Bundesgeschäftsführerin Sburny tritt zurück - Vassilakou übernimmt während Glawischnigs Karenz die Führung
Der erweiterte Bundesvorstand der Grünen tagt und die erste Überraschung ist da: Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny verlässt mit Jahresende die Partei und Glawischnig bekommt einen zweiten Stellvertreter. Peter Pilz sagt dazu im Interview mit derStandard.at: "Wir mussten Konsequenzen aus der verlorenen EU-Wahl ziehen und unsere Fehler ernst nehmen. Die politische Verantwortung zu übernehmen ist hier der erste Schritt."
Allerdings sei die verlorene Wahl nicht die Schuld einer einzelnen Person. Sie biete aber die Möglichkeit innerhalb der Partei für eine "politische Neuaufstellung" zu sorgen. Auch inhaltlich wollen sich die Grünen reformieren und mehr "öffnen". Die Grünen haben mit rund drei Prozentpunkten Minus bei der EU-Wahl am 7. Juni den größten Verlust auf Bundesebene seit ihrem Bestehen erlitten und schon davor immer wieder Stimmen verloren. Bei der Nationalratswahl 2008 rutschen sie hinter das BZÖ auf Platz fünf ab.
Weitere Veränderungen stehen auch in den Bundesländern an, sagte Glawischnig, die über den Sommer in Karenz geht.
Vassilakou wird Karenz-Vertretung
Die Wiener Klubobfrau Maria Vassilakou wird für Eva Glawischnig während der Karenz die Parteiführung übernehmen. Im Parlament wird sie von Werner Kogler vertreten. Im Herbst, wenn Glawischnig wieder in den Job einsteigt, soll neben Vassilakou ein zweiter Stellvertreter bestellt werden. Namen wollte Glawischnig nicht nennen, es kämen aber "natürlich" auch Männer infrage.
Glawischnig möchte die Partei inhaltlich neu aufstellen. Konkret will man mit der Zivilgestellschaft in Dialog treten, sich öffnen und verbreitern und einen "Zukunftspakt" mit Gerechtigkeit im Mittelpunkt schließen. Es gehe dabei um Steuergerechtigkeit, Unterstützung für Kleinunternehmer, soziale Absicherung, Bildung und einen Pakt gegen Rechts.
Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny, die schon seit fast 18 Jahren dabei ist, soll diesen Neuerungsprozess mitbegleiten. Sowohl Sburny als auch Glawischnig stellten einen Zusammenhang zwischen dem Abgang der Bundesgeschäftsführerin und den Wahlniederlagen in Abrede. Verlust und Neubeginn würden zum normalen parteipolitischen Lauf dazugehören. Sburny wollte über ihre Zukunftspläne nichts verraten, nur so viel, dass sie nach so langer Zeit ihre Kräfte woanders konzentrieren wolle.
Glawischnigs Babypause wird nicht allzu lang sein, sie möchte schon im September wieder zurück sein und sich für die Landtagswahlen in Oberösterreich und Vorarlberg wieder voll einbringen. Geburtstermin ist Mitte Juli. (red, derStandard.at, 26.6.2009/APA)