Das Reinheitsgebot multipel ausgelegt

25. Juni 2009, 16:42
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IS 220d: Feinschliff für das erste Lexus-Dieselmodell - ein kultiviertes Fahrzeug, das die Insassen von den Geräuschen der Außenwelt abkoppelt

Da der Standard im Jahr 2007 das Vergnügen hatte, den IS 220d ein Jahr lang im Dauertesteinsatz auf Herz und Nieren zu prüfen, sind wir gewissermaßen prädestiniert dazu, uns dasselbe Modell nach dem behutsamen Facelift noch einmal genauer anzusehen. Was bleibt: Es ist dies das erste und nach wie vor einzige Modell in der Lexus-Palette, das mit einem Selbstzünder ausgestattet ist. Einer der saubersten Diesel am Markt. Selbst Stickoxide filtert dieser Lexus schon heute heraus, der DPNR-Speicherkat reduziert Rußpartikel und NOX gleichzeitig, das können erst ganz wenige. Der bereits 2007 konstatierte Nachteil bleibt aber auch: Der sparsamste Selbstzünder im Konkurrenzumfeld ist das bei weitem nicht. Und wenn wir schon dabei sind: Die Kupplung verlangt nach wie vor ein recht sensibles Fußerl, die Nachdenkpause (alias Turboloch) im Drehzahlkeller ist auch immer noch merkbar.

Gewaltentrennung

Selbst wenn wir zum Nörgeln aufgelegt wären, müssten wir hier auch bereits innehalten, denn sonst lässt sich an diesem Fahrzeug nichts aussetzen. Die Japaner haben das immer dringlichere Reinheitsgebot zudem nicht bloß auf Schadstoffausstoß, sondern gleich viel weiter ausgelegt. Hinterradantrieb nämlich. Wie entspannt lässt sich's damit doch fahren. Schön, dass es diesbezüglich wenigstens diese eine Fernostalternative zu den beiden großen deutschen Marken (BMW, Mercedes) gibt - und schade, dass nicht längst auch Alfa und Volvo zurückgekehrt sind zum Prinzip der Gewaltentrennung zwischen Lenken und Antreiben.

Und weil wir hier in einem Lexus sitzen, handelt es sich um ein kultiviertes Fahrzeug, geräuschkultiviert zuvörderst. Es ist schon immer wieder beeindruckend, wie die Ingenieure es schaffen, die Insassen ihrer Mobile sozusagen von der schnöden lauten Außenwelt abzukoppeln, gewissermaßen mobile Oasen der Stille und Besinnlichkeit zu schaffen. Der exzellente Langstreckenkomfort dieser Limousine tut ein Übriges zum positiven Gesamteindruck.

Was die Baureihe betrifft: Lexus macht ja die von der deutschen Konkurrenz erfundene Logik der drei Hauptbaureihen - bei BMW etwa: 3er, 5er, 7er - mit. Und es ist den beharrlichen Japanern mit dem IS gelungen, was bei GS und LS noch nicht so klappen will: nämlich eine glaubhafte Alternative zu den 3ern, C-Klassen und A4ern dieser Welt auf die Räder zu stellen (was nämlich nicht allein am gelungenen Design liegt).

Der Feinschliff im Detail hat dem Wagen gutgetan, Perfektionismus, da sind die Japaner nun mal Weltmeister. Ein wirklich feines Fahrzeug - schade deshalb, dass dem IS 220d bisher ein größerer Markterfolg verwehrt geblieben ist. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/26.6.2009)

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  • Dynamisch, eigenständig: Das konnte man bisher nicht oft behaupten. Mit dem IS fand Lexus zu einer eigenen, gefälligen Linie.
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    Dynamisch, eigenständig: Das konnte man bisher nicht oft behaupten. Mit dem IS fand Lexus zu einer eigenen, gefälligen Linie.

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