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"Welcher Michael Jackson wird in Erinnerung bleiben?"

26. Juni 2009, 12:51
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    foto: apa/epa

"Le Progrès": "Jetzt, wo er tot ist, kommen wir nicht umhin, auf das Unbehagen hinzuweisen, das er hervorrief"

Wien - Von CNN über die "New York Times" bis zum "Spiegel": Überall auf der Welt dominiert der Tod von Michael Jackson die Schlagzeilen. "Nicht seit dem Tod von Prinzessin Diana oder dem Tag, an dem John Lennon erschossen wurde, hat eine Nachricht wie diese die Welt derart schockiert", schreibt etwa die britische "Sun" auf ihrer Website. Die "New York Times" nennt Jackson den "Peter Pan der Popmusik" und stellt die Frage: "Welcher Michael Jackson wird in Erinnerung bleiben? Der unübertroffene Entertainer (...) oder die bizarre Figur?" -"Am Ende waren der Superstar und der Einsiedler nicht so weit voneinander entfernt."

Unter dem Titel "Das monströse Genie" würdigt der "Spiegel" "die größte Popsensation der vergangenen Jahrzehnte", die am "Ende ein Freak, die traurigste Figur des Showbiz" wurde. Beleuchtet wird hier der Tag, "als jener Popstar Michael Jackson zu existieren aufhörte, den die Welt gekannt und verehrt hatte". Der 13. Juni 2005: "Der Sensationsprozess, Ausrufzeichen hinter einem langen Abstieg in die Groteske, hatte Michael Jackson gebrochen, physisch wie psychisch. Er beraubte den ewigen Kinderstar, der selbst nie eine Kindheit hatte, endgültig seiner Unschuld, die er in der Spielzeugwelt von Neverland noch zu wahren versucht hatte."

Der konservative Mailänder "Corriere della Sera" schreibt am Freitag zum Tod des Pop-Idols: "Und so tötet die populärste Musik der Welt aufs Neue ihren Herrscher: Michael Jackson - ein weiteres Genie auf dem Tisch des Leichenschauhauses wie so viele andere vor ihm. (...) So viel verbranntes Talent und so viele Tränen (...) auch an dieser letzten Haltestelle auf dem Leidensweg des Rock (...). Addio Michael." Die linksliberale römische Tageszeitung "La Repubblica" schreibt: "Aus der Gosse auf den Altar und zurück: Eine Karriere voller Ruhm, beendet in einem scheinbar unaufhaltsamen Abstieg, ein Leben wie ein Märchen, das sich in einen Alptraum verwandelt hat - die Geschichte Michael Jacksons ist außerordentlich und schrecklich zugleich, menschlich und künstlerisch nur mit wenigen zu vergleichen."

Die französische Zeitung "Le Progrès" aus Lyon trauert ebenfalls poetisch um den "King of Pop": "Der talentierte Künstler tanzt irgendwo in der Galaxie der Stars, mit John Lennon, Elvis Presley, Frank Sinatra. Jeder von ihnen entsprach einer Epoche, einem Stil. Er hätte der große schwarze Star der amerikanischen Musikszene sein können. Doch er mochte seine Hautfarbe nicht. Jetzt, wo er tot ist, kommen wir nicht umhin, auf das Unbehagen hinzuweisen, das er hervorrief. Ein Unbehagen, das diesem androgynen Individuum mit dem ausgeblichenen, verformten, von den Chirurgen entstellen Gesicht entspricht. Ein erstickendes Unbehagen, wenn wir uns an die schwersten Vorwürfe erinnern, die ihn vor Gericht gebracht haben."

"Jetzt könnten wir alle einen magischen Radiergummi für unsere Erinnerung brauchen, um all das Elend auszulöschen, das Michael Jackson aushielt und auslöste. Nur für eine Minute hätten wir gerne klare Erinnerungen an den ergreifenden Tänzer und Sänger, der die Musik der 80er Jahre dominierte, das allzeit bestverkaufte Album ("Thriller") kreierte und das Modell des coolen Kerls mit der sensiblen Seele verkörperte", schreibt das "Time Magazine" in seinem Nachruf auf Jackson.

"Warum Jackson der König des Pop war", schildert der Musik-Redakteur der BBC: "Zu seiner brillanten Musik kam eine emotionale Bindung, die zu größerer Verehrung inspirierte als bei jedem anderen Star." Trotz seiner persönlichen Probleme und seines exzentrischen Verhaltens, das seinen Mythos verdunkelt habe, werde Michael Jackson als "schlanke, lächelnde Figur in edelsteinbesetzten Handschuhen und glitzernder Jacke in Erinnerung bleiben, der im Jahr 1984 kaum den Rekord von acht Grammy Awards in seinen Armen halten konnte", so die BBC.

