Österreich mit mickrigem Konjunkturpaket

25. Juni 2009, 18:12
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Österreich setzt zur Wirtschaftsbelebung auf Steuerentlastung. Direkte Konjunkturspritzen fallen im internationalen Vergleich ziemlichdürftig aus

So groß das Bankenpaket mit knapp einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angelegt ist, so mickrig fallen die Konjunkturprogramme des Landes aus. Laut einer Bewertung der international gesetzten Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft, die von der OECD durchgeführt wurde, haben nur fünf Industriestaaten weniger in Ausgabenpakete gesteckt als Österreich.

Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung machen diese Aufwendungen nur 0,3 Prozent des BIPs aus, während der gewichtete Durchschnitt der Industriestaaten bei 1,5 Prozent liegt. Ungewichtet - also ohne Berücksichtigung der Größe der Staaten - belaufen sich die Ausgaben zur Krisenbekämpfung auf 0,7 Prozent. Der Unterschied ergibt sich vor allem aus den massiven Stützungsmaßnahmen des Schwergewichts USA.

Hälfte des Industrie-Staaten-Durchschnitts

Doch auch wenn man die 2,7 Milliarden Euro schwere Steuerentlastung in Österreich berücksichtigt, erhöht sich das Gesamtvolumen zur Wirtschaftsankurbelung lediglich auf 1,1 Prozent, schreibt die OECD in einem Bericht. Das ist lediglich die Hälfte des Industriestaaten-Durchschnitts und ein Drittel des gewichteten Mittels. Selbst das in puncto Konjunkturmaßnahmen als zurückhaltend geltende Deutschland schafft mit drei Prozent fast den dreifachen Wert Österreichs. Auffallend ist zudem, dass sich Österreich auf das Jahr 2009 konzentriert, während international auch 2010 noch stark angekurbelt wird.

Auch die von der Regierung gerne verbreitete These, dass durch automatische Stabilisatoren wie Arbeitslosengeld, Pensionen und andere Maßnahmen mehr Geld in der Krise zur Verfügung stehe, wird von der OECD relativiert. Zwar machen diese Ausgaben knapp fünf Prozent des BIPs aus, doch liegt Österreich damit hinter den nordischen Ländern Europas oder Deutschland, Frankreich, Belgien und der Niederlande. (as, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.6.2009)

 

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