30/47 Minuten. Argon Verlag, Berlin 2009

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