Matura-Reform

SPÖ und ÖVP einig: Standardisierte Matura ab 2013/14

26. Juni 2009, 12:15
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    foto: apa/jaeger

    Schmied und Amon präsentierten die "neue Matura"

Schriftliche österreichweit vor­ge­geben - Vorwissenschaftliche Ar­beit verpflichtend für alle SchülerInnen - Umfrage: Knapp 70 Prozent dafür

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon haben sich auf eine Reform der Reifeprüfung geeinigt. Die Matura wird wie geplant ab dem Schuljahr 2013/2014 aus standardisierten schriftlichen Klausuren, verpflichtenden vorwissenschaftlichen Arbeiten und mündlichen Prüfungen bestehen.

In den Verhandlungen habe man sich stark auf die Erhaltung schulautonomer Schwerpunkte konzentriert, sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Diese sollen erhalten bleiben, indem die Schüler verpflichtend zumindest eine Prüfung bzw. die vorwissenschaftliche Arbeit zum Schulschwerpunkt (etwa Musik an einem Musikgymnasium) wählen müssen. Somit sei "gesichert", dass dieser in der Matura abgebildet werde, sagte Bildungssprecher Werner Amon (ÖVP). Dies sei gerade für die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) von großer Bedeutung.

Ein zweites "entscheidendes Element" ist für Amon, dass bei der Mathematik "der entsprechende Lehrplan in der Aufgabestellung" berücksichtigt werde. In der Praxis werde es bei der Mathematik-Klausur "einen Kernblock und je nach Schwerpunkt spezifische Ausdifferenzierung geben", so Schmied. Bei Deutsch (bzw. der Muttersprache bei gesetzlichen Minderheitensprachen) und der ersten Fremdsprache (in der Regel Englisch) wird es keine Unterschiede nach Schultyp geben, betonte sie. Hier "erwarten wir von allen ein gewisses Level".

Die Ergebnisse im Detail:

  • Standardisierte Klausuren:

Zu einem bundesweit einheitlichen Termin treten alle Schüler zu österreichweit standardisierten, schriftlichen Klausuren an: Die Klausuren in Deutsch, Mathematik, Englisch und den wesentlichen Fremdsprachen werden zentral vorgegeben. Jeder Schüler muss entweder 3 oder 4 schriftliche Prüfungen ablegen, je nachdem ob er 2 oder 3 mündliche Prüfungen absolvieren möchte. Die Arbeiten werden am Schulstandort vom Lehrer nach einem einheitlichen Korrekturschlüssel benotet. Die Ergebnisse sind somit österreichweit vergleichbar.

Eine negative Note bei einer standardisierten Klausur kann entweder durch ein erneutes Antreten oder durch eine mündliche Prüfung kompensiert werden. Bei einer mündlichen Kompensations-Prüfung werden die Fragen allerdings zentral vorgegeben.

  • Vorwissenschaftliche Arbeit:

Jeder Schüler muss in Zukunft bereits am Ende der siebten Klasse in Absprache mit seinem Lehrer das Thema einer vorwissenschaftlichen Arbeit für seine Reifeprüfung wählen. In einem Fach seiner Wahl muss der Schüler diese Arbeit während der achten Klasse vor dem Reifeprüfungstermin erarbeiten und somit seine Fähigkeit zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten und seine Studierfähigkeit unter Beweis stellen. Die fertige Arbeit wird dann im Rahmen der Reifeprüfung - ähnlich wie bei Prüfungen auf der Universität - vom Schüler mündlich präsentiert. Vom Umfang her wird die vorwissenschaftliche Arbeit zwischen 4500 und 6000 Worte umfassen.

  • Mündliche Prüfungen

Jeder Schüler tritt zusätzlich zu den schriftlichen Klausuren in 2 oder 3 mündlichen Prüfungen an. Die Aufgabenstellungen und die Beurteilungen der mündlichen Prüfungen werden nicht zentral vorgegeben, sondern bleiben in der Kompetenz des prüfenden Lehrers. Die Lehrer sind verpflichtet, am jeweiligen Standort bis zu maximal 24 Themenbereiche pro Fach kompetenzorientiert auszuarbeiten und den Schülern vorzulegen.

