Topping Out an der Wall Street?

26. Juni 2009, 14:54
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Was sich bereits seit einigen Tagen abzeichnet, hat sich nun weiter verstärkt: der Markt dürfte sich im Prozess eines "topping out" befinden. Nachlassende Marktbreite, geringes Volumen, ein massiver Anstieg der Insider-Verkäufe und ein überwiegend bullishes Stimmungsbild
signalisieren weiter nachlassendes Momentum an den US -Märkten. Nach einer dreimonatigen impulsiven Rallye in der es praktisch keine nennenswerte Konsolidierung gab, ist eine ausgeprägte Schwächephase (die den Sommer über anhalten könnte) nur logisch. Der Dow Jones verliert 0,97 %, die Nasdaq zeigt weiterhin enorme relative Stärke und steigt 1,2 %, während der S&P seitwärts tendiert. Gold steigt auf USD 944 je Unze, der Ölpreis konsolidiert auf hohem Niveau und notiert nun bei 71/Barrel. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen klettert auf 3,53 %, die 30 jährigen Bonds handeln bei 4,31 %.

Fed optimistischer

Der Zinsentscheid der US Notenbank brachte keine Überraschungen. Die Zinsen werden noch längere Zeit auf niedrigem Niveau gehalten. An den Finanzmärkten sieht die Fed deutliche Zeichen einer Entspannung. Die Gefahr einer Deflationsspirale sähe man nicht, für den Wirtschaftsausblick verbleibt man verhalten optimistisch. Notenbankchef Bernanke musste sich am Donnerstag vor dem Kongress befragen lassen. Die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America dürfte nur unter massiven Drohungen zustande gekommen sein. Ben Bernanke sagte aus, zu keinem Zeitpunkt dem BoA Management gedroht zu haben. Der ehem. BoA CEO Ken Lewis behauptet das Gegenteil, er behauptet Bernanke habe ihm im übertragenen Sinn das Messer auf die Brust gesetzt, sollte er die Übernahme scheitern lassen.
Bernankes erste Amtzeit endet im Jänner 2010, eine neuerliche Nominierung steht noch aus.

Konjunkturdaten enttäuschten

Die gemeldeten Konjunkturdaten enttäuschten. Die Neubaubeginne aber auch die Hausverkäufe fielen ernüchternd aus, die Preise fielen im Schnitt um 17 %. Insbesondere die  Gewerbeimmobilien dürften nun massive Probleme auslösen. In einer Studie geht die Deutsche Bank davon aus, dass die Mieten für kommerzielle Immobilien frühestens im Jahr 2017 das Niveau vor Ausbruch der Krise erreichen werden. Das BIP sank annualisiert mit 5,5 %, was positive Impulse auslöste, nachdem der Konsens von 5,7 % aus ging. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 627.000, ein Sprecher des Weißen Hauses meldete zudem dass die Arbeitslosenquote bald deutlich über 10 % steigen werde. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter überraschten deutlich positiv, sie kletterten auf 1,8 %. Am Montag führte die pessimistische Wachstumsprognose der Weltbank zu massivem Verkaufdruck. Man geht nun von einem Minus in Höhe von 3 % aus, nachdem man zuvor eine um 2,4 % verringerte Wirtschaftsleistung prognostizierte.

Homebuilder sehen Geschäftsbelebung

Einzelhändler Bed Bath & Beyond (+11,7 %) profitierte nach überraschend positiven Quartalszahlen. Die massiven Einsparungsmaßnahmen haben die rückläufigen Absatzzahlen deutlich überkompensiert. Auch der Baukonzern Lennar (+22 %) legte trotz des höher als
erwarteten Quartalsverlustes zu. Man erkenne eine massive Geschäftsbelebung und deutlich gestiegene Nachfrage. Auch andere Immobilienwerte wie H&R Block und KB Home können zulegen. Apothekenbetreiber Walgreen verfehlte die Konsensschätzungen deutlich. Das EPS
sank im abgelaufenen Quartal 9 %, während der Umsatz um 8 % stieg. Man reagiert darauf mit massiven Reduktionen im Sortiment und Stellenstreichungen. Auch die Aktien der Konkurrenten CVS Caremark und Rite Aid verlieren. Anteilsscheine von Boeing geben deutlich nach, nachdem der Erstflug des 787 Dreamliners, der für Ende Juni geplant wurde, auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Softwarehersteller Oracle konnte die Markterwartungen bei Erlösen und Erträgen deutlich übertreffen, die Gewinnmarge stieg auf ein Rekordniveau. Nortel Networks verliert 60 % auf USD 0,063. Teile des insolventen Telekomzulieferer sollen an Nokia Siemens Networks verkauft werden. Detail am Rande: zum Höhepunkt der Dotcom-Hausse hatten die Aktien noch fast USD 1.000 gekostet. In der nächsten Handelswoche melden H&R Block, Generall Mills und Constellation Brands Quartalszahlen. Impulse sollten am Dienstag vom Case-Shiller-Hauspreisindex sowie vom ISM am Mittwoch kommen.

 

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