Uni Wien

Proteste gegen Khatami-Vortrag: Freisprüche für neun Aktivisten

26. Juni 2009, 15:15

Wegen versuchten Hausfriedensbruchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchter Sprengung einer Versammlung

Wien - Elf Aktivisten der Initiative "Stop the Bomb", die für wirksamen politischen und wirtschaftlichen Druck auf das Regime im Iran eintritt, hatten sich am Freitag im Wiener Straflandesgericht wegen versuchten Hausfriedensbruchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchter Sprengung einer Versammlung zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen zur Last, sie hätten am 27. Oktober 2008 mit rechtswidrigen Methoden versucht, den Kleinen Festsaal an der Universität Wien zu stürmen, wo der iranische Ex-Präsident Mohamed Khatami auf Einladung der Universität einen Vortrag hielt.

Die Angeklagten - durchwegs Studenten oder Akademiker im Alter zwischen 18 und 45 Jahren - bekannten sich "nicht schuldig". Sie hätten von ihrem verfassungsrechtlich gewährleisteten Grundrecht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht, erklärte ihr Verteidiger Heinrich Vana.

Die Gruppe "Stop the Bomb" tritt seit 2007 öffentlich gegen das iranische Regime und sein Atomwaffenprogramm in Erscheinung. Auch auf Menschenrechtsverletzungen machen die Aktivisten aufmerksam. Obwohl Khatami als gemäßigt gilt, wollten sie dagegen protestieren, als dieser auf der Universität eine Rede halten sollte: Für sie symbolisiert der Amtsvorgänger von Mahmoud Ahmadinejad eindeutig das iranische System.

"In Österreich gibt es auch eine Gegenöffentlichkeit"

Wie der Verteidiger betonte, hätte Bundespräsident Heinz Fischer Khatami vor dessen Auftritt an der Uni begrüßt. Anliegen seiner Mandanten wäre es daher gewesen, "der Öffentlichkeit ein anderes Bild zu zeigen und zu sagen, dass es in Österreich auch eine Gegenöffentlichkeit gibt".

Laut Anklage sollen die Aktivisten den Versuch unternommen haben, die von Polizei und dem Sicherheitsdienst der Universität gesicherte Flügeltür zu überwinden, um im Festsaal mit mitgebrachten Trillerpfeifen Khatamis Rede zu stören. Sie sollen sich den Anweisungen der Beamten widersetzt haben, sich zu entfernen, da die an sich angemeldete Kundgebung nur auf den Außenbereich der Uni zugelassen war. Ein Polizist soll von einer Manifestantin gar verletzt worden sein und eine blutende Kratzwunde davon getragen haben.

"Wenn Khatami an der Uni eine Rede hält, müssen Gegenäußerungen möglich sein", gab die Sprecherin der Gruppierung zu Protokoll. Sie räumte ein, sie habe "so nahe wie möglich an den Ort des Geschehens" gelangen wollen. Ihre Absicht sei es jedoch nicht gewesen, die Veranstaltung platzen zu lassen, sondern ihren Protest kundzutun.

Neun Freisprüche, ein Verfahren vertragt

"Ist geschrien, ist gepfiffen worden?", wollte der Richter wissen. Die 34-Jährige bejahte: "Aber ich gehe auch in Clubs. Da ist es deutlich lauter."

Neun von ihnen wurden schließlich freigesprochen. Das Verfahren gegen die Sprecherin der Gruppe wurde diversionell erledigt. Gegen Bezahlung einer Buße von 350 Euro wurde die Anzeige gegen die 34-Jährige zurückgelegt. Damit gilt auch sie weiter als nicht vorbestraft. Das Verfahren gegen eine Studentin, die einen einschreitenden Polizisten an der Hand verletzt haben soll, wurde auf Ende Juli vertagt, da der betroffene Beamte seiner Zeugenladung nicht nachgekommen war. (APA)

Karl Kraus
 
22
28.6.2009, 16:33
Seit wann ist

Khatami der Bösewicht. Den hab ich eigentlich recht liberal in Erinnerung. Aber diese linken Gruppierungen sind sowieso sehr seltsam bei der Auswahl ihrer Zielgruppen

as asdad
00
30.6.2009, 16:56

Khatami ist Teil des Systems und ist den Prinzipien des verstorbenen Führers Khomeini loyal.

Er unterscheidet sich durch nichts im Antisemitismus und im Islamismus des Regimes.

Auch fiel die starke Repression gegen die Studenten in seine Amtszeit.

Khatami ist einer dieser ekelhaften Lakaien des Regimes, die sich oppositionell dünken, die Sehnsucht der Iraner nach Freiheit ausnützen um nur selbst an die Macht zu kommen.

Davidoff et cetera
01
30.6.2009, 14:48

für antideutsche ist alles, was dort lebt, gleich schlimm.

Julius Pokorny
00
28.6.2009, 12:30

Die international übliche Transkription des Namens lautet trotzdem <Khatami> (wobei <kh> für [x] steht), nicht <Kathami>. Man spricht den Namen ja nicht mit initialem k-.

subspace99
20
27.6.2009, 12:00
befürworten "wirksamen politischen und wirtschaftlichen Druck"

Wirksamer als nukleare Erstschläge gehts kaum. Nur ist das jetzt politischer oder wirtschaftlicher Druck?

siliconvalley
04
27.6.2009, 00:26
da der betroffene Beamte seiner Zeugenladung nicht nachgekommen war

wird er beim naechsten mal in Handschellen vorgefuehrt? Otto Normalverbraucher wird das stets angedroht in solchen Faellen.

inter
02
26.6.2009, 17:26
der betroffene Beamte seiner Zeugenladung nicht nachgekommen war

wenn ein normaler Bürger dem nicht nachkommt gibt es auch keine Entschuldigung, wieso gilt dies nicht auch für Beamte?

MiNeum71
 
11
27.6.2009, 00:33


Bevor Sie sich da völlig unnötig aufregen (von wegen, der Staat darf alles und der Bürger nichts):

Jeder, der als Kläger/Beklagter/Zeuge vorgeladen wird, kann in begründeten Fällen um eine Vertagung ansuchen (abgesehen von den seltenen Fällen, bei denen dies nicht möglich ist, allerdings auch für alle Bürger).

kv
00
28.6.2009, 08:59

die Frage ist wohl nur, ob sich der Polizeibeamte für sein nicht Erscheinen zuvor entschuldigt hat oder nicht !

Im Text klingt es so, als ob er einfach nicht da war !!!

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