Ifo Index - nur Erwartungen steigen

26. Juni 2009, 15:06
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der Stoxx 600 zeigte sich diese Woche fast unverändert (-0,48%). Die schlechten BIP Prognosen des Ifo- Instituts und der OECD hatten zu Beginn der Woche auf die Stimmung gedrückt, bevor eine leichte Erholung getrieben von Kursgewinnen an der Wall Street
einsetzte. Innerhalb des Stoxx 600 gab es jedoch wenig Bewegung. Lebensmittelproduzenten und Einzelhandelsunternehmen waren am meisten gefragt und verzeichneten ein leichtes Plus von je 2%. Der Pharma-, Öl & Gas-, und der Chemiesektor mussten hingegen Abschläge von 2-2,5% hinnehmen. Lokal rutschten der WIG in Warschau und der Leitindex in Prag mit Minus 3% am meisten ab. Der IBEX 35 in Madrid war mit einem Plus von 3% der stärkste Outperformer.

Kupfer verteuerte sich in London um 3%. Der Baltic Dry Index gab leicht nach und setzt seinen Anfang Mai begonnenen Seitwärtstrend fort. Das Barrel Brent fiel wider knapp unter die USD 70 Marke (-1%). Der VDax liegt nun bei 28 Punkten (-5%) nachdem er zur Wochenmitte wieder über die wichtige 30 Punktemarke geschossen war.

Ifo Index - nur Erwartungen steigen

Zum dritten Mal infolge hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft gebessert. Der Ifo-Index stieg im Juni von 84,2 auf 85,9 Punkte. Der Anstieg ist aber weiterhin lediglich auf die Erwartungskomponenten zurückzuführen (89,5 Pkt., Vormonat: 85,9). Die gegenwärtige Situation blieb zum Vormonat unverändert (82,4 Pkt., Vormonat: 82,5). Diese Nachricht
verpuffte jedoch an der Börse, da das Ifo gleichzeitig seine BIP Prognosen weiter hinunterschraubte. Auch 2010 wird Deutschland nun ein Rezessionsjahr werden (-0,3%) und erst dann ist die Talsohle erreicht. Für 2009 rechnet man mit einem Minus von 6,3%.

EMU Industrieaufträge: - 1% MoM im April

Die Talfahrt bei den Industrieaufträgen in der Eurozone hat sich im April mit einem Minus von 35,5% zum Vorjahr beschleunigt. Die Aufträge brachen im April so stark ein wie nie zuvor. Im Monatsvergleich sind die Aufträge um 1,0% zurückgegangen. Allerdings wurde der Vormonatswert nach oben revidiert: Die Aufträge im März sind nicht um 0,8% gesunken, sondern lediglich um 0,2%. Der PPI in Deutschland ist im Mai wie vom Konsens erwartet zum Vormonat stabil geblieben (Vorjahr: -3,6%). In Frankreich ist der Geschäftsklimaindex leicht
angestiegen und markiert nun mit 75 Punkten auf dem höchsten Niveau seit März 2008. Der PMI der Eurozone setzte seinen im April begonnenen Aufwärtstrend fort.

Porsche sucht weiter nach Unterstützung

Doch ein Kredit der staatlichen Förderbank KfW für Porsche wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher, da die politische Unterstützung fehlt. Auch die Verhandlungen mit dem Emirat Katar laufen für Porsche anscheinend nicht nach Wunsch. Das Emirat scheint nämlich
hauptsächlich an den Aktienoptionen an Volkswagen interessiert, anstatt bei Porsche zu investieren.

VW will über Suzuki nach Indien

Volkswagen selbst prüft eine Zusammenarbeit mit Suzuki. Durch eine Allianz könnte VW seine Modellpalette um besonders günstige Kleinwagen erweitern, die die Japaner im Programm haben. Zudem bietet Suzuki einen guten Zugang zum indischen Markt, wo das Unternehmen stark vertreten ist. Das Geschäft in Indien ist ein Grund dafür, dass Suzuki als einer der wenigen Autobauer weltweit noch Gewinne schreibt. Beobachter halten eine Zusammenarbeit mit Suzuki für sinnvoll, aber die Gespräche befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium.

