Brutaler Angriff auf Homosexuelle

26. Juni 2009, 13:47
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In einem Lokal im Stadtzentrum von Ljubljana stürmten maskierte Täter ein Lokal - Bekannter Aktivist wurde krankenhausreif verprügelt

Ljubljana - In Ljubljana hat sich am Donnerstagabend ein brutaler Angriff auf Homosexuelle ereignet. Maskierte Männer stürmten ein Lokal im Stadtzentrum, in dem ein schwul-lesbischer Literatur gewidmeter Vortragsabend stattfand, mit brennenden Fackeln und Steinen. Dabei wurde ein bekannter slowenischer Gay-Aktivist, der Radiojournalist Mitja Blazic, krankenhausreif geprügelt, berichteten slowenischen Medien. 

Parolen wurden geschrien

"Das ist offensichtlich ein homophober Angriff gewesen", berichtete eine Augenzeugin, die Schriftstellerin Urska Sterle, dem Fernsehsender POP TV. Die Angreifer hätten Parolen wie "Tod den Schwulen" und "Verdammte Schwule" geschrien. Die Teilnehmer der Veranstaltung gehen davon aus, dass es sich um einen organisierten Angriff von Skinheads gehandelt habe, berichtet die Tageszeitung "Zurnal". 

Der Angriff ereignete sich gegen 21 Uhr, als etwa acht maskierte Männer das Lokal angegriffen haben. Den AugenzeugInnen zufolge waren sie mit Stöcken, Baseballschlägern und brennenden Fackeln bewaffnet gewesen und hatten das Lokal mit Steinen beworfen. Eine der Fackeln sei auch ins Lokal geworfen worden. Blazic, der sich zur Angriffszeit draußen befand, wurde von den Angreifern brutal verprügelt. Sie hatten ihm in den Kopf getreten und ihn auch mit der Fackel angegriffen. Das Opfer wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Laut "Zurnal" musste sein Kopf mit drei Stichen genäht werden, außerdem erlitt er Verbrennungen am Hals. Spät am Abend sei er aus dem Krankenhaus bereits entlassen worden.

"Pride Parade Woche"

Zum Vorfall kam es in der "Pride Parade Woche", die am morgigen Samstag mit einer Homosexuellen-Parade im Laibacher Stadtzentrum enden wird. Laut dem Verein "Pride Parade" geht es Blazic, der im Verein für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, am Tag nach dem Angriff bereits besser. Er ließ mitteilen, dass sich die homosexuelle Bewegung von solchen "feigen Attacken" nicht einschüchtern lassen werde.

Die slowenische Innenministerin Katarina Kresal wird am Nachmittag Stellung zu dem Vorfall nehmen, teilte ihr Büro mit. Vor gut einer Woche hatte sich Kresal bei einer Pressekonferenz, an der auch Blazic teilgenommen hat, für "Null-Toleranz" bei Gewalt und Hassreden gegen Homosexuelle ausgesprochen.
Slowenien galt als ein gegenüber Homosexualität tolerantes Land. Seit 2006 können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaften auch amtlich eintragen lassen. In jüngster Zeit häufen sich jedoch organisierte Angriffe auf Homosexuelle, die nationalistischen Gruppierungen zugeschrieben werden. Laut Medienberichten sind im Vorjahr in dem Zeitraum um die Homosexuellen-Parade fünf gewalttätige Vorfälle verzeichnet worden. 

Am Sonntag jähren sich die nach dem New Yorker Lokal "Stonewall" benannten Homosexuellen-Unruhen zum 40. Mal. Am 28. Juni 1969 hatten sich die New Yorker Homosexuellen erstmals gegen die ständigen - oft gewalttätigen - Polizeirazzien in dem Szenetreff an der Christopher Street aufgelehnt, was als Beginn der Bewegung für Homosexuellen-Rechte gilt.  (APA)

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