Silbertal in Vorarlberg

Umstrittenes Kriegerdenkmal entfernt

25. Juni 2009 16:20
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    Foto: dietmar stiplovsek

    Der Stein des Anstoßes wurde entfernt. Vor der Silbertaler Kirche wird ein „Platz der Erinnerung" entstehen.

Drohungen von Neonazis beschleunigten Entscheidung - Sichtbares Ergebnis aktiver Erinnerungsarbeit

Vor zwei Jahren kamen die Silbertaler ins Gerede. Ein Journalist machte öffentlich, was im Vorarlberger Dorf bekannt war, aber keiner wissen wollte: Dass auf dem Kriegerdenkmal der SS-Täter Josef Vallaster als Kriegsopfer gewürdigt wird. Nun wurde das Denkmal entfernt. Wo es gestanden ist, soll ein "Platz der Erinnerung" für die wirklichen Opfer entstehen.

Es war keine große Aktion. Der Steinmetz lockerte den zwei Tonnen schweren Stein, der Staplerfahrer setzte sein Hebegerät vorsichtig unter das Denkmal, hob es an und transportierte es ab. In wenigen Minuten war am frühen Donnerstagmorgen erledigt, was in Silbertal zwei Jahre lang intensiv diskutiert wurde: die Entfernung des Kriegerdenkmals.

Ganz anders als die Entfernung war die Errichtung des Denkmals ein Dorffest. Am 13. Oktober 1968 (!) wurde das Kriegerdenkmal von Silbertal mit Pomp und Trara eingeweiht. Landes- und Kommunalpolitiker, zwei Geistliche, Kameradschaftsbund-Abordnungen aus Vorarlberg und Tirol marschierten auf. Niemand stieß sich daran, dass auf dem sarkophagartigen Stein auch der Namen von Josef Vallaster als Kriegsopfer zu finden war. Im Gegenteil, der SS-Unterscharführer, der in der Tötungsanstalt Hartheim und im Vernichtungslager Sobibór aktiver Teil der NS-Mordmaschinerie war, wurde ganz bewusst und gewollt erwähnt.

Hin- statt wegschauen

Dass der Bergbauernsohn Vallaster in der österreichischen Tötungsanstalt Hartheim an der Ermordung behinderter Menschen beteiligt war und nach der Schließung der, so der Nazi-Jargon, "Euthanasieanstalt" mit Anstaltsleiter Franz Stangl (späterer Lager-Kommandant in Treblinka) ins polnische Vernichtungslager Sobibór weiter zog, interessierte im Silbertal der 60er-Jahre keinen. Wohl eher, dass er beim Lageraufstand am 14. Oktober 1943 erschlagen, "Opfer" wurde. Die Inschrift fiel zwanzig Jahre später erstmals dem deutschen Historiker Peter Witte auf, wie der Sobibór-Überlebende Jules Schelvis in seinem Buch „Vernichtungslager Sobibór" erwähnt. Schelvis' Buch erschien 2003, die Vallaster-Inschrift war über Silbertal hinaus bis 2007 nur in Historikerkreisen bekannt. „Bis unser Dorf vor genau zwei Jahren in die negativen Schlagzeilen und ins Gerede geraten ist", erinnert sich Bürgermeister Willy Säly an die Medienberichte.

Statt weiter auf wegschauen zu setzen, richtete der VP-Politiker eine Geschichtswerkstatt ein. Interessierte Dorfbewohnerinnen und -bewohner machten sich mit Historikern und Zeitzeugen an die Recherchearbeit, veranstalteten Diskussionsforen, Lesungen, Filmabende, Exkursionen. Eine neue Form der Erinnerungskultur entstand. „Nach zwei Jahren aktiver Erinnerungsarbeit genießt unsere Gemeinde den Ruf eines mutigen und menschlichen Ortes", resümiert der Bürgermeister.

Während Informations- und Bildungsarbeit der Geschichtswerkstatt auf wenig Widerstand stießen, belastete die Steinfrage Bürgermeister und Geschichtswerkstatt. Familien Gefallener befürchteten, dass ihre Angehörigen nun in Vergessenheit geraten könnten, der Pfarrer riet, nicht in alten Wunden zu rühren. Die Fraktion der Wegschauer dominierte die Stammtische.

Drohungen von Neonazis

Beschleunigt wurde die Entscheidung nun durch einschlägige Neonazi-Portale. Dort wurde Gemeinde und einzelnen Personen unverhohlen gedroht. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wurde zum Denkmalschutz aufgerufen. Er solle gegen die „Vernichtung des Silbertaler Kriegerdenkmals durch politisch korrekte Gutmenschen & Nationalmasochisten und Vaterlandsverräter zumindest öffentlich protestieren", „eine Demonstration vor Ort" wäre noch besser, forderte einer „mit auf-rechten Grüßen von der steten Wacht am Rhein".