Auf die Frage, ob eine standardisierte Matura wünschenswert für Österreich sei, äußerten sich bei einer IFES-Umfrage (Stichprobe: 500) 69 Prozent dafür und rund 31 Prozent dagegen. Umgesetzt werden soll die neue Reifeprüfung ab dem Schuljahr 2013/14, allerdings nur an den AHS. Die Berufsschulen sollen im darauffolgendenen Schuljahr starten.

Zur begleitenden Evaluation der neuen Reifeprüfung wird eine Bundesreifeprüfungs-Kommission mit beratender Funktion eingerichtet. Sie setzt sich aus Schulpartnern, aus Vertretern der Landesschulräte, der Universitätskonferenz, des Wissenschaftsministeriums und Experten zusammen. Den Vorsitz führt die Bundesministerin. (APA/red)

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Penelope Ody
00
21.10.2009, 17:42
Zentralmatura in Deutsch?

Und wie bitte muss man sich das vorstellen (es sind ja noch keinerlei Vorgaben zur genauen Gestaltung bekannt): kommt ein Literatur-Zwangskanon, der alle dazu verdonnert, das Gleiche zu lesen (Individualität und verschiedene Interessen und Fähigkeiten - ade!) oder gibt es einfach kein literarisches Thema mehr, sondern bloß noch Wald- und WIesen Erörterungen??? Es war ja auch, wie in Englisch - ein HÖRVERSTEHENSTEIL angedacht! Ich bin sicher, da kommt nix Gutes heraus, vor allem nicht für Schüler, die nicht Deutsch als Muttersprache haben!

spoiled ballot
00
30.6.2009, 15:01
die matura von heute ist ein witz

die anforderungen weichen stark voneinander ab,
und es wird geschwindelt und geschoben,
die noten sagen gar nichts aus, trotzdem hat die matura bei der berufssuche große bedeutung.

die gründe, warum dieser ungerechten zustand verteidigen wird, sind mir unklar.

ein ausweg wäre eine zm, aber der jetzige entwurf geht nicht weit genug, ist mit der övp vermutlich auch nicht möglich, aber es ist immerhin ein schritt in die richtige richtung.

Doper
02
30.6.2009, 09:52
Bildungsexperten diskutieren zur Zeit über Möglichkeiten,

die österreichischen Maturantenquoten auf OECD-Schnitt zu heben.
Favorisiert wird zur Zeit eine Art Kopfgeld pro erfolgreichem Kandidaten, das an die Schulen ausgezahlt werden könnte.
Die Direktoren wären hoch erfreut, sie könnten damit die Toilettpapierkosten leichter bezahlen.

Diagnostiker1
02
29.6.2009, 22:25
Schmied ist vorbei, da kommt nichts mehr raus, am besten schnell abtreten!

ride my pimp
00
29.6.2009, 18:13
Mich wundert, dass Politik und Wirtschaft noch nicht die

Einführung eines Faches "Neurolinguistische Programmierung" anstelle von Deutsch gefordert haben!

ride my pimp
01
29.6.2009, 18:08

Wenn sich die beiden Parteien so einig sind, muss man sich fragen, ob man es wieder einmal geschafft hat, im Bereich Bildung & Soziales Geld einzusparen. Ansonsten ist das kaum vorstellbar.

dieFrauHolle
11
29.6.2009, 11:10
ich bin wirklich froh,

dass ich die matura gemacht hab, als die zeiten noch andere waren... heutzutage würds ichs wohl nimmer schaffen ;-)

Quasslmodo
02
29.6.2009, 10:19
Populistischer Sauertopf,

unausgegoren und daher ungeniessbar. Anders kann ich die ganze Aktion nicht sehen.
Wenn ich mit den Prüfern nicht zufrieden bin, hilft es gar nichts, die Prüfvorschrift zu ändern. Im technischen Bereich gibt es eine wirksame Massnahme, wenn man mit der Qualität eines Produzenten nicht einverstanden ist, nämlich die Eingangsprüfung im Haus statt (oder zusätzlich zu) der Ausgangsprüfung beim Produzenten.

Doper
01
29.6.2009, 09:37
Wie schaut ein Korrekturschlüssel für eine zentrale Mathematikmatura aus?

