Gemeinnützige wehren sich

25. Juni 2009, 17:45
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gbv-Obmann Wurm: "Wirtschaften mit Langfrist-Perspektive"

Wien - Die gemeinnützigen Bauvereinigungen wehren sich gegen die Kritik des Rechnungshofes (RH), der ihnen - wie berichtet - unter anderem zu hohe Gewinne vorgeworfen hat, die der Gemeinnützigkeit widersprechen würden. "Gerade die jüngste wirtschaftliche Entwicklung führt uns drastisch vor Augen, dass eigenkapitalstarke Unternehmen krisenresistenter sind als Unternehmen mit geringem Eigenkapital und dementsprechend hohem Bedarf an einer Fremdfinanzierung", betont dazu der Obmann des Dachverbandes der gemeinnützigen Bauvereinigungen (gbv), Karl Wurm.

Die starke Position der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft erweise sich als ein wesentlicher Faktor dafür, dass der österreichische Wohnungsmarkt von einer Immobilienkrise verschont geblieben wäre, so Wurm in einer Presseaussendung. Resultat der Vorgangsweise der gbv seien Mieten, die deutlich unter dem Marktniveau liegen sowie ein Bauzustand der Häuser, der weitaus besser sei als der bei privaten und gewerblichen Wohnbauträgern sowie bei Eigenheimen.

Der vom Rechnungshof für die rund 180 gemeinnützigen Bauvereinigungen mit 410 Mio. Euro bezifferte Jahresüberschuss für 2005 sei überdies nicht als bar zur Verfügung stehendes Kapital zu sehen, da ein beachtlicher Teil davon für die Darlehensrückzahlungen aufzuwenden sei, so Wurm. Tatsächlich seien es 200 Mio. Euro.

"Eigenfinanzierungskraft immer wichtiger"

Die gbv hätten bisher ein Eigenkapital von 3,8 Mrd. Euro erwirtschaftet, davon seien rund 3,2 Mrd. langfristig in Wohngebäuden, Grundstücken und Instandhaltungsmaßnahmen eingesetzt, der Rest stehe für Zwischenfinanzierungen zur Verfügung. Diese Eigenfinanzierungskraft käme den Mietern zugute, da aus einem gbv-Eigenmittel-Anteil - wie derzeit üblich - von 10 bis 15 Prozent an den Gesamtkosten einer Neubauwohnung eine Dämpfung der Miete zwischen 270 und 360 Euro pro Jahr resultiere.

Dieser Eigenmitteleinsatz werde laufend wichtiger, da sich der Anteil der Wohnbauförderungsdarlehen an der Finanzierung von Wohnungen sukzessive von zwei Drittel der Baukosten auf ein Drittel verringert habe.

"Die Gemeinnützigen konnten durch ihr Kapital, das dem Gesetz entsprechend mit einem langfristig weit unter dem Marktniveau liegenden Zinssatz eingesetzt wird, zumindest teilweise diese Ausdünnung der öffentlichen Mittel kompensieren", betont Wurm. Der RH hielt dagegen in seinem Bericht fest, dass die gesetzlichen Regelungen einen großen Spielraum für die Zinsvereinbarungen ermöglichen, was zu finanziellen Nachteilen der Mieter führen könnte. Bei einer der geprüften Bauvereinigungen lag demnach die Eigenmittelverzinsung sogar über jener des aufgenommenen Fremdkapitals. (APA)

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