Fremdwährungskredite vor dem Aus

25. Juni 2009, 17:13
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Die Neuaufnahme für Private wird drastisch erschwert, erlaubt werden nur mehr spezielle Produkte mit strengen Auflagen

Wien - Die in Österreich bis vor kurzem noch sehr beliebten privaten Fremdwährungskredite (FWK) stehen so gut wie vor dem Aus. "Wir wollen im Moment keine weiteren Fremdwährungskredite mehr", betonten die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil. Die Neuaufnahme von Fremdwährungskrediten wird daher von der Behörde drastisch erschwert. Die FMA erlaubt nur mehr sehr spezielle Produkte mit strengen Auflagen. "Der Fremdwährungskredit darf kein standardisiertes Massenprodukt mehr sein", stellte Ettl klar.

Um ihr Ziel zu erreichen, unterwirft die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) die in Österreich tätigen Kreditinstitute einer Selbstregulierung, deren Einhaltung von FMA und OeNB genau überprüft werden soll. Ausnahmen etwa für Kredite in Schweizer Franken wird es in Zukunft beispielsweise nur mehr für jene Vorarlberger geben, die auch ihr Einkommen in Schweizer Franken erhalten, oder für Personen, deren Vermögen auf Fremdwährung lautet, sowie in der Vermögensverwaltung für gehobene Privatkunden.

Keine endfälligen Kredite mit Tilgungsträger

Auf jeden Fall darf es in Zukunft laut dem vorgestellten FMA-Modell "Selbstregulierung der Kreditwirtschaft unter Aufsicht" keine endfälligen Kredite mit Tilgungsträger mehr geben. Es sind nur mehr Abstattungskredite mit zum Beispiel monatlichen Rückzahlungen erlaubt. Dies gilt für Fremdwährungskredite - wo das Modell weit verbreitet war - wie auch für private Euro-Kredite.

Nach der von den Banken umzusetzenden Selbstregulierung müssen die Institute eine mehrjährige Strategie zur nachhaltigen Verringerung des Gesamtvolumens an FWK und Tilgungsträgerkrediten (TTK) an private Haushalte festlegen. Weiters muss es eine mehrjährige Strategie zur Beschränkung des Refinanzierungsrisikos geben. Der FWK muss als Spezialprodukt mit strengen Auflagen spezifiziert werden.

Das FMA-Modell sieht vor, dass sich die Banken bei Fremdwährungskrediten strenge Aufklärungspflichten in ihrer Kundenberatung auferlegen und dadurch die Kostentransparenz erhöhen und die Anforderungen beim Umstieg in einen Euro-Kredit festlegen. Auch wenn ein Finanzdienstleister als Berater bei der Kreditvergabe mitwirkt, muss die Bank schlussendlich die Beratung sicherstellen und dokumentieren. Weiters müssen die Banken die Einhaltung dieser Leitlinien quartalsweise durch die interne Revision überprüfen.

Überprüfung Mitte 2010

"Diese Richtlinien sind von der Industrie klar und verbindlich über den Sommer zu entwickeln", betont Ettl, und droht den Geschäftsleitern mit behördlichen Konsequenzen, sollten unzureichende Maßnahmen zur Begrenzung der Risiken ergriffen werden, oder die "Selbstregulierung unter Aufsicht" nicht umgesetzt werden.

Spätestens Mitte 2010 will die FMA die Effizienz dieses Modells überprüfen und gegebenenfalls Verbesserungen und Alternativen implementieren.

Laut Ettl ist der Markt für Fremdwährungskredite mittlerweile zum Erliegen gekommen. Im November 2008 wurden nur noch 2.280 neue FWK vergeben, nach noch jeweils über 7.000 im September und Oktober. Im ersten Quartal 2009 machten die privaten FWK 36,7 Mrd. Euro aus, das waren 30,6 Prozent aller Privatkredite bzw. 12,7 Prozent aller Kredite. Die gesamten FWK machten 54,2 Mrd. Euro aus, das waren 17,7 Prozent des gesamten Kreditvolumens. (APA)

 

 

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    Gerade bei Häuslbauern lange sehr beliebt: Der Kredit in der Fremdwährung.

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    "Wir wollen im Moment keine weiteren Fremdwährungskredite mehr", betonten die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil.

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