Robin Hood kämpft gegen Übermacht AUA

25. Juni 2009, 17:28
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Steirische Fluglinie wirft AUA vor, mit Staatshilfen Preise zu dumpen und damit Regionalflugverkehr zu gefährden

Graz/Wien - Er sei zwar nur ein David, aber stark genug, um gegen den Goliath AUA anzutreten. Mit Hilfe der EU-Kommission will der Chef der kleinen steirischen Fluglinie "Robin Hood" , Jörg Pommer, die Flotte der österreichischen Airline von regionalen Linien vertreiben. Zumindest in der Steiermark, wo Pommer die Business-Destinationen nach Zürich und Stuttgart im Auftrag einer steirischen Industriellengruppe seit zwei Jahren mit drei Saab 340 bedient.

Aus der Bahn

Der Vorwurf Pommers: Die AUA unterbiete - mit ihrem 200-Millionen-Überbrückungskredit in der Kassa - jegliche marktgerechten Preise und versuche damit, "Robin Hood" aus der Bahn zu werfen. Speziell die Destination Graz-Stuttgart werde von der AUA "dramatisch gedumpt" . Pommer im Gespräch mit dem Standard: "Ganz offensichtlich sollen wir nicht hochkommen. Unser Schaden beläuft sich sicherlich schon auf eine bis zwei Millionen Euro. Wir haben ja nichts gegen Staatshilfe, aber die kann doch bitte nicht für eine Verzerrung des Wettbewerbes eingesetzt werden. Eine grenzenlose Sauerei." Durch die Dumpingpolitik seien immerhin auch 35 Arbeitsplätze in Gefahr. Sein Unternehmen habe sich jetzt jedenfalls an die EU-Wettbewerbskommission gewandt, die "unerlaubte Staatsbeihilfe" sei zu verbieten, sagt Pommer. Auch ein Gang an den OGH sei in Vorbereitung. Pommer: "Es kann ja nicht sein, dass Steuergelder dazu benutzt werden, um Konkurrenzunternehmen aus dem Markt zu drängen." Pommers Forderungen: Robin Hood müsse mehr Flüge nach Deutschland bekommen.

"So ist Wettbewerb"

Bei den Austrian Airlines hält man die Vorwürfe Pommers für "blanken Humbug" . Einerseits müsse festgehalten werden: "So ist eben der Wettbewerb" , sagt AUA-Sprecher Michael Braun. Zum anderen weise die AUA strikt zurück, dass es sich um eine Wettbewerbsverzerrung handle. Der Überbrückungskredit, auf den sich Pommer beziehe, sei noch gar nicht zur Gänze abgerufen und müsse zudem zurückgezahlt werden. Und die 500 Millionen, die die Lufthansa bekomme, seien nicht verfügbar.

Also gehe die Anschuldigung, die AUA verwende Staatsgelder für Dumpingpreise, an der Realität vorbei, sagt Braun. Die auch auf der Linie Graz-Stuttgart eingesetzten "Red Tickets" um 99 Euro gebe es seit 2003. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.7.2009)

 

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