Ärzte irritiert über angebliches Sparpotenzial

25. Juni 2009, 17:21
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Gesundheitspaket aber mit großer Mehrheit beschlossen

Wien - Die Ärztekammer hat am Donnerstag das mit den Krankenkassen ausgehandelte Reformpapier "mit großer Mehrheit" beschlossen. Das vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger genannte Sparpotenzial von 2,5 Milliarden Euro bis 2014 wird von den Ärzten aber als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet.

Es sei auch vereinbart worden, eine gemeinsame finanzielle Bewertung vorzunehmen, zeigte man sich irritiert. Die Ärzte gehen weiters davon aus, dass die in den letzten Jahren erbrachten "Vorleistungen" dabei berücksichtigt werden. Verwiesen wird etwa auf Nulllohnrunde und Honorarreduktionen.

Als Meilenstein sehen die niedergelassenen Ärzte die geplanten Ärzte-GmbHs an. Bisher konnten sich die Ärzte - für sie ungünstiger - nur über eine Offene Gesellschaft organisieren. Ärztekammer-Präsident Walter Dorner geht nun davon aus, dass die Zahl der Gruppenpraxen in Zukunft steigen wird. Umgekehrt werden aber auch die Öffnungszeiten an den Tagesrandzeiten und an den Wochenenden ausgeweitet. Damit sollen die überlaufenen Spitalsambulanzen etwas entlastet werden.

Kritik von Apothekern

Trotz des Unmutes über das genannte Sparpotenzial zeigte sich Dorner über den Beschluss erfreut. Mit dem Konzept sei sichergestellt, dass eine Zwei-Klassen-Medizin mit Fahrten von 100 Kilometern und mehr zu einem Spital abgewendet werde.

Nach der Pharma-Wirtschaft hat sich allerdings auch die Apothekerkammer mit Kritik an den Plänen von Ärzten und Kassen zu Wort gemeldet. Bekrittelt wird, dass zu wenig im eigenen Bereich gespart werde. Apothekerkammer-Präsident Heinrich Burggasser: "Ich halte es nicht für gescheit, wenn zwei Verhandler nach dem Florianiprinzip festlegen wollen, was der dritte beitragen soll." Man zahle bereits seit drei Jahren einen hohen Beitrag für die Krankenkassen. Die Gewinnspannen der Apotheker seien laut einer Studie im "untersten Bereich" , meint Burggasser. (go, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)

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