Tierschützer zeigen sich enttäuscht - Tagung der Walfangkommission ergebnislos
Lissabon/Funchal - Die internationale Walfangkommission (IWC) hat einen Tag früher als geplant ihr
61. Jahrestreffen beendet und mit einer Verschiebung ihrer Entscheidungen vorerst
eine innere Spaltung abgewendet. "Wir müssen erst einen Konsens darüber finden,
was die IWC ist und welche ihre Aufgaben sind", sagte der neu gewählte
IWC-Präsident Cristian Maquieira am Donnerstag auf der portugiesischen Insel
Madeira.
Es gebe "mindestens zwei gegensätzliche Arten", diese Frage zu beantworten.
Einziges Ergebnis des Treffens ist die Entscheidung, die Gespräche in Form einer
Arbeitsgruppe um ein Jahr zu verlängern. Uneinigkeit
herrscht besonders über den Vorschlag, Japan den kommerziellen Walfang vor
seinen Küsten in begrenztem Maß zu erlauben. Japan forderte am Donnerstag eine
Entscheidung darüber im Laufe des kommenden Jahres. Auch eine Entscheidung über die Jagd
auf Buckelwale vor Grönland wurde verschoben.
Zwischenkonferenz zu Dänemark
Wie Vertreter von Tierschutzorganisationen
in Funchal berichteten, soll nun vor Ende des Jahres eigens eine
Zwischenkonferenz zu Dänemark einberufen werden. Erst dann solle über
den Wunsch Kopenhagens entschieden werden, den indigenen Einwohnern
Grönlands in den kommenden fünf Jahren die Jagd auf insgesamt 50
Buckelwale zu erlauben, die wegen ihrer Walgesänge besonders
symbolträchtig sind.
"Das ist ein Skandal, so werden
in Krisenzeiten Steuergelder verschwendet, und außerdem wächst die Gefahr, dass
der Antrag angenommen wird", kritisierte Nicolas Entrup von der internationalen
Wal- und Delfin-Schutzbewegung WDCS die Verzögerung. Dänemark habe in dieser
Frage einen Keil in die Europäische Union getrieben.
Lobbyarbeit Japans
"Es wurde viel geredet und nichts getan" - so das Resümee von Antje Helms, Meeresexpertin bei Greenpeace und Teilnehmerin der österreichischen Delegation an der Konferenz. Der ausbleibende Verhandlungserfolg spiegelt die verfahrene Situation wider, in der sich die Kommission schon seit längerem befindet. Weder Verfechter noch Gegner des Walfangs kommen alleine auf die Dreiviertelmehrheit, die für Beschlüsse nötig ist. Dass die Befürworter eine so gewichtige Stimme besitzen, obwohl nur drei Staaten - Japan, Island und Norwegen - noch aktiven Walfang betreiben, ist auf die Lobbyarbeit Japans zurückzuführen. "Japan hat sich durch Zahlungen die Stimme kleinerer Staaten zugesichert, vor allem von Pazifik- und Karibikinseln, die selbst nur eine jährliche Fangquote von zwei bis drei Wale besitzen", so Helms.
"Lahmlegung"
"Die Gewinner sind Dänemark und Japan, die Verlierer sind die Wale und die Europäischen Union", ist das Fazit der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. "Die EU ist bei kontroversen Themen nicht mehr in der Lage, sich zu einigen und für den Walschutz einzutreten. Mit einem einzigen Antrag auf Fangquoten für Buckelwale in Grönland konnte Dänemark die gesamte EU auch bei anderen Themen lahm legen", berichtete Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC-Tagung teilgenommen hatte, in einer Aussendung. "Und das ist umso fataler, weil sich viele Länder an der Position der EU orientieren. Bekommt die EU dies künftig nicht in den Griff, kann sie zum Walschutz nicht mehr viel beitragen."
Argumente
Dänemark und die Befürworter-Staaten beteuern, dass die Tötung von zehn
Buckelwalen pro Jahr den Bestand nicht gefährden würde und dies auch vom
IWC-Wissenschaftsausschuss akzeptiert werde. Tierschützer entgegnen, Grönland
habe seine Quote für den Walfang indigener Einwohner zur Selbstversorgung
während der vergangenen zehn Jahre nie voll ausgenutzt und Walfleisch verderben
lassen - oder an Touristen verkauft.
Hintergrund
Ein seit 1986 geltendes Walfangverbot wird von Norwegen und Island ignoriert.
Japan beachtet formal zwar das Moratorium, nutzt aber ein Schlupfloch, das
Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Das japanische Forschungsprogramm
gilt als Deckmantel für die kommerziell ausgerichtete Jagd. Indigene Völker
dürfen trotz des Verbots eine begrenzte Zahl Großwale zur Selbstversorgung
jagen. (APA/dpa/pte/red)