Mittler an einem Wendepunkt

25. Juni 2009, 18:48
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Iranische Filmemacher rufen zur Unterstützung der Demonstrationen auf

Wien/Rom - Der dramatische Ausnahmezustand auf den Straßen des Iran lässt auch die Filmemacher des Landes nicht unbeeindruckt. Zu einem der vehementesten Fürsprecher der Opposition wurde der einflussreiche Regisseur Mohsen Makhmalbaf (Reise nach Kandahar): "Was hier passiert, ist kein Wahlbetrug, sondern ein Staatsstreich", verkündete der 52-Jährige am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Rom und appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, deutlicher Position zu beziehen und Neuwahlen unter UN-Aufsicht zu fordern.

In einem Interview mit der deutschen taz vor zwei Tagen wurde Makhmalbaf, der sich schon im Vorfeld der Wahl für den Oppositionspolitiker Mussavi starkmachte, noch deutlicher. Khamenei habe in seiner letzten Freitagspredigt sein wahres Gesicht gezeigt: "Er hat kein religiöses Prestige mehr. In den Augen der Leute ist er ein Diktator. Das ist der historische Punkt, an dem wir die Gelegenheit haben, zu bekommen, was wir wollen." Die Welt dürfe Ahmadi-Nejad nicht mehr als Präsident anerkennen, so der Regisseur: Dieser und Khamenei würden sich ansonsten immer weiter in Richtung "Hitler des Nahen Ostens" entwickeln.

Gemeinsam mit der Comiczeichnerin Marjane Satrapi (Persepolis) hatte Makhmalbaf bereits am 16. Juni den EU-Abgeordneten der Grünen eine Petition übergeben, in der ein alternatives Wahlergebnis präsentiert wurde: Es sieht Mussavi mit 19 Mio. Stimmen als rechtmäßigen Gewinner.

Makhmalbafs Engagement ist vor allem deshalb signifikant, da seine Biografie den Entwicklungsprozess einer ganzen Generation veranschaulicht. Als jugendlicher Attentäter unter dem Schah-Regime noch verhaftet, fertigte er später revolutionäre Propagandafilme, um sich nach und nach zum sozialkritischen Filmemacher mit reformistischen Tendenzen zu wandeln. Seit 2004 lebt er aus Protest gegen die Zensur im Iran im Ausland.

Makhmalbafs Appelle sind kein Einzelfall. Die Filmemacherin Rakhshan Bani-Etemad wendet sich in einer Deklaration, die auf Youtube zu sehen ist, gegen die einseitigen Medienberichte in ihrem Land. Unterstützung kommt auch von deutschen Filmemachern (mit iranischen Wurzeln) wie Romuald Karmakar: "Vergegenwärtigt euch, welchen Mut diese Menschen aufbringen, um gegen diese staatlich legitimierte Gewalt auf die Straße zu gehen, für das, was uns allen so wertvoll ist." (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Pro Opposition: Mohsen Makhmalbaf, hier bei einer Demonstration am 23. Juni in Rom

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