Michael Jacksons Tod zwingt Twitter und Co. in die Knie

27. Juni 2009, 12:33
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Wikipedia-Edit-War - Google dachte an Hacker-Angriff - "Thriller" Nummer eins bei iTunes

Der Tod des US-Popsängers Michael Jackson hat sich im Web nicht nur wie ein Lauffeuer verbreitet - er führt auch zu einer bislang ungekannten thematischen Dominanz in Online-Netzwerken. So haben die Diskussionen rund um dieses Ereignis innerhalb kürzester Zeit rund 30 Prozent aller verschickten Nachrichten auf dem Microblogging-Service Twitter ausgemacht.

Hype

Eine Dominanz, die bislang ihresgleichen sucht - und dabei wohl auch einiges über die Verfasstheit der westlichen Medien-Gesellschaften verrät: Selbst die Berichte über die Proteste im Iran oder auch der Ausbruch der Schweinegrippe haben nicht einmal annähernd ähnliche Werte erreicht.

Ansturm

Von dem Ausmaß dieses regelrechten Tweet-Sturms zeigt sich selbst Biz Stone überrascht, man habe plötzlich mit rund dem doppelten Nachrichtenaufkommen zu kämpfen gehabt, so der Twitter-Gründer gegenüber der New York Times. Daraus resultierte auch so manches Problem, so kam es immer wieder zu kurzen Ausfällen beim Microblogging-Service, die Suche, die sonst eigentlich Informationen in Echtzeit liefert, war um rund 20 Minuten verzögert. Zu guter Letzt musste man vorübergehend die "Trending Topics" deaktivieren, ein Bereich der aber ohnehin auch jetzt noch immer vollständig durch Begriffe wie "Michael Jackson", "MJ's" oder "Pop" dominiert.

Wikipedia

Für einige Aufregung sorgte das Ableben des Künstlers auch bei Wikipedia: Während bei Twitter dieser Umstand längst schon als gegeben hingenommen wurde, suchten klassische Medien wie CNN noch eifrig nach einer offiziellen Bestätigung. Eine Unsicherheit, die bei der Wissens-Enzyklopädie zu einem regelrechten Edit-War führte: Immer wieder wurde das Ableben in den zugehörigen Artikel hineingeschrieben, nur um umgehend von einer anderen Person wieder entfernt zu werden.

Ausfall

Laut CNET kam es bei Wikipedia unterdessen aufgrund der vielen Anfragen zu kurzfristigen Ausfällen, eine Situation mit der sich auch AOL konfrontiert sah: Dessen Entertainment-Seite TMZ hatte als Erstes über den Tod von Michael Jackson berichtet und sah sich in Folge ebenfalls mit der Last des öffentlichen Interesses überfordert, die Server brachen mehrmals unter dem Ansturm der Anfragen zusammen. 

Google dachte an Hacker-Angriff

Die Google-Technik betrachtete die heftige Nachfrage nach Michael Jackson zunächst als einen koordinierten Hacker-Angriff. Als Schutzmaßnahme mussten Nutzer des Dienstes Google News etwa eine halbe Stunde lang einen "Captcha"-Check absolvieren, also eine angezeigte Buchstaben-Ziffern-Folge eingeben, ehe die News-Ergebnisse der Michael-Jackson-Anfrage angezeigt wurden. Das Hauptangebot der Google-Suche sei nicht betroffen gewesen, sagte Google-Sprecher Gabriel Stricker. Das Monitoring-System von Akamai für den "Net Usage Index" stellte fest, dass der Datenverkehr von Nachrichtenseiten im Web um 50 Prozent nach oben schnellte.

Bei iTunes eroberte "Thriller" innerhalb weniger Stunden den ersten Platz der meisten Downloads bei vollständigen Alben. Auch YouTube verzeichnete eine starke Nachfrage nach Videos mit Michael Jackson, während bei Facebook Mahnwachen und Online-Gedenkaktionen organisiert wurden. (apo/red/APA)

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