Wie unüberwindlich ist Chinas "Great Firewall" wirklich?

25. Juni 2009, 11:12
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Zugang zu Google in China unterbrochen US-Regierung kritisiert geplanten Internet-Filter

Internet-NutzerInnen in China hatten am Donnerstag keinen Zugang mehr zu den Google-Diensten. Weder die Hauptseite des Angebots noch die chinesische Version war erreichbar. "Wir untersuchen die Angelegenheit und hoffen, dass der Dienst bald wiederhergestellt wird", sagte Google-Sprecher John Pinette in Hongkong.

Links zu "vulgären und obszönen" Websites

Eine chinesische Meldestelle für "illegale Internet-Informationen" hat Google kürzlich vorgeworfen, Links zu "vulgären und obszönen" Websites zu ermöglichen. Unterdessen forderte die US-Regierung die Behörden in China auf, auf ihre Pläne für die Einführung eines Internet-Filters auf allen neu verkauften Personalcomputern zu verzichten. In einem Brief an die zuständigen Behörden in Peking erklärten Wirtschaftsminister Gary Locke und der Handelsbeauftragte Ron Kirk, die Anordnung könnte einen Verstoß gegen die chinesischen Verpflichtungen zum freien Handel darstellen. Auch hätten die PC-Hersteller nicht genügend Zeit gehabt, um die Anordnung umzusetzen.

Wie unüberwindlich ist Chinas "Great Firewall"?

Die Nachrichtenagentur Reuters hat ein kurzes Q&A zur "Great Firewall" veröffentlicht, darin heißt es:

Warum kontrolliert Peking das Internet? Chinas Regierung verwendet die Internetkontrollen, um den BürgerInnen Zugang zu Online-Informationen zu verweigern, sofern diese Informationen "moralisch zweifelhaft" oder "politisch sensitiv" sind oder aber um aufkeimenden Nationalismus zu verhindern.

Was ist die "Great Firewall"? Peking setzt auf eine ganze Sammlung aus Maßnahmen und Tools um diese Informationen und Webseiten zu blockieren. Unter anderem auch auf eine Firewall, die vor allem ausländische Webseiten für die NutzerInnen nicht zugänglich machen soll. Es sind Richtlinien für Provider und Unternehmen ausgegeben worden, zudem werden in Zukunft PCs für Privatpersonen in China nur noch mit der Filtersoftware "Green Dam" in den Handel gelangen. Von Seiten der Regierung heißt es, dass diese Filter Kinder vor Gewalt und Pornografie im Internet schützen sollen. KritikerInnen meinen hingegen, dass das Tool zur Spionage und Überwachung der BenutzerInnen eingesetzt werden soll. Zudem überwacht eine ganze Armee von ZensorInnen  den chinesischen Datenverkehr und sucht nach kontroversen Inhalten.

Was sehen die Internet-UserInnen in China? Suchanfragen zu der blutigen Niederschlagung von Protesten am Tiananmen-Platz im Jahr 1989  oder zur verbotenen Falun Gong-Sekte bleiben in China unbeantwortet. Entweder erscheint eine Fehlermeldung oder die Suchanfrage bricht einfach ab. Viele Webseiten sind geblockt, darunter auch die bekanntesten Blogging-Dienste, ebenso die Webauftritte von Menschenrechtsorganisationen, wie etwa Amnesty International oder Pro-Tibet-Webseiten. Die Regierung kann zudem bei Webportale und bei den Providern selbst direkt die Entfernung von Inhalten anordnen. Es gibt allerdings keine offizielle Liste mit geblockten und zensurierten Webseiten.

Wer betreibt die "Great Firewall"? Die Zensur wird von Teilen der Regierung in Zusammenarbeit mit Sicherheitsdienstleistern durchgeführt. Aber auch die Selbstkontrolle und Selbstzensur der Provider trägt ganz entscheidend zum "Erfolg" der Maßnahmen bei. Viele Webseiten-Betreiber sehen in der Zensur der eigenen Auftritte die einzige Möglichkeit nicht weiter blockiert zu werden beziehungsweise überhaupt präsent zu sein.

Ist es möglich, die Great Firewall zu umgehen? Ja. Die Firewall ist weit entfernt von wasserdicht und viele UserInnen umgehen die Sperren mit relativ simplen Techniken - etwa anonymen Proxy-Servern und Ähnlichem, die die wahre Identität verschleiern sollen. Allerdings gleicht dies einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Behörden, die die Seiten immer wieder blockieren und den BloggerInnen, die immer wieder neue Präsenzen starten.(APA/AP/Reuters/red)

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Google

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In den Straßen Pekings ist Google-Werbung noch zu sehen, im Internet gibt es allerdings deutliche Beschränkungen.

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