Krebs: Viel versprechendes neues Medikament

27. Juni 2009, 17:09
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Patienten der ersten klinischen Studie litten unter sehr geringen Nebenwirkungen

London - Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung des britischen Institute of Cancer Research hat eigenen Angaben zufolge mit einer neuen Art von Krebsmedikament sehr vielversprechende erste Ergebnisse erzielt. Das Medikament Olaparib wurde Patienten mit vererbten Formen fortgeschrittenen Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs verabreicht, verursacht durch Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2. Bei mehr als der Hälfte der Patienten verkleinerten sich die Tumore oder wurden stabil. Keiner der Patienten hatte zuvor auf andere Behandlungsansätze angesprochen. Details der klinischen Phase I-Studie wurden im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Einer der ersten Patienten, der das Medikament erhielt, befindet sich nach zwei Jahren immer noch in Remission (d.h. die Krankheitssymptome haben nachgelassen). Olaparib gehört zu den so genannten PARP-Inhibitoren, die auf Krebszellen abzielen und gesundes Gewebe vergleichsweise unbeschädigt lassen. Die mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca zusammenarbeitenden Wissenschaftler fanden heraus, dass die Patienten nur unter sehr geringen Nebenwirkungen litten. Manche empfanden die Behandlung mit diesem Medikament deutlich leichter zu ertragen als eine Chemotherapie. Laut dem Wissenschaftler Johann de Bono soll das Medikament jetzt in größerem Rahmen getestet werden.

Wirkung

Laut de Bono ermöglicht das Medikament Patienten, die bereits viele konventionelle Behandlungsansätze ausprobiert haben, lange Zeiten der Remission, frei von Krebssymptomen oder schweren Nebenwirkungen. Olaparib soll das erste erfolgreiche Beispiel für eine neue Art personalisierter Medikamente sein, die die eigene molekulare Schwäche des Körpers nutzen können. 

Frühere Experimente hatten gezeigt, dass manche Krebsarten gleichsam eine Achilles-Ferse haben: Blockieren Wirkstoffe wie Olaparib das Enzym PARP im Körper, so bricht die DNA der Tumorzellen zusammen und die Zellen sterben. Normale Zellen werden nicht beeinträchtigt, da sie noch über andere Möglichkeiten der Regeneration verfügen. Krebszellen mit Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2 sind die ersten, bei denen eine Reaktion auf PARP-Inhibitoren nachgewiesen werden konnte. Nun sollen weitere Untersuchungen folgen. (pte/red)

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