Erste Liga wird reduziert

25. Juni 2009, 15:05
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Ab der Saison 2010/11 nur mehr zehn Klubs in der zweit­höchster Spielklasse - Regionalligen bleiben bestehen - Liga-Präsident warnt vor neuerlicher Debatte

Wien - Der Wunsch des ÖFB und einiger Bundesligisten nach einer Aufstockung der Ersten Liga von zwölf auf 16 Teams ist am Donnerstag im Rahmen der außerordentlichen Bundesliga-Hauptversammlung im Wiener Hotel Marriott abgeschmettert worden. Von 80 zu vergebenden Stimmen sprachen sich 40,71 für eine Rückkehr zur Zehnerliga und den Ausschluss der Amateur-Teams von Bundesligisten ab der Saison 2010/11 aus. Damit wurde die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit weit verfehlt und trat der Liga-Beschluss vom Mai 2008 - die Rückkehr zu einer zehn Mannschaften umfassenden Ersten Liga - wieder in Kraft.

Das kommende Spieljahr wird in der zweithöchsten Spielklasse zum letzten Mal mit zwölf Vereinen ausgetragen, die Salzburg Juniors und die Austria Amateure stehen damit schon jetzt als Fix-Absteiger fest. Ab der Saison 2010/11 gibt es dann einen Absteiger, der Neunte absolviert mit den Meistern der drei Regionalligen (deren Abschaffung durch die Bundesliga-Entscheidung obsolet wurde) ein Play-off um den freiwerdenden Platz.

Von den Oberhaus-Vertretern, die jeweils über fünf Stimmen verfügten, stimmten mit Ausnahme von Sturm Graz, Kapfenberg und Mattersburg alle Clubs für die Aufstockung, von den sieben wahlberechtigten Erstligisten (Stimmvolumen jeweils 4,29) waren mit Ausnahme von Wacker Innsbruck alle dagegen.

Enttäuschte Spitzenklubs

Enttäuscht über den Ausgang zeigten sich vor allem die Vertreter von Salzburg, Austria und Rapid. "Ich denke, wir werden diese Diskussion in ein, zwei Jahren wieder haben, weil dieser jetzt getätigte Schritt nicht zufriedenstellend ist", meinte Salzburg-Sportdirektor Heinz Hochhauser. Ähnlich äußerte sich Austria-Vorstand Thomas Parits. "Das ist ein Schlag für Salzburg und uns. Wir haben uns in der Ersten Liga sportlich behauptet und sind jetzt Fix-Absteiger.

Auch Rapid-Sportdirektor Alfred Hörtnagl zeigte sich verärgert. "Damit bewegen wir uns rückwärts. Es ist traurig, weil gerade in den Amateur-Teams die Jungen spielen. Außerdem ist das Thema von der Liga nicht gut genug aufbereitet worden, weil man da offensichtlich nicht so dahintergestanden ist", erklärte der Tiroler und betonte: "Aber auf die Dauer wird die 16er-Liga nicht aufzuhalten sein."

Präsident warnt vor einer neuerlichen Debatte

Bundesliga-Präsident Martin Pucher hat sich gegen die vor allem von Salzburg und Rapid geäußerte Absicht ausgesprochen, bald eine neuerliche Debatte über eine 16er-Liga zu lancieren. "In der Geiselhaft einer Formatdiskussion können wir nicht ewig bleiben", erklärte der Mattersburg-Obmann, dessen Club gegen eine Aufstockung stimmte. "Aber ich hätte als Vereinsvorsitzender mit beiden Lösungen leben können. Es gibt Dutzende Argumente dafür und dagegen, und keiner nimmt in Anspruch, dass diese Entscheidung der Weisheit letzter Schluss ist. Entscheidend ist immer, wie die handelnden Personen mit den Formaten umgehen."

Dass vor allem die Erstliga-Vereine die Aufstockung zu Fall brachten, war für Pucher keine Überraschung. "Dass wirtschaftliche Überlegungen eingeflossen sind, liegt in der Natur der Sache", sagte der Mattersburg-Chef mit Blick auf die drohenden Einnahmenverluste für die Teams der zweithöchsten Spielklasse im Falle einer 16er-Meisterschaft.

"Totgeburt Zwölferliga"

Außerdem betonte Pucher: "In Wahrheit verträgt Österreich keine zwei Profi-Ligen, aber man braucht ein Mittelding, damit die oberste Liga nicht zu einer geschlossenen Gesellschaft wird." Die im Sommer in ihre letzte Saison gehende Zwölferliga bezeichnete der Bundesliga-Chef als "Totgeburt, weil es eine große Fluktuation mit einem Aufsteiger und drei Absteigern gab". Dieses Format mit den Regionalliga-Meistern als Direkt-Aufsteiger sei der Liga allerdings vom ÖFB aufgedrängt worden.

Nun brachte die Bundesliga den ÖFB-Beschluss der 16er-Liga und Streichung der Regionalligen (Pucher: "Nur der ÖFB kann die Regionalligen abschaffen") zu Fall. Bereits im ÖFB-Präsidium hatten die Liga-Vertreter gegen diesen Vorschlag gestimmt, außerdem sprach sich die Bundesliga im ÖFB-Wahlausschuss für Günter Kaltenbrunner und nicht Leo Windtner als neuen Verbandschef aus. Eine Eiszeit zwischen Liga und ÖFB sei deswegen aber nicht zu erwarten, betonte Pucher. "Wir sind uns bewusst, dass es nur miteinander geht."

In der Diskussion um angeblich zu geringe Zahlungen des ÖFB an die Clubs für die Bereitstellung der Nationalspieler vor allem rund um die EURO 2008 verteidigte Pucher den Dachverband, "Es wäre fair, wenn man neben den Erträgen auch die Aufwendungen sieht. Die deutsche Liga hat von den Netto-Erträgen her weniger bekommen als wir, und das, obwohl Deutschland ins Finale gekommen ist."

Windtner sieht positive Zusammenarbeit

ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht die Zusammenarbeit mit der Bundesliga trotz der Ablehnung des ÖFB-Beschlusses einer Aufstockung der Ersten Liga positiv. "Die Kommunikation und die Kooperation mit der Liga klappt so gut wie schon lange nicht. Es gibt ein exzellentes Gesprächsklima mit Präsident Pucher und den Club-Präsidenten", sagte der Oberösterreicher.

Die Entscheidung zur Rückkehr zur Zehnerliga nahm Windtner zur Kenntnis. "Dieser Liga-Beschluss ist zu akzeptieren. Ich bin auch nicht enttäuscht darüber."

Sogar ein echtes Glücksgefühl verspürte Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagel. "Ich bin sehr froh, nicht nur für meinen Club, sondern für den gesamten österreichischen Fußball. Die Aufstockung wäre eine Entscheidung für die ganz Großen in der Bundesliga und jene in der Ersten Liga gewesen, die einen starken Abstiegsdruck haben", meinte der Vorarlberger.

Nagel galt als einer der massivsten Gegner einer 16er-Liga und betrieb in den vergangenen Tagen viel Lobbying, um den ÖFB-Beschluss zu Fall zu bringen. "Ich habe gemacht, was ich tun konnte, und damit habe ich mir sicher nicht nur Freunde gemacht", schmunzelte der Clubchef des Erstligisten. (APA)

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