Plattform gegen Fehlverhalten in der Forschung

25. Juni 2009, 18:27
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Agentur für wissenschaftliche Integrität nimmt Arbeit auf

Wien - Dass die österreichische Wissenschaft in Sachen wissenschaftliches Fehlverhalten ganz gewiss keine Insel der Seligen und Guten ist, zeigte sich erst im Vorjahr: Gleich mehrere wissenschaftlich bzw. ethisch fragwürdige Studien über Inkontinenzbehandlung (Med-Uni Innsbruck) und die Auswirkungen von Handystrahlung (Med Uni Wien), die letztlich zurückgezogen werden mussten, erregten auch internationale Aufmerksamkeit.

Kritisiert wurde damals - nicht zuletzt von der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature -, dass es in Österreich noch keine Stelle gäbe, die wissenschaftliches Fehlverhalten untersuche. Diesem Missstand wurde nun mit einiger Verspätung endlich Abhilfe geschaffen: Gestern hat die von österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen gegründete Agentur für wissenschaftliche Integrität (AWI) ihre Arbeit aufgenommen.

Aufgabe des Gremiums ist es, Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich nachzugehen und diese zu bewerten. Zur Vorsitzenden der Kommission wurde die deutsche Biowissenschafterin Ulrike Beisiegel bestellt, eine der führenden europäischen Expertinnen in dieser sensiblen Materie. Weiters gehören der Agentur vier angesehene Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz an, sowie der Wiener Arbeits- und Sozialrechtsprofessor Robert Rebhahn als nicht stimmberechtigtes Mitglied.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn bezeichnete die Agentur als "wichtigen Schritt zur Qualitätssicherung des Forschungsstandorts Österreich". Dass ausschließlich ausländische Experten der Kommission angehören, räume alle Verdachtsmomente im Hinblick auf verschleiernde Netzwerke aus (was im Vorjahr von Nature angeprangert worden war).

Bereits bei ihrer Konstituierung sind 15 Universitäten, die ÖAW, das IST Austria, der Wissenschaftsfonds FWF und der Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) Mitglied der Agentur. Von den Universitäten fehlen unter anderem (noch) die Technische Universität Wien sowie die Universitäten Innsbruck, Linz und Klagenfurt.

Beisiegel rechnet ausgehend von ihren Erfahrungen in Deutschland mit bloß rund zehn bis 15 Fällen in Österreich pro Jahr. Viele Anfragen an die AWI seien aber kein schlechtes, sondern im Gegenteil ein gutes Zeichen, "weil die Wissenschafter die Selbstkontrolle ernst nehmen". (APA, tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. Juni 2009)

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