Hanne Hiob 1923–2009

25. Juni 2009, 18:16
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Die Brecht-Tochter starb 86-jährig in München

München – Als ältere der beiden Bertolt-Brecht-Töchter – Halbschwester Barbara verwaltet noch heute autokratisch die Werkrechte des großen BB – wuchs Hanne Hiob ab dem zweiten Lebensjahr getrennt von ihrem Vater auf. Die Tochter der Opernsängerin Marianne Zoff bekam indes einen begnadeten Schauspieler zum Stiefvater: Theo Lingen (1903–1978). Und Hanne, deren Nachname aus der Ehe mit einem Berliner Arzt herrührt, erwies sich des Erbes ihrer "beiden" Väter in jeder Hinsicht als würdig.

Als ausgebildete Tänzerin und Ufa-Schauspielerin leistete die Hiob bereitwillig Musendienste am Werk ihres Vaters. Unter anderem übernahm sie 1959 die Titelrolle der Gustaf-Gründgens-Uraufführungsinszenierung von Die heilige Johanna der Schlachthöfe in Hamburg.

Hiob "übertraf" ihren Vater Brecht auch in gewisser Hinsicht: Die große Vortragskünstlerin blieb eine bedingungslose Anhängerin der DDR. Sie verschmolz in ihren Darbietungen die Messerschärfe der bedingungslosen Agitation mit der Gefühligkeit wahrer, keiner Verstellung fähiger Volkskunst.

Es gehört zu den Pointen dieses erfüllten Lebens, dass Hiob mit Helene Weigel verbunden blieb – der großen Theaterprinzipalin am Berliner Ensemble und zweiten Brecht-Frau.

Als sich Hiob 1976 vom Theater weitgehend zurückzog, blieb für sie genügend zu tun: Sie geißelte die "Rechte", legte sich mit Franz Josef Strauß auch vor Gericht an und warnte unermüdlich vor dem Wiedererstarken des Faschismus. Die Aachener Friedenspreisträgerin von 2005 ist am Dienstag 86-jährig in München gestorben. (Ronald Pohl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.6.2009)

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    Leben für den Vater: Hanne Hiob 1998.

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