Neue Messeformate

26. Juni 2009, 17:15
1 Posting

Die Absagen von Messen häufen sich. Zeitgleich sorgen neue, vom Kunsthandel initiierte Formate für eine Neuordnung gemeinschaftlicher Präsentationen

Die wesentlichen Weichenstellungen der Messebranche und die gegenwärtige Eventlandschaft verdankt der Kunstmarkt weniger findigen Einzelpersonen als sich verbündenden Händlern und Galeristen. Initiativen zu neuen Messeformaten hatten dort und zeitlich oft im Windschatten von Krisen ihren Ursprung: die Tefaf (The European Fine Art Fair) bzw. ihr 1975 ins Leben gerufener Vorläufer Pictura Fine Art Fair genauso wie die 1970 von einer Gruppe lokaler Galeristen gegründete Art Basel oder der Kölner Kunstmarkt (später Art Cologne), der 1967 debütierte, stets in Kooperation mit (zum Teil wechselnden) Veranstaltern, die für die organisatorische Feinarbeit und das Auffinden von Sponsoren zuständig sind.

Angesichts der sich mehrenden Absagen von Kunstmessen scheint die Macht des Handels wieder verstärkt das Zünglein an der Waage zu sein. Hinter dem stets von den Veranstaltern verlautbarten Argument der wirtschaftlich prekären Situation steht in der Realität vielmehr der konkrete Rückzug ganzer Heerscharen von Ausstellern. Meist sind davon erst relativ kurz bespielte Standorte bzw. Formate betroffen: Die Art Cologne gewährte ihrer Mallorca-Tochter nach 2007 keinen zweiten Auftritt, auch die im gleichen Jahr veranstaltete düsseldorf contemporary blieb einmalig.

Vor kurzem erfolgte die Absage der (ebenfalls 2007 begründeten) Art Paris Abu Dhabi, dort seien die Umsätze bis zu 80 Prozent vom Königshaus mit völlig heterogenen Kunstankäufen finanziert worden, einen realen Markt gebe es dort gar nicht, wie es heißt. Wer hier eine handfeste Kunstkrise wittert, liegt falsch. Tatsächlich handelt es sich um eine Bereinigung und Neuordnung.

Mit der Kunst Messe München - sie fand 2008 zum 53. Mal statt - ist nun erstmals eine seit Jahrzehnten etablierte Traditionsmesse von einer Absage betroffen. Der Grund liegt hier allerdings in seit Jahren andauernden Querelen zwischen Ausstellern und dem ehemaligen Organisator Peter Henrich. Die Berufung eines neuen Messedirektors - Michael Daniels, der hinter der Antiquitätenmesse in Düsseldorf steht - erfolgte für viele schlicht zu spät. 2004 hatte sich die lokale Elite des Kunsthandels abgesondert und die von Konrad O. Bernheimer initiierten Munich Highlights feierten ihre Geburtsstunde.

2008 waren dann weitere wichtige Aussteller abgewandert und engagierten sich stattdessen bei dem von Wolf Krey im "Haus der Kunst" organisierten Debüt der Fine Art & Antiques München. Mitte Mai dieses Jahres entschied der Deutsche Kunsthandelsverband als Rechtsinhaber der Marke "Kunst Messe München" , diesen Titel 2009 dem Krey'schen Format zu vermieten. Gegen Zahlung von 5000 Euro nennt sich die in den Postpalast (16. bis 25. Oktober) übersiedelte Messe nunmehr Fine Art & Antiques München - 54. Kunst Messe München" .

Der Veränderungen nicht genug, startet im Oktober 2010 mit Highlights - die internationale Kunstmesse München (im Haus der Kunst) ein lang geplantes neues Format. Neben dem Vorstand (Konrad O. Bernheimer, Bruce Livie, Georg Laue, Raimund Thomas) gehören mit Roman Herzig (Galerie St. Lucas, Wien) und Thomas von Salis (Salzburg/Zürich) auch Österreicher zu den Gründungsmitgliedern.

Bravouröser Einstand

Neuerungen machen aber auch vor Österreich nicht halt. Die traditionellen Herbstmessen (Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten & Wiener Internationale Messe für Kunst und Antiquitäten) sind davon vorerst (noch) nicht betroffen. Die zeitlich nächste Novität wartet in Salzburg, jenem Messestandort, der gegenüber Wien durch die Internationalität des Festspielpublikums einen klaren Vorsprung hat.

Die Mitte April endgültig abgesagte während der Sommerfestspiele angesetzte Salzburg World Fine Art Fair ist doch nicht ganz Geschichte. Die um internationale Kunden bemühten österreichischen Teilnehmer sahen ihre Felle die Salzach hinabtreiben und verbündeten sich. Eine Gruppe von Wiener Kunsthändlern um Sylvia Kovacek wollte diesen Messetermin (15. bis 23. August 2009) aufrechterhalten, akquirierte im Kollegenkreis und konnte sogar renommierte deutsche Kollegen gewinnen. In Wolfgang Pelz - er steht hinter der Art Austria (Museumsquartier) - fand man schließlich auch einen Organisator.

Seinen Einstand schaffte er mit Bravour: Mit der Landesregierung konnte er sich auf eine Reduktion der Miete für die Räume in der Residenz einigen, womit sich der Quadratmeterpreis der in Art Salzburg umbenannten Messe um 200 auf aktuell 550 Euro netto reduzierte.

Mehr als das Doppelte müssen die Teilnehmer der ebenfalls von Pelz organisierten und von 23. bis 27. September angesetzten Art Albertina berappen. Die Räume der im Untergeschoß liegenden Basteihalle - derzeit provisorisches Zwischenlager für die zu evakuierenden Kunstschätze - sind dafür reserviert. Allen Gerüchten zum Trotz findet die auf Zeichnungen spezialisierte und am Vorbild des Pariser Salon du Dessin orientierte Messe statt, wenn auch in anderer Formation als noch im April angekündigt. Klingende Namen wie Gagosian, Hauser & Wirth, Thomas Le Claire und Richard Nagy konnten zwar andere Kollegen motivieren, werden selbst aber (doch) nicht teilnehmen.

16 der bislang 28 fixen Zusagen werden zeitgenössische Kunst präsentieren, gefolgt von klassischer Moderne. Der Bereich Altmeisterzeichnungen ist mit zwei Ausstellern (noch) eine Minderheit.

In den nächsten Wochen möchte Pelz an der Idee des deutschen Kunsthändlers Albrecht Neuhaus arbeiten: Im Rahmen der Messe soll es eine "Masterpieces" betitelte Sonderpräsentation geben. Hierfür können sich Händler, die keine der 15 Quadratmeter kleinen Kojen buchen möchten, für einzelne Kunstwerke laufmeterweise Präsentationsfläche anmieten. Kostenpunkt: zwischen 500 und 1000 Euro. So günstig war eine Messeteilnahme in der Geschichte des Kunstmarktes wohl noch nie. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.06.2009)

 

  • Die derzeit als provisorisches Zwischenlager genutzte Basteihalle der
Albertina wird im September die erste Art Albertinabeheimaten.
    foto: albertina

    Die derzeit als provisorisches Zwischenlager genutzte Basteihalle der Albertina wird im September die erste Art Albertinabeheimaten.

Share if you care.