Die gedudelte Zeitge­schichte der Trude Mally

25. Juni 2009, 19:35
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Die legendäre Wienerlied-Sängerin war die große Meisterin des Dudelns - der Wiener Form des Jodelns

Am Donnerstag wurde die Anfang Juni Verstorbene auf dem Friedhof Baumgarten beigesetzt.


Wien - "Man kann der Trude Mally nicht oft genug zuhören, um herauszufinden, was sie da eigentlich macht", bekannte einmal Agnes Palmisano, eine der wenigen jungen Dudlerinnen von Wien. Dabei hatte sie der Trude Mally wahrlich oft gelauscht - als eine ihrer Schülerinnen, die die letzte Grande Dame des Wiener Koloratur-Jodelns in den vergangenen Jahren zum Glück noch unterrichtet hatte. Sängerinnen wie die Tini Kainrath, die als "Rounder Girl" oder nun auch als "Dancing Star" größere Bekanntheit erlangte - aber beim Heurigen vor allem als stimmgewaltige Dudlerin geschätzt wird.

So hatte Trude Mally diese erst im 19. Jahrhundert entstandene Wiener Tradition gerettet. Denn lange galt sie als die Allerletzte, die die Kunst des stimmüberschlagenden Dudelns beherrschte.

Gleichzeitig war sie eine Künstlerin, die mit ihren Auftritten die Zeitgeschichte Wiens begleitet hatte. Das 1928 in Schwechat geborene Arbeiterkind war schon früh auf der Bühne - mit zehn Jahren sang sie bereits mit ihrer berühmten Tante und Dudlerin Ady Rothmayer und wurde bald zum Kinderstar. Als 15-Jährige unterhielt sie im Zweiten Weltkrieg die Wehrmachtssoldaten in Norwegen und Russland. Sie sei damals noch zu jung gewesen, um die politischen Zusammenhänge zu begreifen, bekannte sie einmal in einem Standard-Gespräch mit Andreas Felber.

Auftritt vor Körner und Clark

Im selben Interview nahm Mally auch erstmals öffentlich zur Fama Stellung, man habe sie bei den Staatsvertragsverhandlungen vor den Alliierten singen lassen, um diese "weichzukriegen": Ihr sei dergleichen nicht bewusst - sie habe aber vor US-General Mark Wayne Clark und Bundespräsident Theodor Körner in der Hofburg gesungen. "Ich war so stolz, dass ich für diese Herren als junges Mädel meine Jodler singen durfte."

Danach legte sie als Sängerin eine Pause ein und wurde Wirtin. Doch die Musik ließ sie nicht los. Denn in ihrem Lokal trat regelmäßig ihr damaliger Schwiegervater auf, von dem sie sich ihr enormes Repertoire an Wienerliedern und Dudlern aneignete. Immer öfter trat sie wieder gemeinsam mit ihm auf - große Bekanntheit erlangte sie aber Mitte der 60er-Jahre als Partnerin des Komponisten und Wienerliedsängers Karl Nagl, mit dem sie gemeinsam als "Alt-Wiener-Duo" sang und das "Nagl Stüberl" einrichtete.

Die Matauschek-Dynastie

Legendär auch noch in den 80er-Jahren ihre Auftritte mit ihrem ehemaligen Schwager Pepi Matauschek - dessen Onkel Hans Matauschek war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der berühmtesten singenden Heurigenwirte der Stadt gewesen.

Doch dann wurde es still um die Trude Mally - in einer Zeit, als das Wienerlied bei vielen nur noch als vorgestrig galt und mit Dudeln höchstens noch der Almdudler assoziiert wurde. Doch es wäre nicht Trude Mally gewesen, wäre sie nicht bei der unvermuteten Renaissance des Wienerliedes in den vergangenen Jahren wieder dabei gewesen, als sich das Genre durch die Aufnahme neuer Stilrichtungen erneuerte. Tini Kainrath etwa belebt das Wienerlied mit einem Quäntchen Jazz und Soul - Agnes Palmisano lässt immer wieder ihre Ausbildung zur klassische Sängerin einfließen.

"Weil i so fesch bin"

Trude Mally trat wieder als Klassiker für sich auf und erfrischte mit ihrem unvergleichlichen Schmäh. Mit "mir zwa singan auf Duett", teilte die kleine, große Dame etwa an solchen Abenden ihre Partnerinnen ein. Oder sie weigerte sich, zum Singen aufs Podest zu steigen: "I bleib da unten, weil i so fesch bin" - um dann mit schon zarterer Stimme "'s Grüaberl im Kinn" zu singen.

Im Winter 2008 hatte sich der Gesundheitszustand der legendären Sängerin rapide verschlechtert; sie zog sich endgültig von der Bühne zurück. Im April wurde sie schließlich ins Sophienspital gebracht, wo sie am 4. Juni verstarb. Am Donnerstag, 25.6., wurde die Doyenne der Wiener Dudlerinnen auf dem Friedhof Baumgarten beigesetzt. (Roman David-Freihsl/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)

 

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    Lange war Trude Mally die letzte Dudlerin von Wien. In ihren letzten Lebensjahren bildete sie aber noch Nachfolgerinnen aus.

     

     

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