Gesteinsmaterial aus der "Höllenzeit" entdeckt

25. Juni 2009, 13:20
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In Indien gefundenes Material stammt aus der Zeit der Erdentstehung

Münster - Geologen der Universität Münster haben im Osten Indiens Gesteinsmaterial aus der "Höllenzeit" entdeckt, der Zeit der Erdentstehung vor rund viereinhalb bis vier Milliarden Jahren. Weltweit sei es erst der zweite Fund dieser Art, berichtete die Hochschule am Donnerstag. Er zeige, dass bestimmte Bereiche im oberen Erdmantel über Jahrmilliarden unangetastet bleiben und somit Informationen aus der frühesten Zeit der Erde speichern können.

In der "Höllenzeit", dem sogenannten "Hadaikum", war die Erde von einem Ozean aus geschmolzenem Gestein umgeben, das sich langsam verfestigte. Die magmatischen Gesteine stammen aus dem indischen Bundesstaat Orissa. Die Steine selbst entstanden zwar "erst" vor 1,5 Milliarden Jahren. Doch wurden sie nach den Untersuchungen der Forscher aus Material gebildet, das bereits vor vier Milliarden Jahren entstanden ist.

Aufschmelzung

"Da unsere Erde ein geologisch sehr aktiver Planet ist, werden die Gesteine dauernd neu umgearbeitet, zum Beispiel durch Verwitterung oder Aufschmelzung", erklärte der Geologe Klaus Mezger. Vor etwa 1,5 Milliarden Jahren sei das Urgestein aufgeschmolzen worden und habe im oberen Erdmantel in einer Tiefe von mehr als 40 Kilometern die neuen Gesteine gebildet. "Es ist so ähnlich wie beim Backen: Das Mehl ist vor dem Kuchen da", beschrieb der Forscher den Vorgang.

Durch geologische Bewegungen der Erdkruste und Verwitterungsprozesse gelangten die Gesteine letztendlich an die Erdoberfläche, wo sie von dem Forscherteam gefunden wurden. Die bisher einzige weitere Entdeckung dieser Art wurde vor etwa einem Jahr in Kanada gemacht und sorgte damals für Schlagzeilen.

Neuland

"Jeder Fund, der Einblicke in die Zeit der Erdentstehung gibt, ist Neuland", betonte Mezger. Nach dem zweiten Fund von Gesteinen aus einem uralten Material vermuten die Wissenschaftler nun, dass es noch mehr von diesem Material aus der "Höllenzeit" an der Erdoberfläche gibt - nur hat es bislang niemand entdeckt.

Die Analyse der Gesteinsproben ist sehr aufwendig. Den Beweis für das enorme Alter des Ausgangsmaterials für die viel jüngeren magmatischen Gesteine haben die Wissenschaftler gefunden, indem sie die Häufigkeit eines bestimmten Isotops des Elements Neodym untersucht haben. Sie unterscheidet sich bei solch altem Gesteinsmaterial von dem bekannten Durchschnittswert der Erde. Die Entdeckung weiterer alter Bereich im Erdmantel könne helfen, "Entwicklungsgeschichte der Erde in ihren Jugendjahren besser zu verstehen", meinte Mezger.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht. (APA/AP/red)

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