Kommunikation in Fußballteam große Herausforderung

25. Juni 2009, 18:51
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Ratgeber für mehrsprachige Teams wird in Innsbruck entwickelt

Innsbruck - An der Universität Innsbruck wird zur Zeit an einem Ratgeber für mehrsprachige Fußballteams gearbeitet. Besonders Trainer und Legionäre sollen damit die Barrieren in internationalen Vereinen überwinden können. "Bis in einem Jahr soll der Ratgeber oder eine wissenschaftliche Studie herausgegeben werden", teilte die Projektleiterin Eva Lavric vom Institut für Romanistik am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit.

Ein Jahr lang waren 20 Studenten der Mehrsprachigkeit in Fußball-Clubs wissenschaftlich nachgegangen. An dem Projekt waren Studierende aus Österreich, England, Frankreich und Italien beteiligt. Rund 40 Interviews in zehn Teams, darunter der AC Milan, wurden geführt und Legionäre, Manager, Spieler, Schiedsrichter sowie Betreuer befragt.

Herausforderung

Für den Trainer ist die Kommunikation innerhalb eines mehrsprachigen Teams die größte Herausforderung. "Die Trainer entwickeln pädagogische Methoden wie bei Kleinkindern, um mittels Bildern, Videos oder Zeichnungen die Anweisungen an den Mann zu bringen", erklärte eine französische Studentin der Projektgruppe. Österreichs Fußball-Teamchef Didi Constantini beherrsche bis zu fünf Sprachen. "Er lernt jene Sprache, von der am meisten Spieler im Verein sind", erläuterte sie.

Für Schiedsrichter sei neben der englischen Sprache Spanisch sehr wichtig. "Denn die Zeichensprache ist nicht so universell wie angenommen", schilderte Lavric. Beispielsweise habe eine Gestik des Nicht-Verstanden-Werdens einem lateinamerikanischen Spieler unverständlicherweise immer Gelbe Karten beschert. "Der Schiedsrichter meinte, der Legionär zeige ihm jedes Mal den Vogel", erzählte die Projektleiterin das Missverständnis.

Der Alltag

Ob Gesten, Codes oder das Sprechen mit Händen und Füßen - für ein internationales Fußballteam ist dies Alltag. "Ein paar Brocken der neuen Sprache genügen, um sich die wichtigsten Ausdrücke schnell anzueignen. Alles andere kann warten", lautet ein weiteres Ergebnis der Forschertätigkeit des 20-köpfigen Teams. Oftmals würden auch gleichsprachige Vereinskollegen mit besseren Kenntnissen der neuen Sprache als Dolmetscher fungieren.

Kurios erscheint auch der Mix aus vielen Sprachen: Für die Verständigung würden Fußballspieler ihre Muttersprache mit der Landessprache vermischen und Füllwörter einer allgemeinverständlichen Sprache verwenden.  (APA)

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