Neue Mittelschule löst Schnittstellen-Problem nach Volksschule nicht

25. Juni 2009, 14:40
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Laut Bildungsforscher und bifie-Direktor Günter Haider - "Systemimmanentes Problem" bleibt

Bregenz - Bildungsforscher und bifie-Direktor Günter Haider sieht die frühe Selektion der Kinder im Alter von neuneinhalb Jahren als größtes Problem des derzeitigen Schulsystems. Das ändere sich auch durch die Neue Mittelschule nicht, stellte Haider bei einem Vorarlbergbesuch auf Einladung der SPÖ fest. Es werde sich zeigen, ob das NMS-Modell die Schülerströme verändern könne oder nicht, so Haider. Weiters gelte es zu beobachten, wie dort mit sozialen Defiziten umgegangen werde und, ob die Absolventenquote sich durch die NMS erhöhe, denn derzeit gingen österreichweit rund zehn Prozent der Hauptschüler ohne Abschluss ab.

Neue Mittelschule "nur Entwicklungsschritt"

Die frühe Selektion der Kinder verhindere den Chancenausgleich und die Chancengerechtigkeit für benachteiligte Schüler, bemängelte Haider. Die Vorarlberger SP-Bildungssprecherin Olga Pircher und Bundesrat Reinhold Einwallner wiederholten daher ihre Forderung nach einer gemeinsamen und ganztägigen Schule für die Sechs- bis 14-Jährigen. Die Neue Mittelschule sei ein "Schritt in die richtige Richtung", aber lediglich ein "Entwicklungsschritt" auf dem Weg zur gemeinsamen Schule, so Pircher.

Als problematisch sah Haider auch den großen Druck, der auf Volksschullehrer und -kinder in der vierten Klasse ausgeübt werde. Der Übertritt in eine AHS sei in Österreich noch immer vom Elternhaus abhängig, weniger von den tatsächlichen Leistungen, Neigungen und Fähigkeiten des Kindes. Man entscheide an dieser Schnittstelle "mit sehr untauglichen Mitteln" über Lebensschicksale und Karrieren, kritisierte Haider. Die Neue Mittelschule biete zwar einen besseren Chancenausgleich, das "systemimmanente Problem" der Schnittstelle lasse sich aber auch mit diesem Modell, das in vielen Bundesländern verschieden durchgeführt werde, nicht lösen.

Mehr Geld für Schulbau

Österreich sei das erste Land, das Spielräume im Lehrplan eröffne, "aber nicht in personeller und finanzieller Hinsicht", bemängelte Haider. Für individuelle Lernformen und Unterricht würden mehr Ressourcen benötigt. Die SPÖ Vorarlberg schlug daher vor, die Vorarlberger Landesregierung solle den baulich für Schulen zuständigen Gemeinden in den kommenden fünf Jahren 25 Mio. Euro jährlich zusätzlich für Investitionen im Schulbereich zur Verfügung stellen. An der Infrastruktur würden ihm von Pädagogen immer wieder von großen Mängeln berichtet, so Einwallner. Es sei im Schulbau ein Umdenken notwendig, zukünftige neue Schulstandorte müssten ausreichend Raum für Volks- und Neue Mittelschüler im Ganztagesbetrieb bieten. (APA)

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