"Opfer seiner Popularität"

    26. Juni 2009, 15:21
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    Austrofred: "Besonders schade finde ich, dass er so eine tragische Figur geworden ist und es ihm nicht mehr vergönnt war, sich neu zu definieren"

    Wien - Bestürzung herrschte auch in der österreichischen Pop-Szene über das überraschende Ableben von Michael Jackson. Rainhard Fendrich verwies in einer Reaktion auf die tragischen Folgen des Ruhms: "Michael Jackson ist ein erschütterndes Beispiel dafür, dass jemand Opfer seiner Popularität wird", so der österreichische Sänger. "Er wurde zurecht 'King of Pop' genannt, weil mit ihm die internationale Musikszene die schillerndste Figur nach Elvis Presley verliert. Ich frage mich, ob er nicht trotz seines Mega-Erfolges ein sehr unglücklicher Mensch war. Wir werden seine Kreativität sehr vermissen."

    Für Christina Stürmer war die "Nachricht über den Tod von Michael Jackson sehr traurig. Die Welt hat einen großartigen Künstler und Musiker verloren, der für viele eine große Inspiration war und bleiben wird", so Stürmer. Für Gert Steinbäcker (STS) wird Jackson "mit Sicherheit ein Höhepunkt der Geschichte der Popmusik gewesen sein." Jackson sei "offensichtlich von der Größe seiner Karriere und seiner Erwartungshaltung an das eigene Leben überfordert gewesen."

    "Furchtbar traurig" sind die gestrigen Ereignisse auch für Franz Adrian Wenzl alias Austrofred. "Besonders schade finde ich, dass er so eine tragische Figur geworden ist und es ihm nicht mehr vergönnt war, sich neu zu definieren." Einflussreich sei Jackson für ihn selbst vor allem als Teenager gewesen, für die Popmusik insgesamt habe er vor allem durch seine Videos und "die Perfektion der Durchinszenierung" neue Maßstäbe gesetzt. "Da war er in dieser Größenordnung sicher einzigartig."

    Den "logischen Schluss eines Jackson" sieht Roman Gregory: "Die äußeren Verfallserscheinungen waren ja schon Zeugnis, wie es bei ihm innen aussieht", nun sei vermutlich der "Druck um sein Comeback zu groß" gewesen. "Seinen Mythos konnte das Comeback eigentlich nur zerstören", so Gregory. "Ich glaube, er hatte selbst am meisten Respekt vor dem, was er früher geleistet hat. Er ist nicht umsonst die letzten zehn Jahre nicht mehr aufgetreten." Zwar glaube er nicht an "aktiven Selbstmord, aber ich denke, er hat das mit den Medikamenten so hingesteuert, dass es einen Heldentod geben kann."

    Der "unbestrittene Weltmeister aller Klassen und Verbände" habe in all seinen Fähigkeiten, aber auch Exzessen und Skandalen etwas "Übermenschliches und Unmenschliches" gehabt, sagte Gregory. "Da fällt es fast schwer, menschlich berührt zu sein." Jedenfalls zeige auch dieser Fall, "dass eine lebende Legende nicht lange lebt."

    Auch Udo Jürgens hat die Musikalität von Michael Jackson nach eigenen Angaben immer zutiefst bewundert. "Das Talent von Michael Jackson war grenzenlos und ließ einen mit offenem Mund danebenstehen", sagte Jürgens am Freitag dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Jackson war ein unglaublicher Songschreiber und der Einzige seiner Generation, der eine derartige Bewegungskultur hatte. Seine Songs haben etwas Geniales und waren immer auf der Höhe der Zeit."