Q2: UBS schreibt wieder rote Zahlen

UBS kündigt für das zweite Quartal 2009 einen weiteren Verlust an und besorgt sich via Kapitalerhöhung frisches Eigenkapital von CHF 3,8 Mrd. Die Kapitalerhöhung erfolgt durch die Platzierung von mehr als 293 Mio. Aktien welche bei wenigen institutionellen Großinvestoren platziert wurden. Die Kernkapitalquote wird sich damit per Ende März con 10,5% auf 11,9%
erhöhen. Nach den vorläufigen Ergebnissen ist aber in diesem Quartal wieder ein Verlust entstanden (7. Verlust in den letzten 8 Quartalen). Die roten Zahlen sind zum Großteil auf Wertberichtigungen eigener Verbindlichkeiten sowie auf bereits angekündigte Restrukturierungskosten zurückzuführen. Das operative Ergebnis wird aber angeblich besser ausfallen als im Auftaktquartal. Auch die Deutsche Postbank bezweifelt derweil, dass das Ergebnis vor Steuern im zweiten Quartal wieder positiv sein könnte.

H&M expandiert und steigert Gewinn

Trotz schwacher Konsumnachfrage verzeichnete Hennes & Mauritz im letzten Quartal bis Mai einen deutlichen Umsatzanstieg von 23% auf SEK 26 Mrd. (EUR 2,4 Mrd.) Die vergleichbaren Filialumsätze gingen jedoch um 2% zurück. Der Gewinn fiel mit SEK 4,1 Mrd. (EUR 385 Mio.)
um 6% höher aus als im Vorjahresquartal. Insgesamt habe man sich trotz des schwierigen Gesamtumfelds gut behaupten können, wobei de gewährten Rabatte auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen hätten. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 93 neue Filialen eröffnet und 9 bestehende Niederlassungen geschlossen. Die Gesamtzahl der Filialen liegt nun bei 1.822.

RWE: WelstLB muss Anteile verkaufen

Bei RWE bahnt sich eine tiefgreifende Veränderung der Aktionärsstruktur an, die vor allem die bisher dominierende Position der kommunalen Anteilseigner bedroht. Denn die angeschlagene WestLB muss ihre Beteiligung an dem Versorger verkaufen, um Vorgaben der EU umzusetzen. Dies dürfte eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende der Einfluss von Städten und
Gemeinden im Konzern gebrochen wird.

15 Milliarden für Siemens aus Konjunkturprogramm erwartet

Aus den weltweiten staatlichen Konjunkturprogrammen hofft Siemens in den kommenden drei Geschäftsjahren Aufträge über insgesamt EUR 15 Mrd. zu erhalten. Von den weltweit EUR 2 Bio. entfallen laut Siemens EUR 700 Mrd. auf Infrastrukturinvestitionen. Das Volumen, um das
sich Siemens mit seinen Produkten bemühen könne, beträgt EUR 150 Mrd. Gemessen am durchschnittlichen Siemens-Weltmarktanteil von 10% ergibt sich somit für das Unternehmen rechnerisch ein Auftragsvolumen von insgesamt circa EUR 15 Mrd. wovon EUR 6 Mrd. auf Umwelttechnik entfallen.

Airbus Kunden werden bei Finanzierung unterstützt

EADS hat die Prognose für das laufende Jahr bekräftigt. Demnach rechnet der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern mit einem im Vergleich zum Vorjahr rückläufigen, aber positiven EBIT. Zudem bekräftigte EADS, dass in diesem Jahr nicht mehr als EUR 1,5 Mrd. an Barmitteln verbrannt werden. Bei der Finanzierung von Flugzeugbestellungen will EADS die Kunden der
Tochter Airbus mit rund EUR 1 Mrd. unterstützen. Tesco will angeblich die Dienste der Fortis Insurance International in Anspruch nehmen. Der Finanzdienstleister soll im Rahmen der geplanten Partnerschaft Fahrzeug- und Haushaltsversicherungen anbieten. In Großbritannien würden rund 1.500 Arbeitsplätze entstehen.

Nächste Woche gibt es abermals mit wenige News von den europäischen Unternehmen. Lediglich Syngenta präsentiert nächsten Freitag die Zahlen zum letzten Halbjahr. Zudem warten wir auf die Zahlen zum Einzelhandelsumsatz in Europa, den PPI in der EU, den Sentix Index und die Zinsentscheidung der EZB.

 

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