Beamtentransplantation

25. Juni 2009, 19:45
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Das Problem des aktuellen Plans ist, dass er so viele Unbekannte hat - Von Michael Möseneder

Der Briefträger als Bankräuberfänger? Die Schalterbeamtin als Undercover-Ermittlerin? Nein, so weit kommt es vorerst nicht - selbst, wenn sich die Vision der Beamtenministerin konkretisieren sollte, ausgemusterte Beamte aus ehemaligen Staatsbetrieben wie der Post oder der Telekom in die Polizeiverwaltung zu transferieren. Da wird es mehr darum gehen, Akten zu sortieren, Niederschriften abzutippen oder Auskünfte zu geben. Vielleicht. Denn Genaues weiß offenbar auch die Erfinderin nicht.

Die Idee, von Steuergeldern bezahlten Spaziergängern wieder einen produktiven Job zu geben, ist nicht a priori ein Blödsinn. Beamtentransplantationen wurden auch schon erfolgreich durchgeführt. Denn dass das Bundesheer unter der schwarz-blau-orangen Regierung 300 Posten und Personen an das Justizressort abgab, damit dort die überfüllten Gefängnisse besser bewacht werden konnten, fällt heute niemandem mehr auf.

Das Problem des aktuellen Plans ist, dass er so viele Unbekannte hat. Welche Jobs werden benötigt? Wie lange dauert eine Ausbildung oder Einschulung? Wie viele Freiwillige gibt es überhaupt? Und wie wird die Sache finanztechnisch geregelt?

Bis das alles geklärt ist, kann leicht ein Jahr vergehen. Damit stellt sich aber die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, jetzt gleich einige 100 reguläre Vertragsbedienstete in die Polizei zu holen. Das würde der Sicherheit aktuell wohl mehr nutzen als durchaus sinnvolle Visionen. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Juni 2009)

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