    "Ich glaube, er ist sehr unglücklich gestorben", reagierte Produzent Rudi Dolezal auf den Tod von Michael Jackson, mit dem er in den 90er Jahren mehrfach zusammengearbeitet hat. "Angesichts seines Todes sollte man sich zurückhalten, sich nur in den Skandalen zu ergehen, sondern den bahnbrechenden Sänger, Tänzer und Komponisten würdigen, der in den 80er und 90er Jahren praktisch am Laufband Weltklassehits produziert hat." Dolezal habe Jackson unter anderem bei der Arbeit an einer Dokumentation der "Dangerous"-Tour und einer weltweiten Live-Übertragung eines Konzerts in München als "sehr intelligenten, zurückhaltenden und komischen Kauz kennengelernt". Nachsatz: "Aber meine Hochachtung vor seiner großartigen künstlerischen Tätigkeit hat überwogen."

    In den letzten zehn Jahren sei sich Jackson "schon zu Lebzeiten selbst im Weg gestanden", er habe sein eigenes Denkmal "erheblich beschädigt. Einerseits war das Herumschnitzen in seinem Gesicht skurril und obskur - was von mir als großer Hilfeschrei verstanden wird von jemandem, der sich selbst nicht gemocht hat. Andererseits hat es mir dann die unappetitliche Geschichte mit den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs schwer gemacht, unbedarft seine Musik zu genießen."

    Eine Anekdote über ein Erlebnis mit Jackson im Schneideraum lässt Dolezal rückblickend den finanziellen Absturz Jacksons besser verstehen: "Wir saßen in München und er wollte unbedingt eine Szene in der Doku haben, die gefehlt hat. Er hat seinen Manager angerufen und die fünfsekündige Szene live via Satellit aus den USA schicken lassen. Das hat wahrscheinlich mehr gekostet als die ganze restliche Produktion", so Dolezal. "Ich glaube er war in Bezug auf Geld realitätsfern. Er muss ja steinreich gewesen sein, da muss einiges passiert sein an Unüberlegtheiten."

    Die 50 geplanten Shows hätten "zur Hoffnung Anlass gegeben, dass er sich wieder im Griff hat. Ich hoffe, dass in Zukunft die Unappetitlichkeiten vergilben und Jackson als ganz großer Könner in Erinnerung bleibt. Im Rockbusiness gibt es einen Satz, der gut zutrifft. Wen die Götter lieben, holen sie früh zu sich."

    "Total erschüttert" zeigte sich Gerry Friedle alias DJ Ötzi. "Ich war ein großer Fan von Michael Jackson", sagte er am Freitag dem Audiodienst der dpa. "Er war einer der Ausnahmekünstler, der sich nur an den Größten und Besten orientiert hat und wo sich jetzt auch die Größten orientieren." Ötzi wollte sich eines der geplanten Comeback-Konzerte in London anschauen. Er erinnerte sich an ein Erlebnis in Wien noch vor seiner eigenen Karriere. Damals habe er fasziniert bei einem Konzert zugeschaut, wie Jackson drei Minuten lang schweigend auf der Bühne gestanden habe. "Dem war ja fast die Welt zu klein", sagte DJ Ötzi.

    "Mit Michael Jackson verliert die Musikwelt eine Ikone. Er hat mit stilprägenden Songs und grandiosen Bühnenshows die Maßstäbe für Pop neu definiert", würdigte Edgar Berger, CEO von Sony Music Entertainment GSA, den Verstorbenen. "Um Michael Jackson zu beschreiben, wurde der Begriff Superstar überhaupt erst geprägt. Er ist der King of Pop." Musikproduzent Markus Spiegel sagte zu Michael Jackson: "Ein bedauernswerter Mutant, ein schwer neurotischer Pädophiler und eine geniale Kunstfigur, die maßgeblich Popgeschichte geschrieben hat."

    --> Ungebrochene Beliebtheitheit in Österreich


    Ungebrochene Beliebtheitheit in Österreich 

    Michael Jacksons Beliebtheit war in Österreich über Höhen und Tiefen seiner Laufbahn hinweg ungebrochen. Mit der eigenen "Austrian Limited Edition" seiner größten Hits erreichte er erst im Vorjahr erneut die Spitze der Album-Charts, auf sein geplantes Comeback hatten sich auch hierzulande viele gefreut. "Es war eine traurige und schockierende Nachricht, die uns heute Nacht erreicht hat", hieß es in einem Statement des General Managers von Sony Music Austria, Stefan Klimek. "Michael Jackson war ohne Zweifel einer der größten Popkünstler der Musikgeschichte! Seine Musik hat Generationen geprägt."

