Sburny und ihr zweiter Abschied

26. Juni 2009, 14:26
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Mit 50 bricht die ehemalige Bundesgeschäftsführerin zu neuen Ufern auf

Wien - Mit 50 fängt Michaela Sburny ein neues Leben an, wieder ein neues Leben. Denn ihr Abschied aus der Funktion der Grünen Bundesgeschäftsführerin ist nicht der erste. Schon 2001 legte sie nach drei Jahren dieses Amt nieder, um dann weitere drei Jahre später auf den Posten zurückzukehren. In diese zweite "Amtszeit" fielen die größten Erfolge der Grünen unter Alexander Van der Bellen. Nunmehr, wo es auch unter Eva Glawischnig in der Wählergunst ein wenig abwärts geht, wird nach frischen Kräften Ausschau gehalten.

Sburnys Rolle in der Partei war durchaus zentral. Der Bundesgeschäftsführerin oblag die Aufgabe, zwischen den "Fundis" vor allem in Wien und den Realos speziell im Westen zu vermitteln und die Wahlkampagnen der Grünen zu managen. Gemeinsam mit dem ebenfalls bereits abgewanderten Bundesparteisekretär Lothar Lockl bildete sie so gemeinsam mit Van der Bellen und Glawischnig das Herzstück der Grünen-Wahlerfolge nach der Jahrtausendwende.

Organisationstalent

Als größte Qualität Sburnys wird ihr Organisationstalent gepriesen, weniger der Auftritt in der Öffentlichkeit, wo die gebürtige Wienerin oft spröde bis streng herüberkommt. Das Managen lernte sie als Landesgeschäftsführerin der Wiener Grünen (1994-1997), auch in Niederösterreich wurde die Wahl-Gobelsburgerin in den 90ern beigezogen, als es um die Konzeption von Wahlkampagnen ging. Nächste Karriere-Station war die Bundesgeschäftsführung, die sie 1998 übernahm und bis 2001 leitete. Selbst in der kurzen Pause zwischen Amtsperiode 1 und 2 ließ Sburny das Organisieren nicht. Da gestaltete sie die politische Koordination der Grünen Wirtschaft.

Ausgebildet wurde Sburny, die seit dem Kampf gegen das AKW Zwentendorf politisch tätig ist, eigentlich als Hauptschullehrerin. Ärztin hätte sie werden wollen, doch ihre frühe Mutterschaft ließ sich mit dem Studium zur damaligen Zeit noch nicht vereinbaren. Bereits als sie 17 war, kam Sburnys erste Tochter zur Welt. Die Jung-Mutter drückte damals noch die Schulbank. Drei Jahre später gebar Sburny bereits ihre zweite Tochter.

Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin besuchte Sburny, geboren am 17.05.1959, einen Lehrgang für Politik an der Klagenfurter Uni und dockte 1982 erstmals bei den Grünen an. So richtig los ging die Polit-Karriere zehn Jahre später als Bildungs- und Sozialreferentin im Wiener Landtagsklub.

In ihrer späteren Laufbahn kümmerte sich Sburny verstärkt um Wirtschaftsthemen. Folgerichtig wurde sie auch zur Wirtschaftssprecherin, als ihr 2002 erstmals der Einzug in den Nationalrat gelang. Sechs Jahre saß sie im Parlament und hätte eigentlich noch länger bleiben wollen. Doch die bei den Grünen stets unberechenbaren Delegierten machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Sie scheiterte als Kandidatin der Parteispitze an der Burgenländerin Christine Brunner.

Ständige Attacken

Mit dieser Niederlage war irgendwie schon absehbar, dass es Sburny nicht mehr so lange bei den Grünen halten würde. Im EU-Wahlkampf versuchte sie es noch einmal. Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen durch die ständigen Attacken des beleidigten Ex-Europasprechers Johannes Voggenhuber kann man das Halten der zwei Mandate bei einem Verlust von rund drei Prozentpunkten fast schon als passables Ergebnis werten. (APA)

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