Viren verstecken sich in zwei Typen von Immunzellen
London - Bei HIV-Patienten könnte die Kombination der bisherigen
antiviralen Behandlung mit einer speziellen Chemotherapie möglicherweise zum vollständigen Abtöten aller Erreger führen. Hinweise darauf liefert die
Entdeckung eines kanadisch-amerikanischen Forscherteams.
Versteck
Die seit den 1990er Jahren gängige antivirale Therapie hat die Prognose von
HIV-Patienten deutlich gebessert. Zwar können die Medikamente die Viruslast im
Körper bis unter die Nachweisgrenze senken, aber sie tötet nicht sämtliche
Erreger. Wissenschafter der Universität Montreal wiesen nun nach, dass sich die
Viren in zwei Typen von Immunzellen, den sogenannten Gedächtnis-T-Zellen
verstecken und so der antiviralen Therapie entgehen.
Und in diesen Zellen ändern die Erreger auch ihre Vermehrung. Hier
reproduzieren sie sich durch die Teilung der T-Zellen. Ließe sich diese
Zellteilung mit einer Chemotherapie verhindern, schrieben die Forscher im
Fachjournal "Nature Medicine", so könnten auch diese verbleibenden Erreger
abgetötet werden.
Vorgeschlagene Therapie
"Wir schlagen den Einsatz von Medikamenten vor, die auf die virale Vermehrung
von HIV im Körper abzielen, in Kombination mit Präparaten, die die infizierten
Gedächtnis-T-Zellen von der Teilung abhalten", sagt Rafick-Pierre Sékaly. "Indem
wir die Krankheit auf diesen beiden unterschiedlichen Wegen gleichzeitig über
einen längeren Zeitraum angreifen, können wir die HIV-Vorkommen eliminieren, die
derzeit im Körper überdauern, und einen Menschen ohne Krankheit
hinterlassen." Die Forscher räumen aber ein, dass zur Entwicklung dieses
Vorgehens noch etliche Jahre vergehen dürften. (APA/AP)