"Berlusconi delegitimiert öffentliche weibliche Präsenz"

25. Juni 2009, 12:26
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Sexismus des Staatschefs am Pranger: Vertreterinnen aus Wissenschaft und Kultur rufen Politiker-Gattinnen zum Boykott des G8-Treffens in Italien auf

Rom - Eine Gruppe italienischer Professorinnen hat einen Appell an die Ehefrauen der Regierungs- und Staatschefs der G8 zum Boykott des vom 8. bis 10. Juli geplanten Gipfeltreffens der Industrieländer in L´Aquila gerichtet. Damit soll gegen das Verhalten des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi Frauen gegenüber protestiert werden. Die Forderung der italienischen Sozialpsychologie-Professorinnen wurde nach Angaben einer Internetseite vom Donnerstag bereits von 6500 Frauen unterschrieben. Der Appell wurde auch schon von prominenten Persönlichkeiten der italienischen Kultur und Wissenschaft, darunter der Schriftstellerin Dacia Maraini und der Astrophysikerin Margherita Hack unterzeichnet.

Sexismus auf moralischem, zivilem und kulturellem Niveau

"Als in der Universität und der Kultur aktive Frauen sind wir zutiefst über die Weise empört, wie Berlusconi Frauen auf der öffentlichen und privaten Szene behandelt. Wir sprechen nicht nur von den privaten Beziehungen des Premierministers, die über seine Privatsphäre hinausgehen und eine öffentliche Bedeutung erlangen, sondern vor allem von der Rekrutierung des politischen Personals und von sexistischen Verhalten und Reden, die systematisch die weibliche Präsenz auf der sozialen und institutionellen Szene delegitimieren", hieß es im Appell. "Dieses Verhalten, das auf moralischem, zivilem und kulturellem Niveau gravierend ist, beeinträchtigt die Würde der Frauen und wirkt sich negativ auf die Autonomie und die Rolle der Frauen in der Gesellschaft aus", so im Schreiben.

Unbehagen schwer auszudrücken

Da Berlusconi die große Mehrheit der italienischen Medien kontrolliere, sei es schwierig, öffentlich sein Verhalten zu kritisieren. "Es ist daher schwierig, das Unbehagen vieler Frauen auszudrücken, die sich nicht mit dem weiblichen Bild identifizieren, das der Premierminister vermittelt", hieß es im Schreiben.

Solidaritäts-Appell

Die Professorinnen appellierten an die First Ladies der G8, das Treffen zu boykottieren, um klar zu machen, dass "die Delegitimierung der Frau in einem Land die Frauen aller Länder betrifft." Zu dem G8-Gipfel vom 8. bis 10. Juli in Italien werden unter anderen die Gattin von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Carla Bruni, und Michelle Obama erwartet.

Chiara Volpato, eine der Professorinnen an der Universität Mailand, sagte, dass ihr Protest nicht politisch motiviert sei. "Ich gebe zu, dass ich linksgerichtet bin, aber wir haben unseren Boykott-Aufruf als Forscherinnen, Frauen und Italienerinnen gestartet." (APA)

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