Pröll holt auf, Fischer bleibt vorne

25. Juni 2009, 17:19
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Im Vergleich mit Bundespräsident Fischer hätte Erwin Pröll derzeit keine Chance - Aber er hat zugelegt

Linz - Müsste Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll jetzt - eine Woche, nachdem er von Krone-Herausgeber Hans Dichand als Kandidat ins Spiel gebracht wurde - gegen den amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer antreten, dann würde er mit 30 zu 54 Prozent unterliegen. Diese Daten des Linzer Market-Instituts decken sich weitgehend mit jenen, die das Wiener OGM erhoben hat.

Allerdings zeigen sie auch: Das Vertrauen, dass Pröll es besser machen würde als Fischer, hat zugenommen - und Fischers Image bröckelt, wenn auch auf einem sehr hohen Niveau.

Market-Chef Werner Beutelmeyer verweist auf die langfristige Beobachtung: "Es ist derzeit kein Wahlkampf, Fischer ist im Verständnis der meisten Österreicher quasi eine Einheit mit seinem Amt. Da ist es schwer, sich einen anderen vorzustellen."

Beutelmeyer verweist auf vergleichende Untersuchungen aus der Zeit von Fischers Amtsvorgänger Thomas Klestil: "Man darf nicht vergessen, dass Klestil aufgrund seines Privatlebens ziemlich umstritten war. Nur in seiner besten Zeit, etwa ein Jahr nach seinem Amtsantritt 1992, hat Klestil Beliebtheitswerte gehabt, wie Fischer sie während seiner bisherigen Amtszeit eigentlich immer aufrechterhalten oder überschreiten konnte."

Zuletzt, im März dieses Jahres, hatten 29 Prozent gesagt, dass ihnen Fischer "ausgezeichnet" gefällt - ein von Klestil unerreichter Wert. Seither hat Fischer - auch in anderen Fragestellungen - ein wenig an Zustimmung verloren, sagt Beutelmeyer. Ein wenig werde Fischer jetzt als ein normaler Politiker gesehen, der für die krisenhaften Entwicklungen mitverantwortlich gemacht werde.

Er schätzt den amtierenden Bundespräsidenten dennoch weiterhin als herausragend unter den österreichischen Politikern ein: 24 Prozent, die die Note "ausgezeichnet" vergeben, und nur vier Prozent, denen Fischer "gar nicht" gefällt, sichern Fischer momentan eine Alleinstellung.

Vor allem unter den deklarierten SPÖ-Wählern kann Fischer bei der in dieser Woche durchgeführten Umfrage punkten: Jedem zweiten Sozialdemokraten gefällt Fischer "ausgezeichnet" . Und auch in der direkten Vergleichsfrage sieht man, wie geschlossen die SPÖ-Wähler hinter dem Bundespräsidenten stehen.

ÖVP nicht geschlossen

Auf die Frage "Angenommen, bei der Bundespräsidentenwahl tritt der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll gegen Bundespräsident Heinz Fischer an. Wem würden Sie Ihre Stimme geben - Erwin Pröll oder Heinz Fischer?" sagen mehr als neun von zehn Sozialdemokraten, dass sie Fischer vorziehen würden - von den erklärten ÖVP-Wählern sagen dagegen nur zwei Drittel, dass sie Pröll wählen würden.

In einer angenommenen direkten Wahl würde Pröll mit nur 30 Prozent der Bevölkerung derzeit unterliegen, mehrheitsfähig ist er nur bei den Wählern von ÖVP und BZÖ sowie unter Selbstständigen und Freiberuflern.

Im Zeitvergleich zu einer Umfrage mit derselben Fragestellung, die der Standard im März in Auftrag gegeben hat, zeigt sich nicht nur eine leichte Erosion des Ansehens von Fischer, sondern auch ein gestiegenes Vertrauen, dass Pröll es besser machen würde als der derzeitige Bundespräsident. Das hatten im Winter erst 18 Prozent angenommen, jetzt sind es bereits 27.

Es sind besonders ältere und weniger gebildete Befragte, die Pröll eine bessere Amtsführung zutrauen. Allerdings hat es in dieser Frage eine Polarisierung gegeben: Die Zahl derer, die Pröll für besser halten, hat zugenommen, die jener, die ihn für gleich gut wie Fischer halten, abgenommen - auf der positiven Seite ist der Balken in der nebenstehenden Grafik also gleich lang geblieben. Auf der negativen Seite wurde er kürzer: Nur 23 Prozent (im Winter: 34 Prozent) halten Pröll ausdrücklich für schlechter als Fischer, 15 Prozent drücken sich um eine Antwort.

Die Umfrage zeigt auch, wer sonst als Kandidat infrage käme: Michael Häupl wird von elf Prozent für besser als Fischer gehalten, von 27 Prozent für gleich gut. Häupl ist damit deutlich vor Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die in SPÖ-Kreisen immer wieder für den Fall genannt wird, dass Fischer nicht mehr antritt. Prammer hat im Vergleich zur März-Umfrage von Market noch verloren.

Der Verlierer schlechthin ist Ex-EU-Kommissar Franz Fischler, der im Winter noch den zweiten Platz hinter Pröll belegt hatte. Dass inzwischen 59 Prozent sagen, Fischler wäre schlechter als Fischer, dürfte mit den negativen Emotionen zusammenhängen, die rund um die EU-Wahl entstanden sind, meint Meinungsforscher Beutelmeyer.

Allerdings merkt er auch an, dass beide seiner Umfragen nur Momentaufnahmen sein können, weil es derzeit keinen Wahlkampf gibt. Noch ist ja nicht einmal klar, ob Fischer noch einmal anzutreten bereit ist. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2009)

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    Im direkten Vergleich mit Bundespräsident Fischer hätte der niederösterreichische Landeshauptmann Pröll derzeit keine Chance.

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