"Michael Jackson war fasziniert von Prominenten-Tragödien. Ihm gehörte eine Statue von Marilyn Monroe, er studierte das traurige Hollywood-Exil von Charlie Chaplin und heiratete Elvis Presleys Tochter", schreibt die "Los Angeles Times". "Als ein Mann mittleren Alters wirkte er wie ein Außerirdischer, der, wie Tinkerbell, aufhört zu existieren, falls der Applaus jemals aufhört."

Als "geheimnisvollsten Popstar aller Zeiten" würdigt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) Jackson. "So überraschend und bestürzend diese Nachricht ist - wohl niemand, der die Karriere dieses Mannes, der nur fünfzig Jahre alt wurde, mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres, frühes Ende nehmen würde", heißt es auf der Website der FAZ. "Als Musiker war er lange schon tot - als Mensch war er es noch länger, vermutlich seit dem Zeitpunkt, an dem ruchbar wurde, dass er sich zu Kindern mehr hingezogen fühlte als Erwachsenen, unter denen er sich, laut eigener Auskunft, immer fremd fühlte."

"Michael Jackson war eine Identifikationsfigur in einer Welt, in der sich alle Grenzen auflösten. Weder Mann noch Frau, weder schwarz noch weiß", heißt es im Nachruf der "Zeit". "Es wird in der labyrinthischen Psyche Jackos begründet liegen, dass seine Musik, sein Stil gerade in diesem Jahrzehnt (80er Jahre, Anm.) so gut den Geschmack der Welt trafen: Er war ein Hybridwesen - und damit eine hervorragende Identifikationsfigur für die orientierungslosen Heranwachsenden einer Welt, in der Grenzen sich auflösten." (APA/dpa)

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22 Postings
Ibsen
02
Das was auch Michael Jackson

Ab 3:09:
www.youtube.com/watch?v=nevAXEo7T_E


Und von Jackson selbst erzählt:
www.youtube.com/watch?v=eWQp1E6ImY0

Und der Junge lebt, er ist heute 19 Jahre alt.


derSubStandard
01
28.6.2009, 15:17

ich denke das war seine show:
http://www.youtube.com/watch?v=uzYhacSjWEU
(billy jean anniversary video)
wir wollten ihn mit weissen Handschuhen, wer soll das ertragen?
Als ich 10 war, 1982, am Weg durch den Wald zu einem Tennisplatz, hörte man von weitem laut Billy Jean, und zum ersten Mal im Leben begannen meine Knie zu wippen.
Er hat den Weissen tanzen gelernt und ist daran zerbrochen.

wieland apfel
21
28.6.2009, 14:15

Wer erinnert sich nicht an die Massenhysterie nach dem Tode von Prinzessin Diana? Heute ist sie, Diana, nahezu vollkommen vergessen. Mit Michael Jackson wird es aehnlich sein mit dem einzigen Unterschied, dass der Vergessensprozess wesentlich schneller vonstatten gehen wird.

Manfred MacGyver
02
27.6.2009, 17:17

ich weiß nur dass seine rote lederjacke aus dem beat it-video mit zum schärfsten gehört das ich kenne...würd noch heute dafür morden!

Glaros
01
27.6.2009, 20:11

Damals sah er überhaupt ziemlich scharf aus.

http://webpages.charter.net/jasonevin... t%20It.jpg

always my senf dazu
00
27.6.2009, 15:45
das geschmackloseste Titelbild ever

für einen Verstorbenen liefert die heutige Tiroler Tageszeitung.
Jackson mit einem riesigen silbernen Pimmel, kein Scherz!

OK, er ist so aufgetreten, aber angesichts der sonstigen TT-Blattlinie ist das nichts als Lächerlichmachen.

Glaros
02
27.6.2009, 12:44

Interessant, wie viele Fans Michael Jackson auf einmal wieder hat, jetzt da er tot ist. Erinnert mich irgendwie an Falco, nur in größerem Maßstab.

Jackson war in den vergangen Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung (auch in meiner) nur noch eine moralisch anrüchige, abgehalfterte Witzfigur, deren Erfolge lange zurücklagen.

