KTM muss für Landes­haftung jährlich 1.000 Motorräder verkaufen

26. Juni 2009, 10:52
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Firmenchef Pierer und LH Pühringer sehen keine Subvention - Umsatzrückgang von 25 Prozent erwartet

Linz - Der krisengeschüttelte börsenotierte oberösterreichische Motorradhersteller KTM Power Sports muss für die Landeshaftung in Höhe von 33,6 Mio. Euro jährlich rund 1,4 Mio. zahlen. Diese Summe entspreche dem Deckungsbeitrag für 1.000 Motorräder, rechnete Firmenchef Stefan Pierer am Freitag in einer Pressekonferenz mit Landeshauptmann Josef Pühringer (V) vor. Bei der Hilfe handle es sich um keine Subvention, reagierten sie auf Kritik an der Haftung. Pierer machte zudem darauf aufmerksam, dass die KTM-Kernaktionäre 44,1 Mio. Euro Eigenmittel ins Unternehmen eingebracht hätten.

Der Motorradproduzent hat wie berichtet einen Finanzbedarf in der Gesamthöhe von 90 Mio. Euro. 42 Mio. beziehen sich auf Lombarddarlehen an die Holding KTM Power Sports AG, für 80 Prozent bzw. 33,6 Mio. Euro davon übernimmt nun das Land die Haftung. Bei den restlichen 48 Mio. handelt es sich um Kredite an die Tochter KTM Sportmotorcycle AG. Die vergangene Woche beschlossene Landeshilfe mit einer Garantielaufzeit von fünfeinhalb Jahren und einem Haftungsentgelt von 4,25 Prozent sei nicht wegen Pierer oder der Unternehmensleitung erfolgt, sondern um das Headquarter und somit die Arbeitsplätze im Innviertel zu sichern, betonte Pühringer. Eine Verlegung würden den "Tod auf Raten" bedeuten.

KTM war in den vergangenen Monaten voll von der Krise erfasst worden und musste seine Produktionskapazitäten um 20 Prozent zurückschrauben. Per Ende Februar 2009 fuhr das Unternehmen 44,5 Mio. Euro Verlust ein, netto war der Motorradhersteller zu diesem Zeitpunkt bereits mit 290 Mio. verschuldet. Nach dem Abbau von 300 Beschäftigten wurden 733 Mitarbeiter bis August in Kurzarbeit geschickt. Mit einem Personalstand von 1.700 sieht Pierer das Unternehmen nun entsprechend aufgestellt. Aus aktueller Sicht werde es keinen weiteren Jobabbau geben. Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 (per 31. August) rechnet der Firmenchef mit einem Umsatzrückgang von 25 Prozent, 2007/08 hatten die Erlöse rund 600 Mio. Euro ausgemacht.

Aus Pierers Sicht habe es sich angesichts eines überproportionalen Rückgang im Offroad-Bereich bezahlt gemacht, mit den Produkten auf die Straße zu gehen. Er rechnet damit, dass die Krise etwa noch etwa eineinhalb Jahren dauern wird. "Es wird nie wieder so werden wie vorher." Geld sei ein Commodity und zu billig gewesen, heute hingegen "ein ganz rares Gut mit einem hohen Preis". (APA)

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