So ein „Auftrieb" würde ihm gerade noch fehlen, der Silbertaler Stein als Anziehungspunkt für Neonazis - Bürgermeister Säly sah Image und Tourismus gefährdet, legte der Gemeindevertretung einen Antrag vor. Einstimmig wurde vergangenen Montag die Entfernung des Kriegerdenkmals beschlossen.

Der Neonazi-Drohungen hat sich nun die Sicherheitsdirektion angenommen. Ob sie Folgen haben werden, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Auf die Spuren der Verfasser zu kommen, dürfte schwierig sein. Die Hintermänner der beiden Portale, altermedia.info und Alpen-Donau Info, verstecken sich hinter US-amerikanischen Servern. (Jutta Berger/derStandard.at 25.6.2009)

Kommentar posten
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Brigitte Hinteregger
 
26.06.2009 15:58
die namen der beiden portale zu posten

ist nicht notwendig

cipf
 
26.06.2009 14:10

Ich halte eine Wette, dass auf jedem 2. Kriegerdenkmal in Ö (oder sonst wo) ein Kriegsverbrecher mit drauf gemeiselt ist.
Liegt wohl daran, dass in der Zwischenzeit auch sog. "Mitläufer" als Täter akzeptiert werden.
Hat halt lang gedauert :-((

Michail Bakunin
 
26.06.2009 15:16

Josef Vallaster hat tausende Menschen ermordet - das ist etwas mehr als ein "Mitläufer".

Philip J Fry
26.06.2009 12:05
Mahnmal

Also ich hätte einfach eine Tafel dazugestellt wo erklärt wird, was der Typ gemacht hat, soll die Vergangenheit einfach ausgelöscht werden und nur an die gedacht werden die auch unter diesem Regime gestorben sind, sollen doch alle wissen an wievielen Morden der beteiligt war und nicht nur einfach wegdenken, is vielleicht ein besseres zeichen, sicher der Name gehört nicht zu den Opfern , aber zu den Tätern. DIe Geschichte kann man ja nicht Rückgängig machen, aber man kann etwas machen das es nicht mehr passiert und auch die Täter mal zeigen.

Michail Bakunin
 
26.06.2009 14:55

Das passiert ja eh. Am Erinnerungsplatz soll "Soldaten, Flüchtlingen, Zwangsarbeitern und Euthansieopfern" gedacht werden. Zusatztafel: „Wir erinnern an einen Mitbürger, der sich in der Euthanasieanstalt Hartheim und im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung tausender Menschen schuldig gemacht hat. Josef Vallaster, SS-Scharführer. 1910 Silbertal/ 1943 Sobibor“.

kmmm
26.06.2009 11:53
wie immer -

demagogisch, selbstherrlich und unobjektiv.

postings, die nicht in den beschränkten horizont der linken blattlinie fallen, werden einfach nicht publiziert.

.

Globetrotter1
26.06.2009 11:38
Man hätte ja einfach den Namen ausmeißeln können...

luchmhor
26.06.2009 15:53

Genau das selbe hab ich mir auch gedacht. Und neben dem Kriegerdenkmal eine Tafel mit Erklärung ...

VillacherBier
26.06.2009 11:17
Einen ähnlichen Fall gibts in Villach http://www.gedenkdienst.at/index.php?id=468

hier wird der NaziBürgermeister von Villach auf einem Abwehrkampf-Denkmal gewürdigt.

Steht natürlich noch immer... Kärnten is lei ans

Michael Bakunin
26.06.2009 11:04
Bravo!

Hut ab vor der gemeinde silbertal.
hier könnte sich die övp-führung einmal etwas abschauen von ihrer basis.

Alter Kumane
26.06.2009 15:01
die Angst, Urlauber zu verlieren, war wohl ausschlaggebend

Tim Eodanaos
26.06.2009 13:16
Hut ab vor der Gemeinde Silbertal!!!!

(und zwar ganz ohne irgendwelche unnötigen parteipolitischen Seitenhiebe)

Michail Bakunin
 
26.06.2009 11:14

...hier könnte sich auch die SPÖ mal was davon abschneiden. In den meisten "roten" Gemeinden wäre sowas wahrscheinlich nicht möglich.

BarbaBianco
 
26.06.2009 14:23
Da gibt es doch einen Unterschied


Im Unterschied zu SCHWARZ hat ROT sich mit diesen Dingen auseinandergesetzt, auch wenn die Erkenntnisse nicht immer so freundlich waren, aber trotzdem ...

Dem Bürgermeister ist zu gratulieren. Die (wie ich annehme) offene Auseinandersetzung mit dieser Zeit ist wirklich bespielhaft.