Werden viele kurze Beispiele gestellt, die man nur nach richtig/falsch beurteilt?
Wird bei komplexeren Beispielen bedacht, dass der Prüfling vielleicht einen Lösungsweg wählt, den die Korrekturschlüsselersteller gar nicht eingeplant haben?
Wie kann man eine für alle Korrektoren unmissverständliche Einteilung in Rechen- bzw. leichten oder schweren Denkfehler vorgeben?

ride my pimp
01
29.6.2009, 18:09

Das sind Fragen, die über die Vorstellungskraft einer Frau Schmied weit hinausgehen.

thepike
 
20
29.6.2009, 11:44
Gegenfrage: wie schaut's jetzt aus?

Jeder Lehrer stellt die Fragen, die er für angemessen hält. Ein nicht zu vernachlässigender Prozentsatz sagt den Schülern außerdem mehr oder weniger genau, welche Fragen kommen werden, um zu vermeiden, dass zu viele durchfallen und er schlecht dasteht.

Natürlich muss man sich Fragen und Korrekturschlüssel für eine Zentralmatura genau überlegen, aber wie man's auch immer anstellt, es wird aussagekräftiger sein, als das, was wir jetzt haben!

Doper
13
29.6.2009, 13:48
Nach den "Reformen" des Schulwesens der letzten Jahre

habe ich die Hoffnung, dass sich etwas verbessern könnte längst verloren.
Das Ergebnis dieser Aktionen war stets mehr Bürokratie, weniger Qualität und vor allem Einsparung bei allen möglichen Ressourcen.

ich anonym
10
29.6.2009, 16:47
aha sie gehen nach dem motto vor:

lieber nix ändern weil es passiert eh nix!
nach ihnen wärn wir noch in der steinzeit und hätten die erfindung des runden dings (rad) wieder mal verschoben... ;-)

ride my pimp
00
30.6.2009, 14:44

Ein toller Vergleich. Ich greife ihn auf und sage:
die bildungslandschaftliche Vielfalt wird auf Schiene gebracht. Leider bieten Gleise nur die Möglichkeit, sich neu zu orientieren, wenn Weichen gestellt werden. Das macht aber auch der Bahnbetreiber und nicht die maturanten Individuen und deren Coaches auf dem Weg zu mündigen Bürgern, also die Lehrerinnen und Lehrer. Ansonsten beschreitet man zentral vorgegebene Pfade, wo doch noch vor wenigen Jahren demokratischen Prinzipien entsprechende Rahmenlehrpläne erarbeitet wurden. Diese sind jetzt obsolet.

Doper
00
29.6.2009, 17:39
Danke,

Ihre Antwort hat mich von all meinen Zweifeln geheilt.

ich anonym
00
29.6.2009, 17:50
skepsis und kritisches denken

sind sehr positive eigenschaften. die hoffnung sollte man aber tunlichst nie verlieren... :-)

Doper
00
29.6.2009, 18:01
Die oben angesprochene Hoffnung ist unweigerlich verloren.

Die Hoffnung auf vieles andere besteht aber weiter.

Doper
01
29.6.2009, 09:25
Wie schaut ein Korrekturschlüssel für eine zentrale Deutschmatura aus?

Wird ein Text vorgelesen, dessen Verstehen man mit Hilfe eines multiple choice Testes beweisen muss?
Wie kann man die Qualität einer literarischen Arbeit mit einem Korrekturschlüssel bewerten?
Ich kann mir hier wirklich kein sinnvolles System vorstellen.
Kann mir ein Germanist erklären, ob es hier bereits evaluierte Methoden gibt?

ride my pimp
01
29.6.2009, 18:10

Ich bin ein Germanist und melde massive Zweifel an.

Michael K77
01
29.6.2009, 15:54
Zum Letzteren:

Gerne: Nö.

Aber das Bifie wird's schon richten.

Doper
00
29.6.2009, 09:39
Analoge Fragen natürlich auch für die zentrale Englischmatura.

ValieImport
00
30.6.2009, 06:36
Englisch lässt sich mit Wortschtzzahl und Grammatikkenntnissen überprüfen -Stil zu prüfen wäre ja unsozial;-)

AttenTexter
 
00
29.6.2009, 09:03
"SPÖ und ÖVP einig: Standardisierte Matura ab 2013/14"

Bin gespannt, ob sie sie auch bestehen.

lessismore
01
29.6.2009, 07:04

Ich schlage vor, Lehrer, die den Plan übererfüllen, öffentlich zu ehren. "Held des Unterrichts"!

Michael K77
00
29.6.2009, 16:09
Für die Schüler ist eine ORF-Show "Staglmania"

oder "Schwänzing Stars" in Planung.

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