Management und Sport: Einstellung zählt

26. Juni 2009, 17:00
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Über die Gemeinsamkeiten von Sportlern und Managern sprachen Experten beim Standard Mentoring Circle - Fazit: Wer nicht mit dem Herzen dabei und geistig nicht variabel ist, hat weder da noch dort viel Erfolg

"Müssen High Performer Einzelgänger oder Teamplayer sein?", fragte Mentaltrainerin und Coach Petra Lehner beim vierten Netzwerktreffen des Standard Mentoring Circle ins Publikum. Und beantwortete die Frage gleich selber: "Sie sollten beides sein", zugleich Spaß an ihrer Tätigkeit haben und sich immer wieder auf die Arbeit mit ihrem Team freuen. Nur so sei langfristiger Erfolg möglich.

Gemeinsam mit drei Experten, die sowohl im Sport als auch in der Geschäftswelt Erfolge verbuchten, diskutierte Lehner unter der Leitung von KarrierenStandard-Chefin Karin Bauer "Karrieren in Sport und Management", arbeitete Parallelen und Unterschiede heraus. Gastgeber bwin schickte Andrea Gaudenzi ins Rennen, ehemaliger Tennisprofi, der es auf Platz 18 der Weltrangliste schaffte und heute Head of International Sport Marketing bei seinem früheren Sponsor ist.

13 Jahre verbrachte der Italiener als Profisportler, bevor er in die Wirtschaft wechselte. Auf dem beruflichen Weg waren ihm ein Abschluss in Rechtswissenschaften an der Universität Bologna sowie ein MBA der International University of Monaco hilfreich. Ob er den ganzen Tag in einem Büro verbringen könnte, war eine zentrale Frage für den naturverbundenen Tennisprofi, aber bald habe er gemerkt, dass er in der neuen Tätigkeit ohnehin "viel herumkomme".

Überraschende Parallelen

Was Gaudenzi überraschte: Er sei lange der Meinung gewesen, "in einem Match gegen Thomas Muster anzutreten ist der Wahnsinn" - mehr Einsatz ginge nicht. "Richtig hart" sei jedoch ein geschäftliches 16-Stunden-Meeting mit Leuten, die mitunter nicht verstehen, was man von ihnen möchte. Das sei vor allem auch "frustrierend". Dennoch ginge es, im Sport wie im Business, stets um die mentale Einstellung, die einfach passen müsse - um Höchstleistungen zu bringen, um erfolgreich zu sein.

"Wer nicht mental sportlich ist", werde wenig voranbringen, unterstrich Lehner. Sportler wie Führungskräfte müssten "geistig variabel" sein - "und das lässt sich lernen". Sie glaube in diesem Sinn weniger an den „Natural Born Leader" als vielmehr an den "Natural Born Learner".
Triathlet Georg Hochegger, gelernter Goldschmid und Mitbegründer von Triangle Events, dem Organisator verschiedener Ironman-Triathlon-Wettbewerbe (u. a. in Österreich, Monaco und Südafrika), bringt seine Sportkarriere auf den Punkt: "Früher wollte ich einfach nur der Beste sein." Nun, als Geschäftsmann, gelte es, "auf viele Dinge zu fokussieren". Der Übertritt vom Rampenlicht in den organisatorischen Hinterhof sei nicht ganz leicht gewesen.

In Thomas Koflers Leben spielte Sport immer eine große Rolle: Sein Vater war Radsportler, er selbst übte alpinen Skisport und Radsport aus. 1999 gründete er das Profi-Radteam ÖAMTC Volksbank-Colnago mit dem Plan, in zehn Jahren international konkurrenzfähig zu sein. 2007, nach zwölf Jahren Tätigkeit für die Volksbank Vorarlberg, übernahm er das Radmanagement für das heute Vorarlberg-Corratec heißende Team vollberuflich.

Bezüglich der jüngsten Dopingskandale, unter anderem im Radsport, meint Kofler: "Zeit, es besser zu machen." Der Meinung, dass man mit Alkohol, Pillen und anderen "Hilfsmitteln" weder im Sport noch im Management langfristig Erfolg haben könne, schloss sich das ganze Podium an. (mad, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.6.2009)

  • v.l.: Thomas Kofler, Georg Hochegger, Moderatorin Karin Bauer, Petra Lehner, Andreas Gaudenzi bei bwin in Wien. Ein Abend in englischer Sprache für Mentoren und Mentees.
    foto: standard/christian fischer

    v.l.: Thomas Kofler, Georg Hochegger, Moderatorin Karin Bauer, Petra Lehner, Andreas Gaudenzi bei bwin in Wien. Ein Abend in englischer Sprache für Mentoren und Mentees.

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