Michael Bakunin
26.06.2009 11:15

ja stimmt.

mika33
26.06.2009 10:45
Und warum hat man bitte nicht einfach den Verbrecher-Namen entfernt??? Ich empfinde diese Entfernung schon als sehr

dümmlich, denn wie man am Photo sieht sind da Schätzungsweise mindesten 50 Namen am Denkmal, von Menschen die in diesem Krieg getötet worden sind und deren Denkmal ist auch beseitigt worden, nur weil auch ein Verbrecher mitdraufstand?

Und wie die Silbertaler Einwohner da jetzt als Nzis und Wegschauer (mit Pomp und Trara eingeweiht!) dargestellt werden ist wirklich allertiefste Schublade.
Mit Sicherheit wusste das damals niemand.

In Wirklichkeit hat vermutlich der Steinmetz den Auftrag bekommen, den Namen zu löschen und dafür muss er den Stein natürlich mitnehmen und wird ihn dann wieder aufstellen. Aber diese einfach Aktion kann man natürlich nicht ausreichend als Sieg über die Nazis vermarkten, da muss brachialisch entfernt werden.

kmmm
26.06.2009 10:44
es ist eigentlich eine beleidigung aller jener,

deren namen da drauf stehen und hiermit entfernt wurden, ohne dass sie gesinnungsmässig mit den nazis was zu tun hatten.
aber auch an dies zu denken, war wohl für die präpo-linken zu viel der mühe.

Hubert Ungeist
26.06.2009 09:49
Er war offensichtlich vor allem Täter

und dann halt auch Opfer.

Die die ihn umgebracht haben, waren offensichtlich vor allem Opfer, aber halt auch Täter.

Man sollte auch im Gedenken sehen, das es kein Schwarz/Weiss sondern ein hellgrau - die Opfer, und ein sehr sehr dunkles Grau - der SS Mann gibt.

Michail Bakunin
 
26.06.2009 16:47

Sie hätten dem Mann, der in Sobibor den Gashahn aufgedreht und vielleicht gerade ihre Frau, ihre Kinder, ihre Großeltern ermordet hat wahrscheinlich Blumen überreicht? Sie machen allen Ernstes Insassen eines Vernichtungslagers, die gewaltsam gegen ihre Vernichtung aufgestanden sind zu Tätern, weil bei dem Aufstand gegen ihren Henker ein paar SS-Schergen umgekommen sind? Gewalt=Gewalt, völlig Situations- und moralunabhängig? Bei so viel Ungeist und kommt mir das Kotzen...

Igor Gassner
26.06.2009 07:40
Man hätte ja auch den Namen entfernen können

der Kriegerdenkmalabbauwettbewerb der in Deutschland und Österreich einsetzt ist genauso ekeleregend wie ein Mörder auf einem Denkmal wird weltweit wohl nicht der einzige sein.

Eine Kreatur
26.06.2009 11:27
einsetzt?

da stehen die sich's voll drauf .. ein wkI und wkII denkmal mit der liste aller toten ist in österreich in jedem kaff zu finden, gehört dazu, wie die ortstafel ..

vermutlich um sich einzureden, in schwachsinnigen angriffskriegen nicht umsonst gestorben zu sein, sondern für "ehre", "vaterland", "gott" oder was auch immer ..

Michael Bakunin
26.06.2009 10:56

was ist an einem abbau eines kriegerdenkmal ekelerregend? diese denkmäler dienen doch hauptsächlich der verherrlichung des krieges und der "helden". die echten helden, menschen im widerstand und mutige desateure, die werden erst seit einigen jahren erwähnt.
statt der kriegerdenkmäler in jedem kaff wäre ein gedenkstein an alle opfer der weltkriege angebracht.

Michail Bakunin
 
26.06.2009 10:54

Welche Kriegerdenkmäler sind denn abgebaut worden. Können Sie hier Beispiele anführen?

5 Sekunden google: "Am Erinnerungsplatz soll Soldaten, Flüchtlingen, Zwangsarbeitern und Euthansieopfern gedacht werden." Sie kriegen also schon noch ihr Soldatendenkmal ;-).

Igor Gassner
26.06.2009 12:44
Die Kriegerdenkmäler erinnern

mit Namen an die Toten der Weltkriege das was die nun aufstellen wird in bester kommunistischer DDR Manier ein unbehauerner Stein mit der Aufschrift den Opfern des Faschismus sein, da wett ich drauf.

a grünes stricherl
 
26.06.2009 16:12
die relation "kriegerdenkmal"

versus "denkmal für die opfer des faschismus" dürfte in etwa 1:1000 sein ... und das ist noch sehr vorsichtig geschätzt.

sätze wie "fürs vaterland gefallen"(für welches?)
und "unseren helden" usw .. stören sie wahrscheinlich gar nicht .. richtig?

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