Weiter "Missverständnisse" um Gratiskindergarten

25. Juni 2009, 10:29
posten

Eltern erhalten oft widersprüchliche Infos - Kleine Kindergruppen weiter unzufrieden

Wien - Karoline M. ist ziemlich aufgebracht. Sie hat ihren Sohn, der im Oktober zwei Jahre alt wird, vor einem Jahr bei den Wiener Kinderfreunden angemeldet - und wollte ihn ab 1. Jänner 2010 in den Kindergarten geben. "Vor einer Woche wurde mir dann im Kindergarten gesagt, dass mein Sohn entweder gleich im Herbst anfängt oder sonst ein ganzes Jahr warten muss." Dies, wurde Frau M. mitgeteilt, sei eine neue Bestimmung.

Im Zuge der Umstellung des Fördersystems für den beitragsfreien Kindergarten sei man eben viel unflexibler geworden. Immerhin, so die Wienerin, habe sie mit dem Kindergarten einen Kompromiss gefunden, ihr Sohn bleibt bis November wie bisher bei einer Tagesmutter, danach kommt er wie geplant in den Kindergarten.

Bei den Kinderfreunden spricht man hingegen von einem Missverständnis. Man habe das Personal in allen 150 Häusern über die Umstellungen genau informiert, offenbar gebe es aber noch weiteren Aufklärungsbedarf, sagt Christian Morawek, der Geschäftsführer der Kinderfreunde. "Es ist selbstverständlich auch weiterhin möglich, ein Kind zu einem vereinbarten Zeitpunkt in den Kindergarten zu geben, das muss nicht im September sein" , betont Morawek im Gespräch mit dem Standard.

Was sich allerdings mit dem beitragsfreien Kindergarten in Wien ändert, ist die zentrale Vergabe der Betreuungsplätze durch die zuständige MA10 als Fördergeberin. Eltern können wie bisher ihr Kind bei einem Träger ihrer Wahl anmelden, dort ein Datenblatt ausfüllen, in dem auch bevorzugte Kindergärten angegeben werden können. "Auf die Wünsche der Eltern wird weitestmöglich eingegangen werden" , sagt Morawek. Allerdings könne es in einigen Fällen auch sein, dass zum gewünschten Zeitpunkt im Restplatzpool der MA10 eben ein Platz bei einem anderen Kindergartenträger frei sei.

Kleine weiter unzufrieden

Im Wiener Gemeinderat stand am Mittwoch der Beschluss zur Förderung gemeinnütziger privater Kindergartenträger auf der Tagesordnung. Die größte Neuerung ist dabei die Umstellung von der Gruppenförderung zu einer Pro-Kind-Förderung. Diese beträgt für einen Ganztagesplatz 334 Euro für über Dreijährige und 471,50 Euro für unter Dreijährige. Weiters gibt es für die Kindergartenträger einen Verwaltungszuschuss, der von der Gruppenanzahl abhängt und zwischen 500 und 1500 Euro liegt. Viele kleine Privatkindergärten und -gruppen fühlen sich dadurch benachteiligt. Die Grünen brachten daher einen Abänderungsantrag ein, wonach bereits Träger ab 31 Gruppen 1000 Euro Verwaltungszuschuss erhalten sollen. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2009)

Share if you care.