Auch wenn es eine längst bekannte Banalität ist: Ich finde es immer wieder faszinierend, wie das durch den Tod plötzlich wie weggewischt ist und der alte Glanz wieder strahlt. Der Tod reißt einen Menschen aus der Zeit und gibt den Blick aufs Ganze frei. Tragisches Scheitern ist da plötzlich nicht mehr das Fazit eines Lebens, sondern nur noch das Salz in der Suppe, das die Biografie würzt.

learningbydoing
00
27.6.2009, 19:03
"Der Tod reißt einen Menschen aus der Zeit und gibt den Blick aufs Ganze frei. Tragisches Scheitern ist da plötzlich nicht mehr das Fazit eines Lebens, sondern nur noch das Salz in der Suppe, das die Biografie würzt."

Wahre Worte und in unserer medialen Welt viel zu selten bewusst gemacht.

learningbydoing
00
27.6.2009, 19:09

Oder anders ausgedrückt: Die Würze einer Biographie sollte niemals das Fazit eines Lebens sein (bzw. werden).

oiso
21
27.6.2009, 11:49

seit er sich von den vorwürfen des kindesmissbrauchs freigekauft hat, wechsle ich den radiosender, wenn einer seiner songs kommt. eine insgesamt äußerst tragische figur, von seinen eltern in mehrfacher hinsicht missbraucht.

ilrio xxxxx
 
01
29.6.2009, 16:08
ich glaub nicht, dass er sich beim gericht

freigekauft hat. letztendlich das gericht hat ihn freigesproche, da hinter der geschichte mit dem jungen ganz mekwürdige sippe stand.

DDDr. Prof. Oberstudienrat W.
00
26.6.2009, 17:58
Jetzt und mittelfristig

wird man sich wohl in erster Linie an den Jackson der 80er Jahre erinnern. Später wird man auch anfangen, sich mit dem "späten" jackson musikalisch zu beschäftigen. Das war bei Elvis auch so.

Ibsen
03
26.6.2009, 16:37
In meiner Erinnerung...

... bleibt das Bild, als er 1996 in dem Budapester Népstadion vor 60 000 Menschen ganz allein in einem goldenen Anzug auf die Bühne kam, um "Stranger in Moscow" zu singen... war unvergesslich... (wie auf dieser schwedischen Aufnahme):

www.youtube.com/watch?v=wuy965JvJyk

P.I.P.

Ibsen
21
26.6.2009, 17:16
R.I.P. war natürlich gemeint

Max User
41
26.6.2009, 21:26
Schade

mit ihrem bescheuerten "R.I.P." haben Sie's wieder zunichte gemacht. Aber dem "P.I.P." hab ich trotzdem ein "Brillant" spendiert. Einfach weil es so herrlich dämlich ist und aber genau das aussagt, was hinter jedem dahingerotzen "RIP" steht: Ein Lercherlschas! PIP eben! :D

Ibsen
13
26.6.2009, 21:57
Ich habe R.I.P. absolute ernst gemeint

War damals ein Fan und habe Konzerterinnerungen. R.I.P. war keine leeren Worte von mir. Warum ist es dämlich und bescheuert?
Noch nie etwas vertippt, was?

Saskia Fabian
 
012
26.6.2009, 13:56
nachdem man sich in dieser schizophrenen welt anscheinend aussuchen kann welcher jacko in erinnerung bleibt

sage ich: alle facetten seines lebens. er war ein hart arbeitender künstler, höchst talentiert, ein mißbrauchter und mißbrauchender und ein am amerikanischen showbiz zerbrochener. und vor allem: er hat millionen wenn nicht milliarden von menschen erreicht und freude geschenkt. in diesem sinne rip!

gunners
32
26.6.2009, 13:42
Nachdem sogar Haider als Heiliger verehrt worden ist...

Placebo
 
00
26.6.2009, 15:27
Haider wurde von seinen Günstlingen und Erben zum Heiligen gesprochen. Ein Provinzler Jackson kannte die ganze Welt. Da fängt der Unterschied aber erst an.

Marlon62
14
26.6.2009, 14:08
Nicht alles, was hinkt,

ist ein Vergleich.

Alter Störenfried
14
26.6.2009, 13:04
Le Progrès

Le Progrès bringt es ziemlich auf den Punkt.

klausenpown
03
26.6.2009, 14:56

Dieses Unbehagen entstammt demselben Charakter, dem auch die großartige Musik, der expressive Tanz entstammt. Genie und Wahnsinn trifft es hier fast wie der Nagel auf den Kopf. Eine Bühnenshow war nie 'Arbeit', 'naja bringen wirs hinter uns' sondern voller Ernst und voller Spaß, das Bad in der Menge. Einer der auf der Bühne so verzaubert, geht nicht am Abend nach Hause, legt sich vor den Fernseher, macht sich ein Bier auf und lebt sein Leben wie ein 'Normalo'.

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