Sex mit der Stoppuhr

26. Juni 2009, 16:19
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Messen der Wirksamkeit eines Medikamentes gegen erektile Dysfunktion - Bisher wurde Dauer der Erektion außer Acht gelassen

Göteborg - Die Stoppuhr macht sich zunehmend in der Sexualwissenschaft breit: Beim Jahreskongress der World Association for Sexual Health (WAS) in Göteborg stellten Experten sozusagen "objektive" Daten zur Wirksamkeit eines Medikamentes gegen die erektile Dysfunktion vor. Die Probanden hatten im Bett zur Stoppuhr gegriffen. 

Dauer der Erektion bislang vernachlässigt

Seit der Einführung oraler PDE-5-Hemmer (Tabletten für Männer mit Erektiler Dysfunktion, z.B. "Viagra"/Sildenafil, "Levitra"/Vardenafil, "Cialis"/Tadalafil) im Jahr 1998 lag das Hauptaugenmerk einer erfolgreichen Behandlung auf der Härte der Erektion. Außer Acht gelassen - so stellten jedenfalls Experten in Göteborg bei einem Pressegespräch von Bayer Schering Pharma fest - wurde dabei die Notwendigkeit einer normalen Erektionsdauer. Diese könne als wesentlich angesehen werden, damit ein Paar den Geschlechtsverkehr erfolgreich vollziehen und genießen könne. Bei einer Befragung gaben 93 Prozent der Männer an, dass die Dauer der Erektion für sie wichtig ist. Die sexuelle Befriedigung ist somit stark von einer ausreichenden Erektionsdauer abhängig. 

Zwei- bis dreimal so lange Erektionsdauer

Die Konsequenz: Der US-Urologe Matt Rosenberg (Michigan) und andere Experten führten erstmals Untersuchungen durch, bei denen Paare die Dauer der Erektion bis zum erfolgreichen Abschluss des Verkehrs mit einer Stoppuhr exakt messen sollten. Alle Männer, die an den Untersuchungen teilnahmen, litten an Erektiler Dysfunktion. Die Mehrzahl der Teilnehmer wies zudem andere Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen oder Bluthochdruck auf. Die Ergebnisse zeigten, dass es nach der Einnahme von Vardenafil bei Bedarf im Vergleich zum Placebo zu einer zwei- bis dreifachen Verlängerung der Erektionsdauer kam. Zur Stoppuhr griffen in jüngerer Vergangenheit auch andere Sexualwissenschafter und Urologen: Auf diese Weise wurde nämlich mit Probandenpaaren auch die Wirksamkeit von Dapoxetin, einem Medikament gegen den vorzeitigen Samenerguss, getestet.

Nach einer vor kurzem von Sexualtherapeuten durchgeführten Untersuchung liegt die gewünschte Dauer des Geschlechtsverkehrs bei 7 bis 13 Minuten. Die Erektionsdauer bei Männern mit Erektiler Dysfunktion, die das Placebo erhielten, lag zwischen 3,42 und 5,53 Minuten. Nach Einnahme von Vardenafil erreichten Männer mit ED Erektiler Dysfunktion demnach eine Erektionsdauer von durchschnittlich etwa zehn bis 12,8 Minuten. 

Erektile Dysfunktion

Laut der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) bedeutet eine "Erektionsstörung" eine unzureichende Versteifung des Gliedes. Geschlechtsverkehr ist daher nur schwer oder gar nicht möglich. Hält die Störung über einen längeren Zeitraum an spricht man von Erektiler Dysfunktion (ED). Etwa zwei Prozent der 40-Jährigen sind davon betroffen, aber schon 25 Prozent der Männer über 65, so die Zahlen der ÖGN. (APA/red)

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    foto: photodisc

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