Streit beendet: Maiglöckchenlampen kommen

26. Juni 2009, 15:22
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Stenzel: "Ich freue mich subkutan" - Architekt und Gestalter der modernen Lampen enttäuscht

Nach langem Hin und Her ist es nun fix: Die Wiener Innenstadt-Fußgängerzonen werden im Zuge ihrer Neugestaltung mit einer adaptierten Variante der alten Maiglöckchenlampen ausgestattet. Damit hat Bezirkschefin Ursula Stenzel (V) ihr präferiertes Modell gegen das eigentliche Wettbewerbsergebnis durchgesetzt, das moderne Leuchten vorsah. "Ich freue mich subkutan", zeigte sich Stenzel  beim Baustellenfest am Freitag über ihren Erfolg bescheiden: "Es ist kein Triumph."

Man habe sich mit der Stadt in großer konsensualer Atmosphäre in allen Detailfragen geeinigt. Auch freue sie sich sehr über den Baufortschritt und die Qualität der Arbeiten - immerhin handle es sich hierbei um das größte Bauprojekt der Inneren Stadt.

Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) zeigte sich zwar ebenfalls sehr zufrieden über den großzügigen, klaren und unbiedermeierlichen Eindruck der bereits fertigen Straßenabschnitte. Allerdings bereite ihm Sorgen, ob man mit allen Arbeiten bis Weihnachten fertig werde, da Stenzel den notwendigen Finanzbeschluss in der Bezirksvertretung sehr lange hinausgezögert habe: "Ich hoffe, dass es sich überhaupt noch ausgeht." Aus diesem Grunde habe man letztlich auch der Maiglöckchenleuchte zugestimmt, um das Weihnachtsgeschäft durch eine unfertige Straße nicht zu gefährden.

Enttäuschter Architekt

Sehr enttäuscht von der Entscheidung zeigte sich der junge Architekt Clemens Kirsch, der 2007 den Wettbewerb für die Neugestaltung des Areals inklusive moderner Lampen gewonnen hatte: "Ich habe keine Kraft mehr, mich aufzuregen." Es sei äußerst bedenklich, wenn es Schule machen sollte, dass Wettbewerbsergebnisse im Nachhinein ausgehebelt werden könnten. Immerhin bereitet Kirsch der von ihm konzipierten Straßenbelag Freude. Auch die Wirkung in der großen Fläche beeindrucke. Die Steine würden aufgrund ihrer großen Dichte den Dreck nicht so leicht aufnehmen und sich bei Regen praktisch selbst reinigen.

Die ortsansässigen Kaufleute freuen sich auf die fertige Straße - auch inklusive Maiglöckchenlampe. "Es ist wichtig, dass nun endlich überhaupt eine Entscheidung getroffen ist", betonte Rainer Trefelik, Obmann der Interessengemeinschaft Kaufleute Kärntnerstraße (IGK). Bauarbeiten seien natürlich niemals lustig, aber es zahle sich aus, wenn man den fertigen Boden sehe: "Man kann mit Stöckelschuhen drübergehen." Man plane nun auch eine neue Weihnachtsbeleuchtung, die einem gänzlich anderem Konzept folgen soll, falls man die Kaufleute überzeuge.

Beim heutigen Baustellenfest mit Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank und Dompfarrer Toni Faber wurde jedenfalls bekanntgegeben, dass bereits 19.500 der 51.000 Platten verlegt und 9.000 der insgesamt 20.000 Quadratmeter fertiggestellt sind. In Summe werden auf Kärntner Straße, Graben und Stock im Eisen Platz 20 Mio. Tonnen Material verbraucht. Am 14. November soll die feierliche Eröffnung sein. (APA)

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