    "Es war uns eine große Ehre für einen der talentiertesten Superstars zu arbeiten. Das gesamte Team der Sony Music Austria möchte den Angehörigen und Fans ihr Mitgefühl ausdrücken", so Klimek weiter. Erst im Vorjahr hatte Sony Music in Kooperation mit der "Kronen Zeitung" die "Best of"-CD "King of Pop - The Austrian Limited Edition" herausgebracht. Anlässlich von Jacksons 50. Geburtstag konnten die User von "krone.at" ihre Lieblingssongs in das Album wählen - die Doppel-CD "King of Pop" stieg 2008 sofort auf Platz eins der österreichischen Album-Charts ein und erhielt schon bei der Veröffentlichung eine Gold-Auszeichnung.

    Die erfolgreichsten Platten

    Auf Nummer Eins schaffte es in Österreich sonst nur das Album "Bad", das sich 1993 ganze 78 Wochen in den Charts hielt und viermal Platin abstaubte. Achtfach Platin gab es ebenfalls 2008 für die Sonderedition von "Thriller", "Dangerous" erhielt schon beim ersten Erscheinen Anfang der Neunziger zwei- und dreifach Platin und dann noch einmal vierfach bei der Wiederauflage 1997. Dass es nach seinem überraschenden Tod zu einer erhöhten Anfrage kommen wird, davon geht man beim Händler "Saturn Media" bereits aus. "Wir werden dem gerecht werden und arbeiten bereits an der Aufstockung der Kontingente", hieß es.

    Österreich-Konzerte

    Zu Besuch in Österreich war Michael Jackson offiziell viermal. 1988 feierten 50.000 Fans den ersten Wien-Auftritt im Rahmen der "Bad"-Tour im Praterstadion mit - 130 davon kippten mit Kreislaufkollaps um; nochmal 40.000 waren in Linz dabei. Seinen zweiten Streich lieferte Jackson 1992, als er mit der "Dangerous World Tour" im Praterstadion Station und 50.000 Fans glücklich machte. 1997 reiste er mit Ehefrau Debbie Rowe und ihrem Kind Prince Michael für sein Konzert innerhalb der "HIStory Tour" an. 2.000 Fans erwarteten den Superstar bereits vor dem Hotel Imperial, 45.000 Besucher feierten im Ernst-Happel-Stadion mit - erleichtert, nachdem das Konzert wegen Erkrankung Jacksons beinahe abgesagt worden wäre.

    Trotzdem scheint es Jackson bei diesem Aufenthalt in Wien gut gefallen zu haben: Nur wenige Monate später reiste er unangekündigt an und wurde von ungläubigen Passanten auf der Straße entdeckt, als er am 10. März 1998 von Bodyguards durch die Ringstraßengalerien geleitet wurde. Letztlich blieb er drei Tage in Wien, um von hier per Auto nach München weiterzureisen.

    Mit Wien sollte Jackson allerdings einige Jahre später eine eher skurrile Anekdote verbinden: Bei einem seiner Wien-Aufenthalte nahm er offenbar ein Souvenir mit, das ihn nach heimischem Recht später zum Straftäter machen würde. Bei dem Antiquitätengeschäft Rochowanski in der Wiener City erstand er ein "Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien" - und trug es 2005 vor Gericht, als er wegen Kindesmissbrauchs in Kalifornien angeklagt war. Dass er dabei gleichzeitig gegen das "Wiener Ehrenzeichengesetz" verstieß, war dem Sänger vermutlich gar nicht bewusst - die Strafe von 700 Euro versuchte die Stadt Wien auch gar nicht erst einzutreiben. (APA)

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