Eine Wurst für den Zaren

25. Juni 2009, 17:59
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Putin geht einkaufen, überprüft die Preise und sorgt für Verbilligungen

Der Zar geht in den Supermarkt, Preise überprüfen. Was, wieso kostet die Wurst 240 Rubel (rund sechs Euro)? Ein Spezialprodukt, wendet der Manager ängstlich ein. Der Zar gibt sich nicht zufrieden: „Wieso sind die Ladenpreise um 52 Prozent höher als die Herstellerpreise? Ist das normal?" Der Geschäftsführer der „Perekrjostok"-Kette (nicht zu verwechseln mit „Perestroika") verspricht Preissenkungen.

Der Zar, in Gestalt des russischen Ministerpräsidenten (vormals Präsidenten) Wladimir Putin, zieht ab. Dem russischen Volk wurde bewiesen, dass der oberste Natschalnik für einen gerechten Preis der Wurst sorgt. Gut, unter Stalin wäre der Chef des Supermarkts erschossen worden, ganz abgesehen davon, dass es nur eine Sorte Wurst bzw. gar keine Wurst gegeben hätte. Also ein Fortschritt. Aber natürlich ist das Ganze ein fixes  Versatzstück aus dem (nicht nur russischen) Arsenal des autoritären Populismus.

Der gütige und gerechte Herrscher zerstört die Machenschaften verantwortungsloser Profiteure. Im Russland des 19. Jahrhunderts machte man aus derlei eine patriotische Oper („Ein Leben für den Zaren"). Heute: „Eine Wurst für den Zaren." (DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)

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