Fünffache Olympia­siegerin bleibt suspendiert

25. Juni 2009, 17:32
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Deutsche Werth wird nach Dopingfall scharf kritisiert - Vor Tribunal des Weltverbandes laut Anwalt "voll geständig"

Hannover/Bonn - Die deutsche Dressurreiterin Isabell Werth bleibt nach dem Dopingfall ihres Pferdes Whisper gesperrt und muss heftige Kritik einstecken. Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt verzichtete nach dem positiven Doping-Test ihres Pferdes am Donnerstag auf einen Protest gegen die vorläufige Suspendierung und verlangte auch keine Öffnung der B-Probe. Bei der Anhörung vor dem Tribunal des Weltverbandes FEI sei sie "voll geständig" gewesen, sagte Werths Anwalt Ulf Walz. "Ihr Tierarzt hat einen kapitalen Fehler gemacht.

Die 39-Jährige hatte erklärt, dass ihr Schweizer Tierarzt Hans Stihl das Pferd wegen der sogenannten Zitterkrankheit mit dem Medikament Modecate behandelt habe, das den Wirkstoff Fluphenazin enthalte. Die Substanz ist allerdings für Pferde nicht zugelassen und steht auf der Dopingliste. Werth darf in der kommenden Woche nicht beim CHIO in Aachen starten, auch ein Antreten bei der EM im August scheint unmöglich, eine Sperre von bis zu zwei Jahren droht.

Der Tierschutzbund hält Werths Erklärungen für "vorgeschoben" und auch der Pharmakologe Manfred Kietzmann hält sie für unglaubwürdig. Der Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa: "Das ist nicht ganz nachvollziehbar und nicht ganz glaubwürdig." Er sagte, dass es sich um ein Präparat mit sogenanntem Depot-Effekt handle. Die Wirkung halte dadurch länger an. Für Menschen werde eine Wirkung von bis zu sechs Wochen angenommen. Es gebe aber auch Hinweise, dass es bis zu 90 Tage wirke. Der Arzneimittel-Spezialist verwies zudem auf ältere Literatur, wonach das Mittel nur wenige Tage nachweisbar sei. Damit wäre es als Doping geeignet.

Werth hatte auf ihren Schweizer Tierarzt Hans Stihl verwiesen. "Auf meine Frage nach der Absetzdauer sagte mir Dr. Stihl, dass nach seiner bisherigen Erfahrung sechs Tage reichen, dass man aber nie ganz sicher sein könne. Deshalb haben wir uns aus Sicherheitsüberlegungen dazu entschlossen, Whisper erstmals wieder am 30. Mai 2009 am Turnier in Wiesbaden einzusetzen." Werth hatte erklärt, dass sie die Entscheidung zum Einsatz des Medikaments "nach bestem Wissen und Gewissen getroffen" habe. "Ich bedaure den Vorfall zutiefst, war aber der Überzeugung, korrekt gehandelt zu haben."

Der Schweizer Stihl ist in der deutschen Pferdesport-Szene bekannt. Er hatte unter anderem das Pferd Rusty von Ulla Salzgeber behandelt, die 2003 wegen Dopings ihren Weltcup-Sieg aberkannt bekam und für zwei Monate gesperrt wurde. Stihl habe bei Rusty ohne ihr Wissen das Präparat Testosteron-Proprionat wegen einer Hauterkrankung eingesetzt, hatte die Reiterin damals erklärt. Stihl hatte auch Toni Haßmanns Classic H behandelt, bei dem im Februar 2005 in Bordeaux die im Wettkampf verbotenen Substanzen Betamethason und Methylprednisolon gefunden wurden.

Der Deutsche Tierschutzbund sieht den Pferdesport inzwischen auf "einer traurigen Doping-Augenhöhe mit der Tour de France". Tierschutz-Präsident Wolfgang Apel sagte: "Doping ist nicht nur Betrug an Konkurrenten und am Publikum, sondern ein eklatanter, tierschutzrelevanter Missbrauch der Pferde." Für ihn sei durch die jüngsten Vorfälle klar, dass der Medaillenehrgeiz für die Spitzensportler "offenbar wichtiger als das Tierwohl" sei.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) sieht sich durch die positive Probe bei Werths Pferd in ihrem Kampf gegen Doping bestätigt. "Das System greift", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. "Ohne die zusätzlichen Proben hätte es diesen Fall nicht gegeben", erklärte er. Der Verband hatte in Absprache mit Turnierveranstaltern die Zahl der Kontrollen nach dem Dopingfall des Springreiters Christian Ahlmann bei den Olympischen Spielen erhöht. Lauterbach hofft, "dass das abschreckend wirkt". (APA/dpa)

 

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    Tränen bei Isabell Werth: Damals, bei ihrem Olympiasieg, noch aus Freude.

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