Nerds und andere freundliche Kreaturen

25. Juni 2009, 21:14
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Bei "Frame Out"-Sommerkino im Wiener Museumsquartier gehört die Großleinwand Bewegtbildern aus dem Computer

Wien - US-Bestseller-Autor Stephen King war neuen Medien gegenüber schon immer aufgeschlossen. Im Vorfeld der Veröffentlichung eines Erzählbandes brachte er 2008 eine Short Story mit dem Titel N. is here im Internet heraus. Allerdings nicht in einer Textfassung, sondern in 25 Teilen in Form eines sogenannten Motion-Comic, welches man in Kooperation mit Marvel und dem Zeichner Alex Maleev realisiert hatte. Eine "gezeichnete herunterladbare Version meiner Erzählung", wie King selbst meint, ein Hybrid zwischen Comic-Heft und Kurzfilm. Das perfekte "Promotion-Tool" für das Buch, dem man schlussendlich eine DVD mit allen 25 Episoden beilegen konnte, und darüber hinaus ein Medium mit einer eigentümlich "traumartigen Qualität" und insofern passend für eine Erzählung, in der es um mysteriöse Heimsuchungen geht.

Dem sanften Grusel, den die langsame Gleitbewegungen über und durch die Bilder und das irritierte Innenleben des Helden erzeugen, kann man sich mit einem Paar Funkkopfhörern ausgestattet demnächst auch im MQ hingeben: Zum zweiten Mal macht Frame Out dort Sommerkino.

Allerdings laufen dabei statt Spielfilmen Animationen, Videoclips oder eben Motion-Comics. Beziehungsweise Dokumentarfilme über Nerdcore oder über den Graphic Novelist Alan Moore. Und Präsentationen von Plattformen wie der Asifa Austria, die unter anderem Black and White Magic herzeigt, oder Tricky Women, die eine Best of 2009-Auswahl vorstellen; wie Pictoplasma aus Berlin mit einem weiteren Characters in Motion-Programm oder dem Londoner Onedotzero Festival - neben dem leider eingestellten ResFest ein Vorreiter in Sachen Präsentation und Verbreitung digitaler Bildproduktion an der Schnittstelle zwischen Kunst und Creative Industries.

Bilder von Bewegung

Schwerpunktmäßig begeht man dieses Jahr bei Frame Out "40 Jahre Mondlandung" - mit einem restaurierten Director's Cut von Theo Kameckes Moonwalk One (1970) - und "Zehn Jahre Antiglobalisierungsbewegung". Letzteres inkludiert eine Personale für den Illustrator Haik Hoisington, den man nicht nur für sein Video zu Eminems Mosh kennt. (Isabella Reicher/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)


Frame Out. Digital Summer Screenings: 3. 7. - 29. 8., jew. Freitag, Samstag, ab 21.30; Eintritt frei

 

  • Fußfrei geht hier anders: Bei "Frame Out" kommt der Ton über Funkkopfhörer, das Publikum hat freie Platzwahl.
 
    foto: martin fuchs

    Fußfrei geht hier anders: Bei "Frame Out" kommt der Ton über Funkkopfhörer, das Publikum hat freie Platzwahl.

     

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