Rezession schlägt voll auf Exporte durch

26. Juni 2009, 12:20
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Sachgütererzeugung besonders stark betroffen -Inflation moderat - Privatkonsum recht robust - "Nach Krise Defizitabbau nötig"

Wien - Österreich kann sich dem starken Abschwung der Weltwirtschaft nicht entziehen. Das Wifo erwartet für heuer global einen BIP-Rückgang von 1,5 Prozent, für die OECD-Staaten insgesamt 3,5 Prozent Minus und für die USA einen Rückgang um 2,7 Prozent. Haupthandelspartner Deutschland dürfte um 6,0 Prozent schrumpfen, die Euro-Zone um 4,2 Prozent und die EU-27 um 4,0 Prozent.

Die Welt-Rezession schlägt voll auf die Exportmärkte Österreichs durch. Die Warenexporte dürften heuer um 14 bis 15 Prozent sinken, nehmen IHS und Wifo in ihrer neuen Konjunkturprognose von Freitag an - allerdings hatte der Rückgang im 1. Quartal ein Viertel betragen -, 2010 sollen die Ausfuhren leicht um knapp 1 Prozent bis 2 1/2 Prozent zulegen. Die Warenimporte sinken heuer um 9,5 bis 11 Prozent, 2010 sollen sie um 1/2 bis 1 1/2 Prozent steigen, lautet die Annahme.

Verlangsamung des Preisauftriebs

Der weltweite Fall der Energie- und Rohstoffpreise sowie die schwache Konjunktur führen freilich auch zu einer deutlichen Verlangsamung des Preisauftriebs. Nach noch 3,2 Prozent VPI-Anstieg 2008 wird die Inflation heuer bei 1/2 Prozent erwartet, 2010 bei 1,2 bis 1,6 Prozent. In einzelnen Monaten könnte es heuer sogar Minusraten geben.

Die um Nahrungsmittel und Energie (Stichwort Öl) bereinigte Kernrate, im Vorjahr noch 2,4 Prozent, sinkt aber nur auf heuer 1,3 und 2010 dann 1,1 Prozent, so das Wifo. Weder die Gefahr einer längeren Deflation nach der Krise noch eine Hochinflation durch starke Geldmengenausweitung schätzt das Wifo als hoch ein.

Robuster Konsum

Überaus robust entwickelt sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte. Trotz geringerer Zunahme der Pro-Kopf-Bruttoverdienste bei gleichzeitiger Abnahme der Beschäftigung und einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit wird der Konsum heuer real um 0,2 Prozent zunehmen, glaubt das Wifo. Das IHS dagegen befürchtet hier heuer ein reales Minus von 0,2 Prozent. 2010 soll der Privatkonsum dann ähnlich zulegen wie das BIP, nämlich um 0,5 (Wifo) bzw. 0,2 (IHS) Prozent.

Die Pro-Kopf-Realeinkommen werden heuer aus Sicht des Wifo - durch die Senkung der Einkommensteuer - netto mit +3,3 Prozent deutlich stärker steigen als brutto (+1,8 Prozent). Es fließt aber auch ein Gutteil in die Ersparnisse ab. Die Sparquote Privater dürfte heuer von 11,5 auf 12,0 Prozent steigen und 2010 bei 11,7 Prozent liegen.

Sachgütererzeugung besonders stark betroffen

Die Sachgütererzeugung ist vom Exportausfall besonders stark betroffen - ihre Wertschöpfung wird heuer real um 10 Prozent schrumpfen, nimmt das Wifo an. Da die Beschäftigtenzahl hier um 6,3 Prozent sinken dürfte, soll die Stundenproduktivität im Sachgüterbereich 2009 um lediglich 2,5 Prozent abnehmen. In der Gesamtwirtschaft mit - laut Wifo - 3,4 Prozent BIP-Minus dürfte die Erwerbstätigenzahl um 1,2 Prozent sinken und die Produktivität (BIP/Erwerbsperson) dementsprechend um 2,2 Prozent zurückgehen.

Das gesamtstaatliche Defizit dürfte sich laut Wifo heuer von 0,4 auf 4,3 Prozent des BIP erhöhen und 2010 nochmals weiter auf 5,8 Prozent steigen. Diese - im internationalen Vergleich nur durchschnittliche - Verschlechterung sei überwiegend den erheblichen Konjunkturstützungsmaßnahmen zuzurechnen. "Jedoch hätten stärkere Konsolidierungsbemühungen in den Jahren der Hochkonjunktur den gleichen Konjunkturimpuls bei geringerem Defizit ermöglicht", schreiben die Wifo-Experten der Politik ins Stammbuch.

Harte Konsolidierungsanstrengungen

Vom IHS, das 2009/10 ein Defizit von 4,4 und 5,4 Prozent erwartet, wird betont, dass in der gegenwärtigen Konjunktursituation eine drastische Rückführung des Defizits "nicht angebracht" erscheine.

"In den folgenden Jahren sind aber harte Konsolidierungsanstrengungen notwendig, um das Budgetdefizit abzubauen", betont das Institut für Höhere Studien. Unumgänglich seien dabei weitreichende Reformen etwa im Bereich der Verwaltung, der Beziehungen der öffentlichen Gebietskörperschaften untereinander, bei den Pensionen sowie im Bildungs- und Gesundheitssystem. (APA)

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